Di Giannantonio erklärt: Das fehlt Ducati im Vergleich zu Aprilia
Der Schlüssel liegt im Detail - Fabio Di Giannantonio beschreibt Ducatis größtes Problem - Das Vorderrad wird immer mehr zum limitierenden Faktor
Marco Bezzecchi und Fabio Di Giannantonio in Barcelona
Foto: Eric Eric
Das Duell Aprilia gegen Ducati prägt die MotoGP-Saison 2026. Die jahrelange Dominanz von Ducati ist gebrochen. Aprilia hat fünf der ersten acht Grands Prix gewonnen, Ducati drei.
Die Aprilia-Fahrer Marco Bezzecchi und Jorge Martin belegen die ersten beiden Plätze in der Fahrerwertung. Fabio Di Giannantonio ist als bester Ducati-Fahrer WM-Dritter und hat 42 WM-Punkte Rückstand.
Seit dem vergangenen Jahr erhält er im VR46-Team Werksunterstützung und kennt den Ducati-Nachteil genau: "Seit anderthalb Jahren sage ich, dass wir die Front verbessern müssen, weil sie der Schlüssel ist, um die Performance zu maximieren."
"Ich denke, dass Aprilia im Moment unglaublich gut in die Kurven hineinfährt. Was ihnen hilft, die Reifen bis zum Ende zu schonen, ist, dass sie das tun, was man am Kurveneingang mit dem Vorderreifen machen sollte."
"Und den Kurvenausgang erledigen sie dann über das Hinterrad. Wir sind viel stärker vom Hinterrad abhängig, wir machen im Grunde alles darüber. Wenn man extrem gut im Management des Hinterreifens ist, hat man eine Chance."
"Aber man hat trotzdem nie die Möglichkeit, so aggressiv und präzise mit dem Vorderreifen zu fahren wie Aprilia im Moment", nennt Di Giannantonio den entscheidenden Unterschied.
"Im Moment sind wir beim Vorderreifen am Limit. Ich habe die Mugello-Rennen so bestritten, dass ich den Hinterreifen geschont habe, aber der Vorderreifen wäre bestimmt zehnmal fast eingeklappt."
"Man muss also beim Vorderreifen sehr viel Risiko eingehen. Sie sind da deutlich präziser. Als Martin zu Aprilia kam, wenn man sich an den Test in Barcelona erinnert, war sein erster Kommentar, dass der Vorderreifen unglaublich ist."
Konzeptioneller Nachteil wird immer größer
"Ich denke, genau das fehlt uns im Moment", so Di Giannantonio. Er glaubt auch, dass dieser Schwachpunkt der Ducati jetzt stärker zum Tragen kommt, weil die Konkurrenz aufgeschlossen hat.
"Unser Gesamtpaket ist unglaublich, aber das Vorderrad war immer ein Thema. Und jetzt, wo das Niveau so hoch ist und wir das Motorrad maximal ausreizen müssen, wird das Vorderrad definitiv zum Problem."
"Wenn man also kein volles Vertrauen zum Vorderrad hat oder es nicht stabil bleibt, ist es immer schwierig. Ich sage nicht, dass wir keine Chancen haben. Unser Motorrad ist unglaublich, wir können definitiv mit Aprilia kämpfen."

Ducati setzt seit Jahren den Fokus auf die Nutzung des Hinterreifens
Foto: Getty Images Europe
"Aber im Moment haben sie meiner Meinung nach noch einen kleinen Vorteil", sagt Di Giannantonio. Er glaubt auch, dass das Problem schon im vergangenen Jahr vorhanden war, es Marc Marquez aber am besten kompensieren konnte.
"'Pecco', ich und manchmal auch Marc hatten im vergangenen Jahr Probleme mit dem Vorderrad. Marc war natürlich trotzdem unglaublich stark, stürzte aber auch über das Vorderrad, ohne genau zu wissen warum."
"Ich denke, Ducati ist über die Jahre einfach immer weiter in diese Richtung gegangen, und jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, der ein Limit darstellt", glaubt Di Giannantonio.
Er nennt erneut den entscheidenden Unterschied: "Denn während Aprilia, wie gesagt, stärker über das Vorderrad bremst und das Hinterrad für den Kurvenausgang nutzt, machen wir alles über das Hinterrad."
"Und wenn man das Hinterrad nicht perfekt managt, kann es zu einem massiven Leistungsabfall kommen. Im Moment machen sie das meiner Meinung nach einfach etwas besser als wir."
Bagnaia: Ducati hat 2025 den Weg verloren
Die größten Probleme mit dem Gefühl für das Vorderrad hatte 2025 Francesco Bagnaia. Seine zahlreichen Stürze und seine oft schwache Performance waren darauf zurückzuführen.
"Das Problem ist", sagt Bagnaia im Rückblick, "dass wir im vergangenen Jahr unseren Weg verloren haben - Ducati hat den Weg verloren. In diesem Jahr versuchen wir, das wiederzufinden, was wir uns in den Jahren davor erarbeitet haben."

Bagnaia hat die Probleme schon im vergangenen Jahr erlebt
Foto: AFP
"Wir verändern die Balance des Motorrads ziemlich stark im Vergleich zu dem, wie es ursprünglich war. Das ist anspruchsvoll, weil wir Schritt für Schritt vorgehen und es kein einfacher Weg ist, aber wir machen Fortschritte."
Andererseits nennt Marquez beim Vergleich zu Aprilia keine technischen Details, sondern zeichnet ein allgemeineres Bild: "Aprilia und vor allem Marco waren seit dem letzten Sommer der Hauptgegner."
"Wenn man sich die Rennen in Österreich, im Balaton Park, Brünn oder Misano ansieht, war er der Mann, den es zu schlagen galt. Wir konnten uns gute Duelle mit ihm liefern."
"Wie sehr sich Aprilia verbessert hat, kann ich nicht genau sagen, weil unser Motorrad gut funktioniert, ich aber nicht das Maximum heraushole. Mal sehen, ob ich mich steigern kann, das wird natürlich auch dem Motorrad helfen." Diese Steigerung gelang Marquez in Ungarn, als er beide Rennen gewinnen konnte.
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