Davide Brivio: Welche Mentalität Trackhouse in der MotoGP verfolgt
Trackhouse feierte 2025 den ersten MotoGP-Sieg - Ein Erfolg, der das Team verändert - Davide Brivio spricht über Stolz, Struktur und die Kultur eines Siegerteams
Das Trackhouse-Team hat sich in der zweiten Saison deutlich gesteigert
Foto: Getty Getty
Mit dem Sieg auf Phillip Island sorgte Raul Fernandez für eine Sternstunde. Es war nicht nur sein erster MotoGP-Sieg, sondern auch der erste für das Trackhouse-Aprilia-Team. Somit haben alle Rennställe im Feld mindestens ein Rennen gewonnen.
Für Trackhouse war 2025 erst die zweite Saison in der Königsklasse. "Der Sieg war für uns sehr wichtig, denn bei Trackhouse sind wir erst in unserer zweiten Saison", sagt Teammanager Davide Brivio gegenüber Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
"Wir haben eine sehr kurze Geschichte als Team, und schon ein Rennen gewinnen zu können, war ein großer Erfolg für uns. Das erfüllt das gesamte Trackhouse-Team mit Stolz, weil Trackhouse ein NASCAR-Team ist und jetzt ein MotoGP-Team."
"Das NASCAR-Team hat in diesem Jahr sechs Rennen gewonnen, wir eines. Also ist Trackhouse weltweit eine siegreiche Organisation. Das ist sehr, sehr schön. Und es ist ein großer Erfolg. Natürlich sind wir stolz. Wir sind glücklich."
In Amerika hat der Neuseeländer Shane van Gisbergen mit fünf Cup-Siegen auf Rundkursen für Furore gesorgt und wurde bester Rookie des Jahres. Sein Teamkollege Ross Chastain gewann zudem das Coca-Cola 600 in Charlotte.
Im Herbst schrieb schließlich auch das MotoGP-Team Schlagzeilen. "Aber ich bin nicht nur wegen des Sieges glücklich, sondern auch wegen der Reife, die Raul im Rennen gezeigt hat, wie er das Rennen gemeistert hat", lobt Brivio seinen spanischen Fahrer.
"Und ich hoffe, das gibt Raul zuerst einmal Motivation, aber auch dem Team, einfach Motivation für alle, dass wir das können. Natürlich ist es schwer, Rennen in der MotoGP zu gewinnen. Aber unser Ziel sollte sein, immer mehr vorne mit der Spitzengruppe zu kämpfen."
Beim Saisonfinale in Valencia bestätigte Fernandez mit Platz zwei seinen Aufwärtstrend. Brivio stieß Anfang 2024 zu Trackhouse. Er kehrte nach einem kurzen Abstecher in der Formel 1 zurück. Mit seiner Erfahrung führte er schon Suzuki 2020 zum Weltmeistertitel.
Trackhouse will eigene Strategie umsetzen
Trackhouse ist ein klassisches Satellitenteam mit einer vergleichsweise kleinen Struktur, die aus dem Vorgängerteam RNF hervorgegangen ist. "Als ich kam, war das Team ganz am Anfang", blickt Brivio zurück, "obwohl das Team auf dem vorherigen Team aufbaut."
"Was wir versuchen, ist, die Trackhouse-Kultur einzuführen, eine Siegermentalität. Wir wollen uns immer mehr als amerikanisches Team positionieren. Zunächst einmal lernt Trackhouse, wie die MotoGP ist, und dann versuchen wir, unsere Strategie, unsere Ideen umzusetzen."
Brivio kennt die japanische Mentalität von Yamaha und Suzuki bestens. Als Italiener arbeitet er nun mit Aprilia zusammen. Trackhouse ist ein werksunterstütztes Team und hat sich vertraglich die bestmögliche Unterstützung zugesichert.
"Das ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig. Erstens ermöglicht es dem Team, wettbewerbsfähig zu sein. Aber was mich mehr beschäftigt, ist, dass man mit Werksmaterial auch interessante Fahrer, interessantes Personal, Ingenieure anziehen kann."

Davide Brivio leitet die Geschicke des einzigen US-Teams in der MotoGP
Foto: Getty Images AsiaPac
"Denn wenn man ein Team auf einem bestimmten Niveau hat, wollen die Leute dazugehören", weiß Brivio. "Und das ist auch unser Ziel. Also könnte das Rekrutieren von Leuten oder Fahrern vielleicht einfacher sein, wenn man das Material hat."
"Jetzt kann jeder sehen, wie sehr Aprilia sich verbessert hat, und dass wir dasselbe Material haben. Das kann eine gute Motivation für unsere aktuellen Fahrer und das Personal sein, weiterzumachen." Denn es steht eine spannende "Silly Season" bevor.
Die Verträge mit Fernandez und Ogura laufen Ende 2026 aus. Bleibt die RS-GP konkurrenzfähig, dann könnte Trackhouse für einige Fahrer ein attraktives Team werden. Aber zunächst müssen die großen Namen ihre Schritte machen.
Bei Aprilia in Noale arbeiten auch einige Ingenieure, die zuvor in der Formel 1 gearbeitet haben. Brivio konnte bei Alpine Einblicke in die Königsklasse auf vier Rädern gewinnen. Ist dieses Wissen auf die MotoGP übertragbar?
"Ich denke, das Wissen ist sehr schwer zu übertragen, weil ich denke, dass Formel 1 und MotoGP sehr unterschiedlich sind. Eigentlich nicht Formel 1 und MotoGP, sondern Motorrad und Auto sind sehr unterschiedlich."

Das Trackhouse-Team mit dem Gulf-Design beim Fotoshooting in Sepang
Foto: Icon Sportswire
"Also für einen Ingenieur, der aus der Formel 1 kommt, ist es nicht so einfach, sich an die Motorrad-Datenanalyse-Konzepte zu gewöhnen. Was ich denke, dass interessant zu übertragen ist, ist die Organisation, das Arbeitssystem", findet Brivio.
"Vielleicht der Weg, wie man Informationen austauscht, wie man Meetings abhält, wie man zwischen Ingenieuren interagiert - wahrscheinlich so etwas. Aber um als Ingenieur Expertise auf einem Motorrad zu bekommen, denke ich, dauert das einige Zeit."
Trackhouse beendete die zweite MotoGP-Saison mit 261 Punkten auf Platz sieben der Teamwertung. Das war eine deutliche Steigerung gegenüber der Debütsaison, in der das Team mit 141 Punkten Platz neun belegte.
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