Ducati vor der MotoGP-Wende? Domenicali nennt zwei Faktoren
Ducati-CEO Claudio Domenicali sieht den MotoGP-Titel 2026 plötzlich wieder in Reichweite, nennt dafür aber zwei entscheidende Faktoren
Marc Marquez hat viele Punkte aufgeholt - wie läuft in der zweiten Saisonhälfte?
Foto: Alexander�Trienitz Alexander�Trienitz
Noch vor einem Monat hätte Claudio Domenicali kaum damit gerechnet, dass Ducati in der MotoGP wieder ernsthaft um die Weltmeisterschaft kämpfen könnte. Inzwischen hat sich die Ausgangslage jedoch deutlich verändert.
Vor der Sommerpause liegen fünf Fahrer innerhalb von lediglich 24 Punkten, während sich die Kräfteverhältnisse an der Spitze zuletzt mehrfach verschoben haben.
"Was vor einigen Wochen noch unmöglich schien, nämlich darüber nachzudenken, um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, ist heute sicherlich eine Möglichkeit. Allerdings denke ich, dass es noch sehr viel zu sehen gibt", erklärt Domenicali bei Sky Sport.
Damit bringt der Ducati-CEO die Entwicklung der vergangenen Wochen auf den Punkt. Während der italienische Hersteller im ersten Saisondrittel angesichts eines großen Rückstands kaum noch mit einem ernsthaften Titelkampf rechnen konnte, ist die Weltmeisterschaft vor der Sommerpause wieder völlig offen.
Domenicali sieht dabei zwei Faktoren als entscheidend für die zweite Saisonhälfte: die Performance von Fabio Di Giannantonio und die körperliche Verfassung von Marc Marquez.
Domenicali baut auch auf Di Giannantonio
Di Giannantonio beendete die erste Saisonhälfte mit einem Sturz auf dem Sachsenring, hält sich in der Gesamtwertung aber weiterhin auf Platz fünf. Nach Ansicht des Ducati-Chefs muss der Italiener jedoch noch einmal einen Schritt nach vorne machen.
"Es wird stark davon abhängen, ob Fabio Di Giannantonio wieder auf Kurs kommt und ob er dieses zusätzliche Quäntchen Leistung finden wird. Deshalb wird er ein sehr wichtiger Anwärter sein", sagt Domenicali mit Blick auf den VR46-Piloten.
Für Ducati könnte "Diggia" damit zu einem wichtigen Faktor im Titelkampf werden. Je nachdem, wie konkurrenzfähig der 27-Jährige aus der Sommerpause zurückkehrt, könnte er den ohnehin engen Kampf an der Spitze zusätzlich beeinflussen.
Marquez' rechter Arm bleibt ein Thema
Noch wichtiger dürfte für Ducati allerdings die körperliche Verfassung von Marc Marquez sein. Der Spanier hatte die Saison aufgrund einer erneuten Verletzung an der rechten Schulter zunächst nur schwer in Gang gebracht und musste später nach einem Sturz in Le Mans eine bereits geplante Operation am Arm vorziehen.
Inzwischen hat Marquez allerdings eindrucksvoll zurückgeschlagen. Auf Strecken, die seinem Fahrstil mit vielen Linkskurven entgegenkommen, konnte der Ducati-Star zuletzt drei Siege feiern. Er gewann in Ungarn, Tschechien und Deutschland.
Domenicali weiß jedoch, dass auf Marquez noch einige Strecken warten, auf denen der Spanier bislang größere Schwierigkeiten hatte. "Wir werden sehen, ob Marc seinen rechten Arm während der Pause genug erholen konnte, um auf den Strecken, auf denen er so sehr gelitten hat, zu bestehen", erklärt der Ducati-CEO.
102 Punkte Rückstand fast wieder aufgeholt
Wie schnell sich die Situation in der MotoGP verändern kann, zeigt der Blick auf die vergangenen Rennen. Noch in Mugello lag Marquez bei seiner Rückkehr auf die Strecke satte 102 Punkte hinter dem damaligen WM-Führenden Marco Bezzecchi.
Zu diesem Zeitpunkt deutete wenig darauf hin, dass Ducati innerhalb weniger Rennen wieder in Reichweite der Weltmeisterschaft kommen würde. Dann folgte jedoch der Einbruch von Bezzecchi. Der Aprilia-Pilot blieb vier Sonntagsrennen in Folge punktelos und holte über vier Grand-Prix-Wochenenden lediglich 13 Zähler.
Zusätzlich sorgte Bezzecchi in Brünn für negative Schlagzeilen, als er nach seinem Sprintrennen einen Streckenposten ohrfeigte. Auf dem Sachsenring verschärfte sich seine sportliche Krise schließlich: Bezzecchi zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu.
Parallel dazu fand Marquez immer besser zu seiner Form zurück. Nachdem er zu Saisonbeginn aufgrund seiner Schulterverletzung kaum glänzen konnte, holte er in den letzten Rennen vor der Sommerpause ordentlich Punkte. Auf WM-Leader Jorge Martin fehlen ihm nur 18 Zähler, maximal 407 sind noch zu vergeben.
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