"Ein riskanter Schritt": Warum Joan Mir zu Gresini wechseln wollte
Nach Frust bei Honda sucht Joan Mir den Neustart - Bei Gresini trifft er auf seinen früheren Suzuki-Crewchief - Marc Marquez glaubt an Mirs Comeback
Joan Mir wird nach vier Jahren Honda verlassen
Foto: NurPhoto NurPhoto
Joan Mir wird auch in den kommenden beiden Jahren in der MotoGP an den Start gehen. Der Spanier wechselt für 2027 und 2028 vom Honda-Werksteam zum Ducati-Satellitenteam Gresini.
"Ich denke, das war ein Schritt im richtigen Moment", sagt der Weltmeister von 2020 über seine Zukunft. "Ich denke, das Team Gresini ist angesichts meiner aktuellen Situation die beste Option, die ich haben konnte. Also bin ich glücklich darüber."
Er ist nicht der erste Fahrer, der nach einer schwierigen Phase seiner Karriere zu Gresini wechselt. Vor ihm taten das bereits Alex und Marc Marquez. Beide konnten mit Gresini ihrer Karriere neuen Schwung verleihen und erfolgreich sein.
Mir hat mit seinen spanischen Landsleuten aber nicht über den Wechsel gesprochen: "Nein. Ich habe mir einfach die Ergebnisse angeschaut, die sie dort erzielt haben. Und jeder Fahrer, der dorthin gegangen ist."
"Wenn man zu einem Satellitenteam geht, gibt man viele Dinge auf. Aber es ist auch ein Schritt, den ich machen wollte. Denn es ist ein riskanter Schritt, weil man sich mit einem konkurrenzfähigen Paket exponiert."
"Aber es ist ein Risiko, das ich eingehen möchte", betont Mir. "Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich noch in der MotoGP sein werde. Aber Fakt ist, dass ich dieses Jahr 29 werde. Und jetzt habe ich für zwei weitere Jahre unterschrieben."
In den vergangenen Jahren war Mirs Frust über die Schwierigkeiten bei Honda groß. Er war an einem Punkt angekommen, an dem er sehr demotiviert war. Als er im Frühling nichts von den Honda-Managern hörte, begann er Gespräche mit Gresini.
"Wenn ich weiter so pushe, fast jede Woche stürze, wieder aufstehe, es erneut versuche", sagt er über seine aktuelle Situation. "An einem seltsamen Wochenende können wir auf dem Podium landen."
"Es geht darum, was ich fühle. Und ich möchte wieder dort sein, wo ich glaube, dass ich es verdiene. Ich mache das nicht für die Leute, denn die Leute vergessen am Ende sehr schnell alles, ob es gut oder schlecht war."
"Ich mache es für mich selbst. Wenn ich jetzt entscheide aufzuhören, werde ich in Zukunft, wenn ich am Strand bin, sagen: Vielleicht hätte ich, wenn ich noch zwei weitere Jahre weitergemacht hätte, etwas mehr erreichen können."
Joan Mir arbeitet wieder mit Suzuki-Crewchief zusammen
Genau das ist Mirs derzeitiger Gemütszustand. Er möchte mit Gresini und einer Ducati beweisen, dass er im Spitzenfeld mitfahren kann. Außerdem wird er wieder mit Frankie Carchedi zusammenarbeiten.
Carchedi war bereits bei Suzuki Mirs Crewchief. Die beiden verstehen sich blind. "Ja, das hat ehrlich gesagt eine wichtige Rolle bei diesem Wechsel gespielt", bestätigt Mir diese Personalie. "Wir waren in der Vergangenheit sehr erfolgreich."

Frankie Carchedi arbeitete schon bei Suzuki mit Mir zusammen
Foto: Getty Images AsiaPac
"Wir verstehen uns sehr gut. Bei einem Wechsel hat man nicht viel Zeit, um alles zu verstehen." So kann sich Mir komplett auf die Umgewöhnung an die Ducati konzentrieren und hat eine Vertrauensperson an seiner Seite.
Marquez-Brüder trauen Mir bei Gresini viel zu
Mir wird den Platz von Alex Marquez übernehmen, der ins KTM-Werksteam wechselt. Er glaubt, dass Mir der richtige Nachfolger ist und Gresini eine gute Wahl getroffen hat.
"Sicherlich wird er die Atmosphäre hier bei Gresini sehr genießen", sagt der Vizeweltmeister. "Ich denke, er wird die beste Atmosphäre finden, um wieder Ergebnisse zu erzielen."
"Das Motorrad wird sicherlich sehr konkurrenzfähig sein, aber besonders das Team, wie alles hier in dieser Box funktioniert, ist erstaunlich." Gresini ist zwar ein kleines familiäres Team, war aber in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich.

Joan Mir und Marc Marquez fahren im nächsten Jahr das gleiche Motorrad
Foto: Getty Images Europe
Dass Gresini mit Mir nun einen ehemaligen Weltmeister engagiert hat, lässt auch Marc Marquez aufhorchen. Der amtierende Weltmeister glaubt, dass Mir in Zukunft ein ernsthafter Gegner sein wird.
"Natürlich, Joan Mir ist Weltmeister. Er ist super talentiert", lobt Marc Marquez. "Ich trainiere mit ihm Motocross, Flattrack. Er ist super talentiert, aber manchmal hängt es von der Persönlichkeit ab, es hängt von allem ab."
"Ich habe das Gefühl, dass sich Joan sehr gut schlagen wird, denn Rennfahren bedeutet nicht nur, ein Motorrad zu fahren. Rennfahren bedeutet, die Momente zu kontrollieren, den Druck zu kontrollieren."
"In einem Satellitenteam hat man viel weniger Geld, aber auch viel weniger Druck. Manchmal ist das genau das, was man in diesem Moment der Karriere braucht. Es kommt darauf an."
"Manchmal muss man zu einem Werksteam wechseln, weil man dafür bereit ist. Aber ein Satellitenteam, und das Gresini-Team, das ich sehr gut kenne, er wird die richtige Atmosphäre finden, um einfach zu fahren und es zu genießen."
Mit Daniel Holgado bekommt ein Rookie eine Chance
Gresini stellt sich mit zwei Fahrern neu auf. Teamkollege von Mir wird Rookie Daniel Holgado sein. Das Team hat sich für den Neustart mit dem neuen technischen Reglement bewusst neu aufgestellt.
"Unser Fokus lag immer darauf, ein komplett neues Projekt zu haben", bestätigt Teammanager Michele Masini gegenüber MotoGP.com. "Das bedeutet, einen Topfahrer auf der einen Seite mit Joan Mir und einen Rookie auf der anderen Seite."
"Wir müssen ein neues Motorrad mit den neuen Reifen verstehen. Und ich denke, das ist eine Mischung, auf die wir uns sehr freuen, um das Maximum herauszuholen."

Daniel Holgado erhält von Gresini die MotoGP-Chance
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
Holgado steigt aus der Moto2-Klasse auf. Im vergangenen Jahr gewann er seine ersten beiden Rennen. In der laufenden Saison gewann er in Brasilien. Bei Saisonhalbzeit ist der Spanier WM-Fünfter.
"Ich denke, nächstes Jahr ist ein guter Moment, um mit den neuen Motorrädern und neuen Reifen in die MotoGP zu wechseln", sagt Holgado. "Ich weiß über diese Reifen Bescheid, und ich habe eine gute Chance, in die MotoGP zu gehen."
Vor allem Teambesitzerin Nadia Padovani ist von Holgado überzeugt und wollte ihn schon für das Moto2-Team verpflichten. "Mit Nadia habe ich eine großartige Beziehung", bestätigt Holgado.
"Vor einigen Jahren habe ich mit ihr über den Wechsel von der Moto3 in die Moto2 gesprochen, aber letztendlich bin ich zum Aspar-Team gegangen. Aber ich habe eine großartige Beziehung zum Team, zu Gresini im Allgemeinen."
"Es ist sehr wichtig, weil meine Zukunft klar ist. Ich denke, für mich ist das eine sehr wichtige Entscheidung, aber jetzt bin ich in der Moto2 und auf mein Ziel fokussiert. Mein Ziel ist es, in meinem zweiten Jahr um Podestplätze zu kämpfen."
"Denn wenn man um das Podium kämpft, sammelt man gute Erfahrung für die Zukunft, weil man mit den schnellsten Fahrern der Klasse zusammen ist." Holgado wird im kommenden Jahr einer von mehreren Rookies sein.
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