Davide Brivio nach erstem Trackhouse-Sieg: "Ja, wir haben den Druck gespürt"
Davide Brivio, Teamchef bei Trackhouse-Aprilia, spürt nach dem erlösenden ersten MotoGP-Sieg für Raul Fernandez und das Team nun Erleichterung
Davide Brivio und Raul Fernandez auf dem Podium des Australien-Grand-Prix
Foto: Getty Getty
In den zwei zurückliegenden Grands Prix der MotoGP-Saison 2025 gab es jeweils einen Premierensieger. Nach Fermin Aldeguer beim Indonesien-Grand-Prix in Mandalika war es zwei Wochen später beim Australien-Grand-Prix auf Phillip Island nun Raul Fernandez, der erstmals in der Königsklasse der Motorrad-WM gewonnen hat.
Im Unterschied zu Aldeguer, der für Gresini-Ducati fährt, war es im Falle von Fernandez auch der erste MotoGP-Sieg für das Team, nämlich Trackhouse-Aprilia. Somit gab es am Sonntag "Down Under" gleich doppelt Grund zur Freude in der Box des werksunterstützten Aprilia-Satellitenteams.
Für Raul Fernandez kam der erste MotoGP-Sieg im 76. Anlauf. Für Trackhouse Racing kam er bereits im 39. Anlauf. "Wir mögen ein neues Team sein, aber wir genießen wirklich großartige Unterstützung von Aprilia", betont Trackhouse-Teamchef Davide Brivio nach der Triumphfahrt vom vergangenen Sonntag gegenüber MotoGP.com.
"Gratulation natürlich auch an Raul für die Art und Weise, wie er das Rennen gemanagt hat. Ein Rennen anzuführen, ist nicht einfach. Um ganz vorne zu bleiben, musste er sich die Reifen gut einteilen, denn wir wussten, dass es gegen Ende des Rennens schwierig werden würde, eine konstante Pace halten zu können. Das hat er richtig gut gemacht und ich freue mich natürlich sehr, ihn so fahren zu sehen", so Brivio.

Auf Phillip Island zeigte Raul Fernandez eine makellose Leistung
Foto: Getty Images AsiaPac
Fernandez gehört im US-amerikanischen Rennstall seit dem MotoGP-Einstieg (2024) zum Aufgebot. Im ersten Jahr war er Teamkollege von Routinier Miguel Oliveira. Für 2025 und 2026 hat man ihm den Japaner Ai Ogura an die Seite gestellt. Komplett von Null angefangen hat man bei Trackhouse aber nicht, als man sich vor knapp zwei Jahren zum Einstieg in den Motorradrennsport entschied.
"Die Wahrheit ist natürlich, dass es das RNF-Team war. Mit dem neuen Management aus den USA haben wir versucht, unsere Vision in das Projekt einzubringen", sagt Brivio in Erinnerung an das vorherige Aprilia-Satellitenteam, aus dem im Winter 2023/24 das Trackhouse-Programm wurde.
"Der Plan war, zunächst mit den anderen Satellitenteams mithalten zu können und anschließend das Werksteam herauszufordern. Und solche Ergebnisse wie das aktuelle geben uns natürlich noch mehr Motivation, dieses Ziel zu erreichen", so der Trackhouse-Teamchef.
Und Brivio, der bei Trackhouse von Beginn an als Teamchef an Bord ist, gibt auch zu, etwas Druck gespürt zu haben: "Das NASCAR-Team hat [in der Saison 2025] schon fünf Rennen gewonnen. Da mussten wir im MotoGP-Team auch mal was zeigen. Ja, wir haben den Druck gespürt. Umso mehr freue ich mich jetzt natürlich, dass wir es geschafft haben."

Shane van Gisbergen: 2025 fünf NASCAR-Saisonsiege für Trackhouse erzielt
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Dass es Raul Fernandez ist, der den ersten MotoGP-Sieg für Trackhouse eingefahren hat, das freut Brivio ganz besonders. "Er ist zweifellos ein talentierter Fahrer. Und als wir ihn im vergangenen Jahr in unserem Team bestätigt haben", spielt er auf die Vertragsverlängerung mit dem Spanier bis Ende 2026 an, "da dachten wir schon, dass er unser Teamleader werden könnte".
Auch Ai Ogura hat laut Brivio "eine Menge Potenzial". Über Fernandez sagt der Trackhouse-Teamchef: "Dass Raul ein großes Talent ist, das steht außer Frage. Das Einzige, woran es ihm noch ein bisschen fehlte, das war der Glaube an sich selbst."
In seiner ersten MotoGP-Saison (2022 bei Tech3-KTM) kam Fernandez kein einziges Mal in die Top 10. Seit er auf einer Aprilia sitzt läuft es besser für ihn. Im RNF-Team schloss er die Saison 2023 mit P5 in Valencia ab. In der Saison 2024, mittlerweile bei Trackhouse, fuhr er zweimal in die erste Startreihe, und schaffte es in den Grands Prix sechsmal in die Top 10.
Dann ging es in die Saison 2025 und die lief zunächst nicht nach Plan, wie Brivio erinnert: "Der Beginn der Saison war ziemlich schwierig. Wir hatten Mühe, in die Punkteränge zu fahren. Wir haben immer wieder darüber gesprochen und versucht, uns zu steigern. Gleichzeitig hat Raul über den Winter an seiner Fitness gearbeitet, denn das war ein Bereich, in dem er im Vorjahr noch etwas Luft nach oben hatte. So kam Stück für Stück eines zum anderen."

Mit dem ersten Sieg hat es Raul Fernandez seinen Kritikern endgültig gezeigt
Foto: Getty Images AsiaPac
"Ab Le Mans waren wir dann eine Zeit lang regelmäßig in den Top 10 zu finden. Da beschlossen wir irgendwann, die Top 7 anzupeilen. Und jetzt ist er plötzlich zweimal hintereinander auf das Podium gefahren", freut sich Brivio. Auf seine erste Top-3-Platzierung - P3 im Indonesien-Sprint - ließ Fernandez im Australien-Sprint direkt P2 folgen.
Und tags darauf im Grand Prix setzte Fernandez auf der Trackhouse-Aprilia mit der Startnummer 25 noch einen drauf und krönte sich zum neuesten MotoGP-Rennsieger. Mit seinem Premierensieg ist der Spanier, der in dieser Woche passenderweise seinen 25. Geburtstag feiert, nun erstmals in die Top 10 der MotoGP-Gesamtwertung vorgestoßen.
"Ich freue mich einfach, dass er sein Talent jetzt zeigen kann. Und er hat auch gezeigt, wie intelligent er fahren kann, wie gut er ein Rennen managen kann", sagt Brivio und ist überzeugt: "Er kam schon mit einer Menge Selbstvertrauen aus Mandalika an. Und dieses Ergebnis jetzt wird sein Selbstvertrauen mit Blick auf die Zukunft nur noch weiter steigern."
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