Ducati vertraut beim Motor weiter auf 2024er-Basis: "Zu 90 Prozent gleich"
Kontinuität beim Antrieb: Ducati hält am überlegenen MotoGP-Motor von 2024 fest und zieht die erfolgreiche Basis bis zum Reglementwechsel 2027 durch
Die Motorenbasis ist für alle Ducati-Piloten im Feld dieselbe
Foto: Getty Getty
Ducati setzt bei der diesjährigen Desmosedici GP26 weiterhin auf den Erfolgsmotor von 2024. Das hat der Hersteller aus Borgo Panigale bestätigt. Die Marke baut seine aktuellen MotoGP-Prototypen nach wie vor auf derselben Triebwerksbasis auf, die seit der Saison 2024 den Maßstab in der Königsklasse setzt.
Statt eine komplette Neuentwicklung voranzutreiben, wird der bestehende Motor Schritt für Schritt weiter verfeinert und bis zum Ende der 1000-ccm-Ära genutzt werden.
2024er-Motor als entscheidender Entwicklungssprung
Der Wechsel vom 2023er- auf den 2024er-Motor markierte den größten technischen Fortschritt der Desmosedici der letzten Jahre. Verantwortlich dafür ist maßgeblich Ducatis Technikchef Gigi Dall'Igna. Intern gilt dieses Aggregat als zentrale Referenz.
Als Marc Marquez im November 2024 erstmals die GP24 und die GP25 im direkten Vergleich fuhr, stellte er einen enormen Unterschied zur GP23 fest, die er zuvor bei Gresini pilotiert hatte. Dennoch vermieden sowohl Marquez als auch Francesco Bagnaia eine klare Aussage darüber, welches Bike die bessere Wahl sei.
Ducati sprach damals von nahezu identischen Motoren, was die Fahrer bestätigten. Seitdem wurde stets auf Basis des 2024er-Aggregats weitergearbeitet. Dessen Leistungsfähigkeit zeigte sich bereits in seiner ersten Saison deutlich in den Resultaten.
Bagnaia gewann elf Grands Prix und fünf Sprintrennen. Jorge Martin holte den Weltmeistertitel mit drei Grand-Prix-Siegen und sieben Sprinterfolgen. Enea Bastianini, damals Bagnaias Teamkollege, steuerte zwei Grand-Prix- und zwei Sprintsiege bei.
Lediglich Marc Marquez auf der GP23 von Gresini (drei Siege) und Maverick Vinales auf Aprilia (ein Sieg) konnten die Ducati-Siegesserie 2024 punktuell durchbrechen.
Über 90 Prozent identisch: Was dennoch anders ist
Nach Angaben aus Herstellerkreisen ist der aktuelle Motor zu mehr als 90 Prozent identisch mit den Versionen der beiden Vorjahre. Unterschiede betreffen vor allem äußere Komponenten, die nicht unter den sogenannten "Engine Freeze" fallen.
"Die Motoren sind fast gleich, sie verwenden dieselben Teile. Die einzigen Änderungen von Jahr zu Jahr betreffen das Material einzelner Elemente, um eine höhere Zuverlässigkeit zu erreichen", erklärt der italienische Hersteller gegenüber Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
Kernarchitektur und Leistungscharakteristik blieben dagegen unangetastet. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch das Reglement: Bereits seit Mai 2024 steht fest, dass ab 2027 neue technische Vorschriften gelten. Zudem ist die Motorenentwicklung für die Saison 2026 eingefroren - mit Ausnahme von Yamaha.
Deshalb entschied Ducati aus sportlichen wie wirtschaftlichen Gründen, keinen komplett neuen Motor für 2025 zu bauen, sondern die bewährte Basis weiterzuführen.
Fahrer schweigen: Fokus auf Aerodynamik statt Motor
Bei den Vorsaisontests fiel auf, dass die Ducati-Piloten auffällig selten über Motoren sprechen. Als er in Valencia von der GP24 auf das neueste Werksbike wechselte, vermied Alex Marquez jede konkrete Bezeichnung der Spezifikation. Er sprach nur von einem "anderen" Bike und betonte das positive Fahrgefühl.
Auch nach den Sepang-Tests rückten bei ihm vor allem Aerodynamik und Set-up-Arbeit in den Vordergrund. Er berichtete, als erster Fahrer neue Aero-Komponenten getestet zu haben, und erklärte, dass sich das Potenzial der Aero-Pakete ähnele und stark streckenabhängig sei. Eine Aussage zum Motor blieb aus.
Marc Marquez und Bagnaia äußerten sich im Zuge des Testfahrten ebenfalls ausschließlich zu Aerodynamik-Updates und Fahrgefühl, nicht aber zur Antriebseinheit.
Warum Ducati das Motorenthema lange nicht klarstellte
Dass Ducati die Gleichheit der Motoren lange Zeit nicht offen kommunizierte, hatte offenbar strategische Gründe. Intern galt es als Priorität, Bagnaia nach Leistungsschwankungen wieder zu stabilisieren und das Umfeld möglichst ruhig zu halten.
Eine öffentliche Bestätigung, dass Werks- und Satellitenfahrer mit nahezu identischem Material unterwegs sind, hätte zusätzlichen Druck auf den Italiener erzeugen können.
Was unterscheidet Werks- und Kundenteam dann noch?
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Faktor: Ducati verkauft seine Maschinen an Satellitenteams mit klarer Preisstaffelung - das Vorjahresmodell günstiger, die aktuelle Spezifikation deutlich teurer. Die Modellbezeichnung (GP24, GP25, GP26) besitzt daher kommerzielle Bedeutung, auch wenn sich die Motorbasis kaum verändert hat.
Die offizielle Linie für die aktuelle MotoGP-Saison lautet: Alle Ducati-Piloten erhalten einen Motor auf nahezu identischer 2024er-Basis. Unterschiede zwischen der GP25 und der GP26 ergeben sich vor allem über Aerodynamik, Chassis und Schwinge. Ducati entscheidet individuell, welches Paket welcher Fahrer bekommt.
Damit ist klar: Während andere Hersteller an neuen Konzepten arbeiten, setzt Ducati auf Kontinuität und vertraut darauf, dass der Erfolgsmotor von 2024 die Marke bis zum großen Reglementwechsel 2027 konkurrenzfähig hält.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.