Diskussion über gestrichene Runden: Bagnaia und Vinales reagieren verärgert

Francesco Bagnaia und Maverick Vinales werden in Portiamao die schnellsten Runden gestrichen: Im Fahrerlager wird nach dem Qualifying emotional diskutiert

Diskussion über gestrichene Runden: Bagnaia und Vinales reagieren verärgert

Ducati-Werkspilot Francesco Bagnaia stürmte im Qualifying zum Grand Prix von Portugal in Portimao mit einer neuen Rekordrunde zur Poleposition (zum Quali-Bericht). Doch der Jubel hielt nicht lange an.

Da Bagnaia seine Zeit nach dem Sturz von Vorjahressieger Miguel Oliveira (KTM) unter gelben Flaggen gefahren war, wurde die Runde gestrichen. Und auch Yamaha-Werkspilot Maverick Vinales wurde durch gestrichene Runden zurückgeworfen. Die Vorgehensweise bei gelben Flaggen und überschrittenen Streckenlimits war eines der großen Themen am Samstagnachmittag.

Bagnaia kritisiert, dass er die gelbe Flagge gar nicht sehen konnte: "Man kommt bergab und die gelbe Flagge befindet sich auf der rechten Seite. Ich lehnte mich aber bereits nach innen und bereitete die Kurve vor. Es war unmöglich, das zu sehen. (Luca) Marini fuhr hinter mir und war gleicher Meinung, was die gelben Flaggen angeht."

Gelbe Flagge

Die Fahrer kritisieren die Sichtbarkeit der gelben Flaggen

Foto: Motorsport Images

"Doch so ist die Regel und wir müssen ihr folgen. In den 15 Minuten wurden mir bei beiden Versuchen Runden gestrichen. Es wäre besser gewesen, heute in der Box zu bleiben und den anderen Fahrern zuzuschauen", scherzt Bagnaia, der bis auf die elfte Position zurückfiel.

Für das Rennen ist Bagnaia dennoch zuversichtlich. "Gut ist, dass ich die Poleposition geholt habe und eine unglaubliche Runde fuhr. Mein Renntempo ist auch sehr stark. Im FT4 fuhr ich mit gebrauchten Reifen und war nah dran an (Fabio) Quartararo, der frische Reifen verwendete", berichtet der Italiener. "Es wird schwierig, so viele Positionen gutzumachen. Aber ich werde es probieren."

Vinales bezeichnet die Entscheidung der Rennleitung als "unfair"

Maverick Vinales traf es im Q2 noch härter. Dem Sieger des Saisonauftakts in Katar wurden im finalen Qualifying-Durchgang gleich drei Runden gestrichen. Als sich Vinales auf Pole-Kurs befand, kam er minimal zu weit über den Randstein. Die Sensoren erkannten, dass er die Strecke verlassen hat. Vinales reagierte verärgert. Und auch die anderen Fahrer wunderten sich über die harte Strafe.

Maverick Vinales

Maverick Vinales will die angestaute Wut im Rennen als Antrieb nutzen

Foto: Motorsport Images

"Ich weiß, dass ich meine Arbeit gut machte und nicht auf den grünen Bereich kam. Ich war zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Streckenlimits", versichert Vinales. "Schlussendlich ist es die Entscheidung eines Systems und einer Person. Ich kann nichts dagegen tun."

Die angestaute Wut möchte der Yamaha-Werkspilot im Rennen nutzen. Doch von Startplatz zwölf wird es nicht einfach. "Es schenkt mir mehr Kraft für morgen. Es war unfair, dass sie mir die Runde weggenommen haben. Doch wir werden versuchen, diesen Ärger in positive Energie umzuwandeln", kommentiert Vinales.

Strafen ergeben laut Oliveira "keinen Sinn"

Die Sichtbarkeit der gelben Flaggen und das Überschreiten der Randsteine waren in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Themen, die auch die MotoGP-Verantwortlichen beschäftigten. Mit den elektronischen Flaggensignalen soll die Sichtbarkeit der gelben Flaggen verbessert werden. Von den in diesem Jahr neu eingeführten Sensoren verspricht sich die Rennleitung objektivere Entscheidungen. Doch im Fahrerlager hörte man einige kritische Stimmen.

Miguel Oliveira

Miguel Oliveira wünscht sich, dass individuelle Entscheidungen getroffen werden

Foto: Motorsport Images

Lokalmatador Miguel Oliveira ist mit den Entscheidungen nicht zufrieden: "Die Dorna hat jetzt dieses System mit den Sensoren. Natürlich ist es sehr genau, doch andererseits sollte die Strafe noch einmal kontrolliert werden. Das trifft auch auf die gelben Flaggen zu."

"Ich bezweifle, dass einer der Fahrer bergab die gelben Flaggen auf der rechten Seite sieht, wenn man nach links schaut. Es gibt keine einfache Regel, die man hier anwenden kann", ist Oliveira überzeugt. Der KTM-Pilot ist der Meinung, dass das minimale Überschreiten der Streckenlimits ohnehin keinen Vorteil bringt.

"Wir wissen, dass man in der Moto3 sehr schnell die Streckenlimits verletzt, doch in der MotoGP ist es schwieriger. Wir machen nichts gut, wenn wir die Streckenlimits verletzen. Natürlich wird sich die Rennleitung verteidigen, weil es die Regeln gibt und sie die Sensoren haben. Doch für mich ergibt es keinen Sinn, ihn zu bestrafen", stellt Oliveira klar.

Portion Glück für gute Qualifying-Ergebnisse notwendig?

KTM-Teamkollege Brad Binder machte in Katar Erfahrungen mit dem neuen Sensorsystem. Der Südafrikaner ist überzeugt, dass im Qualifying auch eine Portion Glück notwendig ist. "Man passt seinen Fahrstil deshalb nicht an. Man hofft einfach, dass man bei seiner schnellen Runde nicht auf den grünen Bereich kommt", bemerkt Binder.

Brad Binder

Brad Binder sammelte mit den neuen Sensoren bereits negative Erfahrungen

Foto: Motorsport Images

Die Strafen für Bagnaia und Vinales sind laut Binder nicht gerechtfertigt. "Es ist hart, wirklich hart. Ich erinnere mich auch an einige persönliche Bestzeiten, die im vergangenen Jahr und auch in diesem Jahr auf Grund gelber Flaggen gestrichen wurden", so der KTM-Werkspilot.

"Manchmal spüren diese Sensoren die feinsten Unterschiede, die man selbst nicht einmal mitbekommt. In Katar ging es mir im Q1 so. Mir wurde mitgeteilt, dass meine Runde gestrichen wurde. Ich war überzeugt, dass das nicht so war", berichtet Binder.

Jack Miller zeigt wenig Verständnis für gestrichene Rundenzeiten

In Bagnaias Fall hätte eine bessere Sichtbarkeit der gelben Flaggen wenig verändert. Wenn der Italiener die gelben Flaggen gesehen hätte, wäre die Rekordrunde nicht zustande gekommen. Auch Ducati-Teamkollege Jack Miller kennt das Gefühl, wenn die persönliche Bestzeit gestrichen wurde.

Jack Miller

Laut Jack Miller gibt es keine richtige Logik bei den Strafen

Foto: Motorsport Images

"Ich war auch schon einige Male derjenige, der wegen einer gelben Flagge bestraft wurde", bemerkt der Australier. "Man braucht da nicht zu diskutieren, weil keine richtig Logik dahinter steckt. Es ist so, wie es ist. Unterm Strich ergibt es keinen Sinn."

"Diese Reifen haben ein sehr kleines Arbeitsfenster. Wenn man bereits gespusht hat, dann bekommt man diese Performance nicht noch einmal", erklärt Miller und kritisiert auch die Entscheidung im Fall von Vinales: "Ich sah eine Wiederholung von Vinales. Meiner Meinung nach berührte er noch nicht einmal den grünen Bereich."

Bald nur noch elektronische Flaggensignale?

Valentino Rossi war im Q2 nur Zuschauer. Das Qualifying war für den MotoGP-Routinier bereits nach dem Q1 beendet. Laut Rossi sind die gelben Flaggen ein Auslaufmodell. Der Italiener befürwortet, dass alle Strecken auf elektronische Flaggensignale umgestellt werden.

Digitales Flaggensignal

Digitales Flaggensignal: In Zukunft werden immer mehr klassische Flaggen ersetzt

Foto: Motorsport Images

"Die elektronischen Flaggensignale sind nützlich, weil die gelben Flaggen in der MotoGP überholt sind. Man sieht sie sehr schlecht. Mit den elektronischen Flaggensignalen ist es besser. Doch es ist auch eine finanzielle Frage, denn man benötigt viele davon und sie müssen so groß sein wie die in der Formel 1", schildert Rossi.

"In 'Peccos' Fall wäre ein Panel besser gewesen als eine gelbe Flagge", ist Rossi überzeugt. Gleichzeitig sind die elektronischen Flaggensignale nicht die Endlösung, wenn sie nicht gut platziert sind: "Es hätte nicht viel geändert, wenn es wie die gelbe Flagge auf der rechten Seite positioniert gewesen wäre."

Weltmeister Joan Mir warnt vor den Gefahren

MotoGP-Weltmeister Joan Mir sieht die Diskussion über die gestrichenen Rundenzeiten unter gelber Flagge mit gemischten Gefühlen. Einerseits versteht Mir, dass es für die Fahrer ungerecht ist, die ihre Rundenzeiten gestrichen bekommen. Andererseits werden die Flaggensignale den Fahrern nicht ohne Grund mitgeteilt.

Joan Mir

Joan Mir warnt vor den Gefahren, wenn sich ein Fahrer im Kiesbett befindet

Foto: Motorsport Images

"Es ist die sicherste Lösung. Wenn Oliveira im Kiesbett liegt, dann muss man vom Gas gehen. Wenn man stürzt, dann kann mit den Streckenwarten und Oliveira auf dem Boden eine extrem gefährliche Situation entstehen", kommentiert Mir und fasst zusammen: "Es ist die sicherste Lösung, doch manchmal ist es natürlich auch ziemlich unfair."

Aleix Espargaro fordert noch härtere Strafen

Aprilia-Pilot Aleix Espargaro vertritt eine ähnliche Meinung wie Joan Mir: "Es gibt Regeln, mit denen die Sicherheit gewährleistet werden soll. Gestern stürzte ich in Kurve 11. Viele Fahrer gingen vom Gas. 'Pecco' fuhr in dieser Kurve eine weite Linie und kam von der Strecke ab, als ich im Kiesbett stand und das Motorrad zusammen mit den Streckenwarten aufrichten wollte."

"Die Regeln sind die Regeln. Und meiner Meinung nach muss die Dorna noch strenger sein", fordert Aleix Espargaro. "Die gelben Flaggen werden mittlerweile ohne große Verzögerung geschwenkt. Wenn es eine gelbe Flagge gibt, dann weil jemand gestürzt ist. Ein Streckenwart kann getötet werden. Es tut mir leid, weil er (Bagnaia) eine unglaubliche Runde fuhr und es die Pole gewesen wäre. Doch es ist gleichzeitig sehr gefährlich."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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