Der Wendepunkt für Johann Zarco? Nach Sturz zweitschnellste Runde in Austin
Nach seinem Sturz fuhr Johann Zarco allein, ohne Druck, und erlebte dabei Gefühle, die er seit Langem vermisst - Die zweitschnellste Runde als Zeichen der Hoffnung
Johann Zarco fuhr in Austin die zweitschnellste Rennrunde
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MotoGP-Routinier Johann Zarco hat nach den ersten drei Rennwochenenden 13 WM-Punkte auf dem Konto. In Thailand wurde der Franzose Elfter, in Brasilien Neunter und im Austin-Sprint Neunter. Im Grand Prix der USA stürzte der LCR-Honda-Fahrer schon in der Anfangsphase.
Dieser Crash könnte als weiterer Rückschlag für seinen schwierigen Saisonstart gewertet werden. Aus Sicht des Franzosen hat er vielleicht genau die Trendwende eingeleitet, die er so dringend brauchte. Denn seit seinem Wechsel zu LCR vor zwei Jahren galt Zarco als Hondas bester Fahrer.
Der Franzose hat die besten Ergebnisse für den Hersteller eingefahren. Den Höhepunkt bildete ein unvergesslicher Sieg beim Grand Prix von Frankreich im vergangenen Jahr. Ausgerechnet bei der Pressekonferenz zur Vorschau auf das kommende Rennen in Le Mans zog Zarco Bilanz.
Die Honda entwickelt sich weiter, der LCR-Fahrer hingegen nicht. Er hat Mühe, sich an die Änderungen anzupassen, die seit dem vergangenen Sommer am Motorrad vorgenommen wurden. Während Joan Mir und Luca Marini ihre Performance verbessern, tritt Zarco auf der Stelle.
"Es läuft weniger gut, als ich es mir vorgestellt hatte", räumt er offen ein. Seit vergangenem Sommer läuft es nicht rund. "Wir haben gesehen, dass das Motorrad sich gut weiterentwickelt hat. Seit 2024 hat Honda große Fortschritte gemacht."
"Vor allem haben sich die anderen Honda-Fahrer aus dem Werksteam viel wohler gefühlt. Man sieht sie weiter vorne, während ich es noch nicht geschafft habe, die Qualitäten des neuen Motorrads richtig zu nutzen."
In den USA war Zarco sogar der am schlechtesten platzierte der vier Honda-Fahrer. Im Sprint holte er zwar noch einen WM-Punkt, aber im Hauptrennen brachte ihn ein Kontakt mit Enea Bastianini zu Fall, ohne jedoch seinen Sonntag zu beenden.
Bezzecchi kann Zarco nicht überrunden
Zarco hatte sportlich nichts mehr zu gewinnen, entschied sich aber dennoch, wieder auf sein Motorrad zu steigen. Das zahlte sich aus: "Am Sonntag hatte ich Gefühle, die ganz einzigartig waren, nachdem ich im Rennen nach dem Kontakt mit Bastianini gestürzt war."
"Ich bin wieder rausgefahren und habe mir gesagt: 'Ich fahre weiter, vielleicht gibt es eine rote Flagge.' Aber es kam keine, also war ich ganz allein auf der Strecke." Der 35-Jährige drehte alleine am Ende des Feldes seine Runden.
Dabei fand Zarco neue Motivation, nämlich seinen Vorsprung von rund zehn Sekunden auf Marco Bezzecchi zu verteidigen, der kurz davor war, ihn zu überrunden, am Ende aber nicht aufholte. Unbemerkt von den TV-Kameras war das ein bemerkenswerter Aspekt des Rennens.

Seit Sommer läuft es für den ältesten Fahrer im Feld nicht mehr rund
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"Ich hatte Bezzecchi hinter mir und konnte ihn sehen, weil er dabei war, mir eine Runde abzunehmen. Ich habe mich motiviert und mir gesagt: 'Na gut, wir werden sehen, ob er mich einholt. Ich habe immer noch einen großen Vorsprung.' Und er hat mich nicht eingeholt!"
"Das war ziemlich positiv. Es gab so eine kleine Herausforderung, eine Art zu fahren ohne Druck." Diese Fähigkeit, sich auf der Honda zu lösen und frei zu fahren, hatte Zarco zu Saisonbeginn vermisst. In Austin fand er sie im Grand Prix wieder, als es um keine WM-Punkte mehr ging.
Er hofft, dass diese Solofahrt und der dabei gezeigte Rhythmus der Befreiungsschlag ist, den er so dringend benötigt: "Gerade passieren viele Dinge in meinem Leben, die mir zeigen, dass das Motorrad der einzige Ort ist, an dem ich mich wirklich befreien kann."
"Das ist beim Training so, aber ich möchte, dass es auch im Rennen so ist, denn im Rennen hat man immer Druck. Irgendwann muss man sich sagen: 'Moment mal, ich habe ein MotoGP-Motorrad, ein Motorrad, von dem jeder träumt, es zu fahren'. Und ich bin derjenige, der draufsitzt."
"Warum sollte ich nicht genauso viel Spaß haben wie beim Training auf dem Rennmotorrad? Ich habe es am Sonntag gemacht: kein Druck, das Wochenende war vorbei, es gab nur noch 18 Runden zu fahren und zu sagen: 'Los geht's, schauen wir mal, was dabei rauskommt.'"
Zarco mit der zweitschnellsten Rennrunde
Zarco zeigte bei seiner Solofahrt gute Rundenzeiten, darunter die zweitschnellste des Rennens. Er war nur um 0,036 Sekunden langsamer als Ai Ogura und um 0,041 schneller als Bezzecchi. Zumindest in dieser Runde fuhr Zarco auf Augenhöhe mit Aprilia.
"Da habe ich mir gesagt: 'Das Motorrad funktioniert gar nicht so schlecht.' Ehrlich gesagt bringt einen das wirklich zum Nachdenken. Ich habe mir sogar die Gefühle notiert. Da war etwas, ein Loslassen, ich weiß nicht genau. Ich hoffe, das in den kommenden Rennen wiederzufinden."
Als Veteran des Feldes weiß Zarco, dass die Dinge nicht mehr so leicht kommen wie damals bei seinen beiden Weltmeistertiteln in der Moto2-Klasse. Er hält es dennoch für unverzichtbar, diese Fähigkeit wiederzufinden, im Einklang mit seinem Motorrad zu sein.

Johann Zarco hofft, dass er den befreienden Wendepunkt geschafft hat
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"Meiner Meinung nach ist das das, was Bezzecchi gerade erlebt, was Bagnaia irgendwann erlebt hat, was Quartararo auch in seinen großen Yamaha-Jahren erlebt hat. Ich habe es auch erlebt, vor fast zehn bis zwölf Jahren, das fühlt sich weit weg an", so Zarco.
"Aber selbst wenn man mit 36 Jahren körperlich nicht mehr so frisch ist wie ein 25-jähriger Fahrer, ist das Feuer im Bauch auf jeden Fall noch da, und es ist dasselbe wie mit 20 Jahren. Das motiviert mich. Und ich sage mir: 'Warum nicht großartige Dinge?'"
"Solange dieses Feuer wirklich da ist und man es nutzen kann, sei es durch besondere Bedingungen wie Regen, Wind oder Reifenwechsel, aber auch unter normalen Verhältnissen, dann gibt es eine Möglichkeit, zu spüren, zu genießen und zu performen, weil wir dafür gemacht sind."
"Junge Sportler wollen das, und durch Wiederholung programmieren sie sich so. Ich bin bereits programmiert. Jetzt muss ich das Programm nur noch ausführen." Zarco hat auch für das kommende Jahr einen Honda-Vertrag, der ihm einen Platz im LCR-Team sichert.
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