"Ein Albtraum": Quartararo hadert mit Reifenwahl nach P8 in Silverstone

Fabio Quartararo kommt in Silverstone nicht über Platz acht hinaus und macht dafür vor allem seine Reifenwahl verantwortlich - Long-Lap-Penalty "gar nicht so schlimm"

"Ein Albtraum": Quartararo hadert mit Reifenwahl nach P8 in Silverstone
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Das MotoGP-Wochenende in Silverstone stand für Fabio Quartararo von Anfang an unter keinem guten Stern. Alles drehte sich um die Long-Lap-Penalty, die er für seine Kollision mit Aleix Espargaro (Aprilia) in Assen erhalten hatte.

Andere hatten zuvor bereits gezeigt, dass man es trotzdem aufs Podest schaffen kann. Das war auch Quartararos Ziel. Doch am Ende erreichte der Yamaha-Pilot nur Platz acht.

Schuld daran sei aber nicht vorrangig die Long-Lap-Penalty gewesen. "Ich dachte, die Long Lap würde mich viel mehr bestrafen, aber das war gar nicht so schlimm", sagt er rückblickend. "Ich hatte einfach große Probleme mit dem Hinterreifen."

Quartararo wird zur leichten Beute

"Und wenn wir hinter anderen Fahrern feststecken, wird unser Motorrad unfahrbar. Es ist ein Albtraum. Ein Bike vor uns ist noch okay. Aber sobald es mehr sind, wird der Hinterreifen so heiß und wir verlieren Performance. Andere zu überholen, ist wirklich ein Albtraum", benennt Quartararo ein bekanntes Problem.

Der Start verlief für den Franzosen zunächst noch vielversprechend. Er fuhr von Platz vier auf zwei vor und reihte sich direkt hinter Polesetter Johann Zarco (Pramac-Ducati) ein. Nach der Strafe fiel er auf Platz fünf zurück und kam ab da nicht mehr vorwärts.

 

Stattdessen verlor er im Laufe des Rennens weitere Positionen an Jorge Martin (Pramac-Ducati), Maverick Vinales (Aprilia), Enea Bastianini (Gresini-Ducati) und Miguel Oliveira (KTM). In der Schlussphase konnte er Aleix Espargaro (Aprilia) nur geradeso hinter sich halten und den achten Platz absichern.

"Harter Reifen wäre besser gewesen"

Dass er mit stumpfen Waffen kämpfte, habe auch an der Reifenwahl gelegen, analysiert Quartararo. Er fuhr, anders als alle Fahrer vor ihm, am Hinterrad mit medium statt hard.

"Wir hatten den harten Hinterreifen nicht ausprobiert. Das war rückblickend ein Fehler. Denn bei diesen Bedingungen war es super wichtig, diesen Reifen zu verwenden", hält der Weltmeister fest. Am Sonntag war es in Silverstone noch einmal etwas wärmer.

Gepaart mit dem Verkehr potenzierte sich Quartararos Überholproblem: "Denn mit den anderen Maschinen vor uns und der warmen Luft wurde der Hinterreifen viel zu heiß und baute dementsprechend ab. Mit dem harten Reifen wäre es besser gewesen, aber es ist immer einfach, das nach dem Rennen zu sagen."

Womit die Konkurrenz im Vorteil ist

Mit dem Vorderreifen habe er keine Probleme gehabt. "Er war in Ordnung, auch wenn wir mit dem weichen Reifen unterwegs waren. Normalerweise hasse ich den weichen Reifen, aber auf dieser Strecke funktionierte er gut für uns", so der Yamaha-Fahrer.

Im Rennen kämpfte er mit Ducati, Suzuki, Aprilia und KTM. Auf die Frage, was er dabei gesehen habe, fällt die Antwort deutlich aus: "Topspeed, Beschleunigung, Grip am Heck."

"Es gibt viele Dinge, die wir nicht haben, aber ich ziehe es vor, nicht zu viel darüber zu reden. Das Wichtigste für uns ist, dass wir konzentriert bleiben und nicht auf die negativen Punkte schauen, die wir haben, weil wir sie in diesem Jahr nicht verbessern können."

Keine Strecken, die Yamaha liegen

Mit Blick auf die weiteren Rennen in der zweiten MotoGP-Saisonhälfte - noch acht an der Zahl - glaubt Quartararo, "dass wir auf allen Strecken schnell sein können". Der 23-Jährige sagt aber auch: "Die, die uns wirklich liegen, gibt es nicht. Es sind alles Strecken mit viel Beschleunigung und langen Geraden."

"Natürlich waren wir im Vorjahr nicht in Japan, wir waren nicht in Thailand. Aber dort gibt es viele Beschleunigungsphasen und lange Geraden. Schauen wir mal, was dort passiert."

Es ist anzunehmen, dass ihn dort neben seinem direkten WM-Verfolger Espargaro auch Francesco Bagnaia unter Druck setzen wird, was den Kampf um den Titel angeht. Mit seinem Sieg in Silverstone konnte Bagnaia den Rückstand jedenfalls verkürzen.

Wird Bagnaia noch zu Bedrohung?

Jetzt fehlen ihm noch 49 Punkte auf Quartararo. "Wenn man sich die letzten beiden Rennen ansieht, haben wir fast zwei Rennen gegen ihn verloren", sagt er. Denn in Assen stürzte der WM-Leader und ging leer aus, während Bagnaia 25 Zähler einstrich. Daran knüpfte der Italiener mit seinem jüngsten Sieg nahtlos an.

Wenn er jetzt die Konstanz findet, die ihm in der ersten Saisonhälfte fehlte, könnte er noch zu einer Bedrohung für Quartararo werden. "Natürlich sehe ich Pecco jetzt viel mehr im Wettbewerb um den Titel", spricht er Bagnaias Rückstand an.

Der Weltmeister warnt: "Sie haben viel mehr Erfahrung als wir, sie haben viel mehr Bikes. Sobald wir am Freitag ankommen, sind wir immer schnell, weil unser Motorrad sehr, sehr ähnlich zu den Vorjahren ist. Doch je mehr Rennen sie fahren, desto besser kennen sie ihre Motorräder und sind viel schneller als wir."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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