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Ducati im Assen-Sprint hinter Aprilia: Marc Marquez im "Safe-Mode"

Nicht Marc Marquez oder "Pecco" Bagnaia, sondern Fabio Di Giannantonio splittet das Aprilia-Quartett - Wo Ducati in Assen Nachteile hat und was im Sprint schiefging

Ducati im Assen-Sprint hinter Aprilia: Marc Marquez im "Safe-Mode"

Marc Marquez hat am Assen-Wochenende andere Limits als in Brünn und am Balaton

Foto: Gold Gold

Aprilia hat das MotoGP-Wochenende zum Grand Prix der Niederlande in Assen bislang klar im Griff. Nachdem WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi in allen drei Trainings der Schnellste war, gab es im Qualifying zum ersten Mal überhaupt das Szenario, dass die ersten vier Positionen ausnahmslos von Aprilia-Fahrern belegt wurden.

Jorge Martin eroberte erstmals in Aprilia-Diensten die Pole, Teamkollege und WM-Spitzenreiter Bezzecchi war Drittschnellster. Direkt vor und direkt hinter Bezzecchi haben sich die Trackhouse-Aprilia-Piloten Ai Ogura und Raul Fernandez qualifiziert. So gingen die vier RS-GP26 nicht nur in den Sprint am Samstag, so werden sie auch in den Grand Prix am Sonntag gehen.

Im Sprint war Aprilia ähnlich dominant wie im Qualifying. Nach den 13 Runden des Samstagsrennens wurden vier der ersten fünf Plätze von Aprilia-Fahrern belegt. In Reihen der Ducati-Fahrer gelang es einzig VR46-Star Fabio Di Giannantonio, das Aprilia-Quartett zu splitten. "Diggia" kam im Sprint als Dritter ins Ziel - hinter den Trackhouse-Piloten Fernandez und Ogura, aber vor den Werkspiloten Bezzecchi und Martin.

Marc Marquez "nicht sehr komfortabel und inkonstant"

Für die beiden Ducati-Werkspiloten Marc Marquez und Francesco Bagnaia hingegen sprang im Sprint am Assen-Samstag nicht mehr als P6 und P7 heraus. Die Geschichten hinter dem sechsten Platz für Marquez und dem siebten Platz für Bagnaia sind aber durchaus unterschiedlich.

Marquez, der noch immer mit den Nachwirkungen seiner Schulteroperation von vor sieben Wochen kämpft, tut sich auf dem flüssigen TT Circuit Assen an diesem Wochenende ähnlich schwer wie Ende Mai auf dem flüssigen Mugello Circuit in Italien. Nach P6 am Samstag in den Niederlanden gibt er offen zu: "Ich fahre im Safe-Mode."

"Auf dieser Strecke braucht man das richtige Gefühl, um angreifen zu können. Das habe ich derzeit nicht. Es ist zwar nicht so, dass sich schlecht fahren würde, aber an gewissen Stellen der Strecke verliere ich zu viel. Vor allem fühle ich mich nicht sehr komfortabel und bin deshalb inkonstant", erklärt Marquez, der einen Sturz unbedingt vermeiden will.

Francesco Bagnaia: Strafe im Ziel nach Beinahe-Strafe am Start

Teamkollege "Pecco" Bagnaia kam am Samstag eigentlich direkt vor Marquez als Sechster ins Ziel. Der Italiener hat aber eine Rückversetzung um eine Position kassiert, weil er in der letzten Runde ausgangs der letzten Schikane die Tracklimits überschritten hat. Bagnaia befand sich im Windschatten der Werks-Aprilia von Jorge Martin, als er beim Herausbeschleunigen aus der Schikane einen Tick zu weit rechts fuhr.

Aufgrund der Rückversetzung um eine Position taucht Bagnaia im Ergebnis des Assen-Sprint auf P7 hinter Marquez auf. Über seinen Vordermann Jorge Martin berichtet Bagnaia: "Er kam regelmäßig sehr schlecht aus der letzten Schikane heraus. Ich wollte innen vorbei, aber er hat die Linie geblockt. Deshalb musste ich auf die grüne Fläche ausweichen."

Der angesprochene Martin gab nach dem Sprint zu, dass es für ihn "in den letzten drei Runden schwierig war, die Ducatis hinter mir zu halten". Der Aprilia-Werkspilot sprach in diesem Zusammenhang von mangelndem Grip am Hinterrad - ein Problem, das er sich kurz nach der Zieldurchfahrt allerdings nicht so recht erklären konnte.

Wenn auch nicht mit Martin, aber allen voran mit dem Trackhouse-Duo Raul Fernandez und Ai Ogura, war Aprilia am Samstagnachmittag in Assen trotzdem klar stärker als Ducati. Der im Ziel bestplatzierte Ducati-Fahrer, nämlich Fabio Di Giannantonio, führt die Unterschiede zwischen der RS-GP26 und der Desmosedici GP26 an diesem Wochenende auf das Streckenlayout zurück.

Di Giannantonio erklärt: Warum Aprilia stärker ist als Ducati

"Die schnellen und langgezogenen Kurven sind es, die uns ein bisschen Probleme bereiten", sagt Di Giannantonio. Beim Verfolgen der Aprilia-Fahrer ist ihm aufgefallen: "Sie sind am Kurveneingang extrem präzise. Sie können ihr Vorderrad genau so platzieren wie es es haben wollen. Somit sind sie auch am Kurvenausgang besser aufgestellt und schonen die Reifen."

Fabio Di Giannantonio, Marco Bezzecchi, Jorge Martin, Francesco Bagnaia

Fabio Di Giannantonio war im Sprint bestplatzierter Ducati-Fahrer

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

Dass er mit P3 im Ziel der bestplatzierte Ducati-Fahrer war, das ist für Di Giannantonio ein schwacher Trost. "Ehrlich gesagt wäre es mir deutlich lieber, wenn ich Erster wäre anstatt erster Ducati-Fahrer", sagt der VR46-Pilot. Enttäuscht ist er von seinem Samstag trotzdem nicht: "Uns war schon beim Start klar, dass vier andere heute stärker sind als wir, nämlich die vier Aprilias. Dass ich gegen Raul um den Sieg gekämpft habe und am Ende in den Top 3 ins Ziel gekommen bin, das war meinerseits schon eine großartige Errungenschaft."

Marc Marquez klingt ganz ähnlich, als er nach dem Sprint gefragt wird, wo Aprilia gegenüber Ducati Vorteile hat: "Wir kennen ja die Stärken der Aprilia und wir wussten, dass sie auf Strecken wie in Holland und auch auf ein paar anderen Strecken mit schnellen Kurven stärker sein würden als wir. Für uns muss es einfach darum gehen, die Saison mit 22 Rennen als Ganzes zu sehen. Hier ist Aprilia stärker als wir, aber 'Diggia' und 'Pecco' sind trotzdem richtig gut gefahren."

Seine eigenen Erwartungen setzt Marquez ganz bewusst nicht sonderlich hoch an. Das gilt auch für den Sonntag. "Ich werde versuchen, Siebter oder Achter zu werden", sagt er. Nachgefragt, ob es für ihn im Niederlande-Grand-Prix nur darum gehen werde, ein paar Punkte zu sammeln, antwortet der Titelverteidiger und Assen-Vorjahressieger: "Punkte sammeln nicht. Ich gebe ja meine 100 Prozent, aber mehr geht eben derzeit nicht. Das müssen wir auf dieser Strecke so hinnehmen. Frustriert bin ich nicht, denn es ist das, was ich erwartet hatte."

Bagnaia hingegen, der ohne die späte Tracklimits-Strafe vor Marquez ins Ziel gekommen wäre, rechnet sich für den Grand Prix am Sonntag durchaus Chancen aus, das Aprilia-Quartett splitten zu können. Dass das im Sprint am Samstag nicht geklappt hat, das führt er vor allem auf die Startphase zurück.

"Als ich heute einmal an Marc vorbei war, ist es mir gelungen, auf Martin aufzuholen. Ich glaube, das Potenzial war noch deutlich größer als das, was am Ende herausgekommen ist. Ich war in der Lage, mit Raul und Ogura zu kämpfen, hatte aber einen schlechten Start", sagt Bagnaia, der vom fünften Startplatz kam.

Im Moment, als die roten Lichter der Startampel ausgingen, verlor das Vorderrad von Bagnaias Werks-Ducati die Bodenhaftung. Es war ein klassischer Wheelie, wie er jetzt, da das Holeshot-Device an der Gabel verboten ist, wieder häufiger zu sehen ist. "Das war mein Fehler, ganz ehrlich", sagt Bagnaia und gibt zu, dass er schon in diesem Moment kurz davor war, bestraft zu werden.

Francesco Bagnaia

Francesco Bagnaia gibt die Hoffnung auf einen vierten Assen-Sieg noch nicht auf

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

"Ich hätte mir beinahe eine Durchfahrtsstrafe eingefangen, denn ich ließ die Kupplung kommen als die Ampel noch rot war. Also musste ich die Kupplung nochmals ziehen. Und als ich sie dann wieder habe kommen lassen, habe ich das ein bisschen zu aggressiv getan. Das war mein Fehler", so Bagnaia über seinen Wheelie, der ihn für die erste Hälfte des Sprints auf die siebte Position zurückwarf.

Mit Blick auf die 26 Rennrunden am Sonntag sagt Bagnaia, seines Zeichens Sieger des Grand Prix der Niederlande in den Jahren 2022, 2023 und 2024: "Das Potenzial, um um den Sieg zu kämpfen, das ist meiner Meinung nach vorhanden."

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