Die Qualitäten, die Marc Marquez von allen anderen MotoGP-Piloten abheben
Marco Rigamonti, Crewchief von Marc Marquez im Ducati-Werksteam, erklärt, was den siebenmaligen MotoGP-Weltmeister aus Spanien so besonders macht
Marc Marquez und Crewchief Marco Rigamonti arbeiten seit 2025 zusammen
Foto: Gold Gold
14 Jahre ist es her, dass Marc Marquez in die Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft eingestiegen ist. Seither schreibt er die Rekordbücher neu. Wozu Marquez auf der Rennstrecke imstande ist, das wurde schon unzählige Male analysiert. Von seinen spektakulären Saves über seine berühmten Block-Passes bis hin zu seinem beeindruckenden Speed, der Spanier ist in vielerlei Hinsicht zu einem ganz wichtigen Teil der MotoGP-Geschichte geworden.
Verletzungen haben Marquez entschlossener denn je gemacht, sich zurück an die Spitze zu kämpfen. Sein Titelgewinn 2025 war ein weiterer Beweis für seine Hartnäckigkeit. Und: Mit zunehmender Erfahrung ist der siebenmalige MotoGP-Weltmeister weniger anfällig für Fehler und Stürze geworden. Heutzutage ist Marquez' körperliche Verfassung der einzig verbliebene Schwachpunkt in seinem Repertoire.
Die Tatsache, dass sich Marquez in der aktuellen Saison 2026 trotz alles andere als hundertprozentiger Fitness und nachdem er zwei Grands Prix verpasst hat, voll im Kampf um den WM-Titel dabei ist, sagt viel über sein Niveau aus. Doch Marquez' größte Stärken beschränken sich nicht auf die Rennstrecke. Kaum jemand kann besser erklären, was den 33-jährigen Spanier hinter den Kulissen so besonders macht, wie es sein Crewchief Marco Rigamonti kann.
Die Zusammenarbeit zwischen Rigamonti und Marquez begann, als sich der MotoGP-Superstar aus Spanien zur Saison 2025 dem Ducati-Werksteam angeschlossen hat. Obwohl die beiden erst seit weniger als zwei Jahren zusammenarbeiten, haben sie schnell eine gute Beziehung aufgebaut. Mittlerweile zählt Marquez Rigamonti zu seinem engsten Kreis.
Außergewöhnlich gut darin, Probleme genau zu lokalisieren
Rigamonti hat während seiner Laufbahn in der Königsklasse der Motorrad-WM mit mehreren Rennsiegern zusammengearbeitet. Seiner Meinung nach zeichnet sich Marquez vor allem durch sein technisches Feedback aus. In einer Rennserie, in der die Abstände so gering sind, macht es Marquez' präzises Feedback für Ducati einfacher, Schwachstellen zu beheben und sich auf die entscheidenden Stärken zu konzentrieren.
"Er weiß sehr genau, was auf dem Motorrad passiert ist. Er versteht das sehr gut", erklärt Rigamonti im Gespräch für Motorsport.com, Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network. "Er ist in der Lage, die Daten zu überprüfen und die Stelle zu markieren, an der er denkt: 'Hier habe ich dieses Problem.' Das macht es für uns einfacher, das zu verstehen und eine Lösung zu finden."
"Dabei sagt er immer: 'Ich habe das so gespürt, aber vielleicht habe ich mich geirrt.' So hilft er uns zu verstehen, was auf dem Motorrad passiert. Und wenn wir ihn nach weiteren Details fragen, ist er im Vergleich zu anderen Fahrern präziser. Das hilft uns bei der Analyse und gegebenenfalls auch bei der Behebung des Problems", erklärt der erfahrene Crewchief.

Marc Marquez in der Ducati-Box im Gespräch mit Marco Rigamonti
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Rigamonti sagt, Marquez sei außergewöhnlich gut darin, genau zu lokalisieren, wo er Zeit gewinnt oder verliert, was für Ducati im Kampf gegen Aprilia in der Saison 2026 eine große Hilfe ist: "Er ist in der Lage zu analysieren, wo er im Vergleich zu den anderen Zeit verliert. Wenn er Zeit verliert, weil es an ihm oder an seinem Motorrad liegt, dann ist das unsere Aufgabe. Aber er analysiert präzise, wo wir stark sind und wo wir nachlassen. Das hilft uns also sehr dabei, das Motorrad zu verbessern."
Rigamonti hat zudem das Gefühl, dass Marquez nie etwas ungenutzt lässt und jedes Mal, wenn er die Boxengasse verlässt, das Maximum aus dem Motorrad herausholt: "Was an ihm als Fahrer sehr gut ist und uns sehr gefällt: Sobald er den Helm aufsetzt, weiß man, dass er immer, in jeder Situation, 100 Prozent gibt."
"Das ist das Beste für uns, denn wenn das Ergebnis ausbleibt, kann man niemals sagen: 'Vielleicht hätte der Fahrer noch mehr tun können.' In seinem Fall gilt das nicht. Er schöpft immer 100 Prozent des Potenzials des Motorrads aus", so Rigamonti.
Immer ehrlich
Während der vergangenen 18 Monate hat Rigamonti aus nächster Nähe miterlebt, wie Marquez die MotoGP-WM dominierte, wie er aufgrund einer weiteren Schulterverletzung unter Selbstzweifeln litt, und wie er sich nach der jüngsten Operation zurückgekämpft hat. Während dieser gesamten Zeit, so sagt der Italiener, habe der neunmalige Motorrad-Weltmeister nie zu verbergen versucht, was wirklich vor sich ging.
"Wenn die mangelnde Performance in einer bestimmten Kurve mit seiner körperlichen Verfassung zusammenhing, war er ehrlich und sagte: 'Ich fahre im Moment nicht gut.' Das ist also immer klar", sagt Rigamonti.
"Auch voriges Jahr, als er fit war, hatte er kein Problem damit es zu sagen, wenn das Problem in einer Kurve mit seinem Fahrstil zusammenhing. In diesem Jahr war das Einzige, was wir gesehen haben, sein Gesichtsausdruck. Er war nicht glücklich. Das bedeutet, er spürte ganz klar, dass körperlich etwas nicht in Ordnung war."

In kurzer Zeit ist Rigamonti für Marquez zu einem ganz engen Vertrauten geworden
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
"In Mugello konnten wir an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er recht zufrieden war, weil er begriff, dass er das Problem womöglich behoben hatte. Man sieht seine Einstellung sofort an seinem Gesicht, denn er ist ein ehrlicher Typ. Wenn er nicht zufrieden ist, ist das sofort zu verstehen", erklärt Rigamonti.
Diese Ehrlichkeit sorgt auch für eine freundlichere Atmosphäre innerhalb des Teams. Und genau das schätzt Rigamonti an Marquez: "Als Mensch ist er ehrlich. Man weiß immer, was er denkt und was er tut. Er genießt es sehr, Zeit mit uns zu verbringen, denn er weiß: Wenn alle um ihn herum glücklich sind, ist auch die Atmosphäre gut, und das wirkt sich positiv auf die Performance aus. Er ist ein netter Kerl, der es sehr genießt, mit uns zusammen zu sein."
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