Die beeindruckendsten Wildcard-Auftritte der MotoGP seit 2002
Wildcard-Einsätze sind selten geworden, doch einige Fahrer nutzten ihre Chance eindrucksvoll - Wir blicken auf spektakuläre Gaststarts in der MotoGP zurück
Dani Pedrosa ergatterte bei einer Wildcard sogar eine Sprintmedaille
Foto: LAT Images
Wildcard-Einsätze waren in der MotoGP schon immer beliebt, auch wenn in den letzten Jahrzehnten die meisten Starts nur noch durch direkte Beteiligung der Hersteller zustande kamen und in der Regel Entwicklungszwecken dienten.
Angesichts der hohen Professionalität der Meisterschaft wird es immer schwieriger für Fahrer, an einem Rennwochenende einzusteigen und sofort konkurrenzfähig zu sein - unabhängig davon, wie viele Testkilometer sie absolviert haben.
Zudem liegt der Fokus von Wildcard-Fahrern oft darauf, neue Teile unter Rennbedingungen zu testen, weshalb Topplatzierungen nicht oberste Priorität haben. Dennoch gab es in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche herausragende Ergebnisse, insbesondere wenn Wetterbedingungen für ausgeglichene Verhältnisse sorgten.
Da die MotoGP ab der neuen Regelära 2027 Wildcard-Einsätze verbieten wird, werfen wir einen Blick auf fünf Fahrer, die bei ihren Gastauftritten besonders beeindruckten.
Akira Ryo (Suzuka 2002)

Akira Ryo musste sich in Suzuka 2002 allein Valentino Rossi geschlagen geben
Foto: Gold and Goose Photography / LAT Images / via Getty Images
Der Japan-Grand-Prix 2002 war ein Meilenstein im Motorradsport und markierte den Beginn der neuen MotoGP-Ära mit 1000-ccm-Viertaktern. Suzuki-Testfahrer Akira Ryo legte einen brillanten Start von Platz sieben hin und übernahm früh die Führung. Polesetter Valentino Rossi fiel auf seiner Werkshonda zunächst zurück.
Ryo führte über weite Strecken des Rennens, konnte sich jedoch letztlich nicht gegen Rossi verteidigen, der ihn in der 16. Rennrunde in der letzten Schikane überholte.
Der Japaner konterte in der Schlussphase und kam mindestens einmal einem erneuten Überholmanöver sehr nahe, musste sich aber schließlich mit nur 1,5 Sekunden Rückstand geschlagen geben, kam aber als starker Zweiter ins Ziel.
Michele Pirro (Valencia 2018)

Michele Pirro ist seit vielen Jahren als Ducati-Testfahrer im Einsatz
Foto: LAT
Beim MotoGP-Saisonfinale 2018 in Valencia startete Michele Pirro als Wildcard-Fahrer von Platz zwölf ins Rennen und hatte zunächst einen eher unspektakulären Beginn. Unter schwierigen Bedingungen stürzte der Ducati-Pilot früh in Kurve 10.
Eine längere Rennunterbrechung ermöglichte ihm jedoch den Neustart. Auf weiterhin nasser Strecke kämpfte er sich durch das Feld bis auf den fünften Platz nach vorn.
Als Valentino Rossi vier Runden vor Schluss stürzte, rückte Pirro auf Rang vier vor - sein bislang bestes MotoGP-Ergebnis. Der Rückstand auf den drittplatzierten Aleix Espargaro betrug am Ende nur 1,2 Sekunden. Zudem schlug Pirro Werksfahrer Jorge Lorenzo, den er beim vorherigen Rennen in Sepang noch vertreten hatte.
Ben Spies (Indianapolis 2008)

Ben Spies verschaffte sein starker Wildcard-Auftritt einen Stammplatz
Foto: Robert LaBerge/Getty Images
Ben Spies bestritt in Indianapolis seinen dritten Einsatz im Jahr 2008, und seinen zweiten als Wildcard für Suzuki. Nachdem er bereits in Laguna Seca mit Platz acht überzeugt hatte, steigerte er sich beim zweiten US-Rennen der Saison nochmals deutlich.
Im Qualifying war er der einzige Suzuki-Fahrer in den Top 10 und stellte seine Maschine auf Startplatz fünf. Ein schwacher Start warf ihn im Rennen dann zwar zunächst zurück, doch er kämpfte sich schnell auf Rang sechs vor und lieferte sich anschließend ein packendes Duell mit Weltmeister Casey Stoner.
Das Rennen wurde aufgrund des Hurrikans Ike vorzeitig abgebrochen, was der starken Leistung von Spies jedoch keinen Abbruch tat. Nur zwei Wochen später wurde bekannt gegeben, dass Spies 2009 in die MotoGP aufsteigen würde - mit Yamaha.
Dani Pedrosa (mehrere Rennen)
Dani Pedrosa beendete seine MotoGP-Karriere nach der Saison 2018, spielt aber seitdem eine zentrale Rolle in der Entwicklung der KTM RC16. In den letzten Jahren trat er viermal mit Wildcard an und überzeugte jedes Mal mit seinem Tempo.
Beim San-Marino-Grand-Prix 2023 qualifizierte sich Pedrosa auf einem starken fünften Platz und erzielte zwei Top-4-Ergebnisse. Im Sprint verpasste er nur knapp ein Podium, als er kurz davor war, Francesco Bagnaia zu überholen - eine beeindruckende Leistung, nur wenige Wochen vor seinem 38. Geburtstag.
Im darauffolgenden Jahr schaffte er es sogar in die Top 3: Beim Sprint in Jerez kämpfte er sich durch das Feld und profitierte nachträglich von einer Strafe gegen Fabio Quartararo. Der Spanien-Grand-Prix 2024 war sein bislang letzter MotoGP-Auftritt.
Pol Espargaro (mehrere Rennen)
Die Karriere von Pol Espargaro als Stammfahrer wurde durch seine schwere Verletzung in Portimao 2023 praktisch beendet, doch er ist als Testpilot bei KTM weiterhin aktiv.
Im Jahr 2024 führte er das Motorrad im Sprint am Red Bull Ring auf einen soliden neunten Platz und erreichte auch beim San-Marino-Grand-Prix erneut die Top 10. Besonders beeindruckend war er aber als Ersatz für den verletzten Maverick Vinales.
Er vertrat der Spanier in der zweiten Hälfte der Saison bei Tech3 und fuhr dabei nicht nur regelmäßig unter die Top 10 fuhr, sondern konnte sich innerhalb des KTM-Teams mit Brad Binder und Enea Bastianini messen. Selbst Pedro Acosta meinte, dass Espargaro eine weitere Chance in der MotoGP verdient hätte.
Weitere erwähnenswerte Leistungen
Es gab noch viele weitere beeindruckende Einsätze von Fahrern, die kurzfristig in die MotoGP einstiegen, allerdings meist als Ersatzfahrer und nicht als klassische Wildcards.
Troy Bayliss gewann beispielsweise den Valencia-Grand-Prix 2006 für Ducati als Ersatz für Sete Gibernau, wobei er bereits über fast drei Saisons Erfahrung verfügte. Im Gegensatz dazu wurde Katsuyuki Nakasuga wurde in Valencia 2012 Zweiter, obwohl er zuvor nur wenige MotoGP-Starts absolviert hatte.
Oliver Jacque holte 2005 in China das erste MotoGP-Podium für Kawasaki, als er das Motorrad von Alex Hofmann übernahm, während Jonathan Rea 2012 als Ersatz für Casey Stoner mit zwei Top-10-Ergebnissen auf sich aufmerksam machte.
In jüngerer Zeit fuhr Takaaki Nakagami beim verregneten Frankreich-Grand-Prix 2025 auf Platz sechs. Der Japaner war als Stammpilot erst Ende 2024 offiziell zurückgetreten.
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