"Einfach Bullshit!" Cal Crutchlow schimpft über Reifendruck-Regel
MotoGP-Rückkehrer Cal Crutchlow lässt kein gutes Haar an der Reifendruck-Regel, die es auch 2027 trotz des Wechsels von Michelin zu Pirelli weiter geben wird
Cal Crutchlow lässt kein gutes Haar an der Reifendruck-Regel der modernen MotoGP-Ära
Foto: Gold Gold
Cal Crutchlow, der von LCR-Honda Ende Mai kurzerhand aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde, zeigte am vergangenen Wochenende im Grand Prix von Deutschland seine bisher stärkste Performance seit dem unverhofften Comeback in Vertretung für den verletzten Johann Zarco.
Im Sonntagsrennen auf dem Sachsenring kam Crutchlow zwar nicht ins Ziel. Vom Start bis zu seinem Ausfall (Sturz in Runde 22) aber hatte er Maverick Vinales (Tech3-KTM) hinter sich und er duellierte sich rundenlang mit Toprak Razgatlioglu (Pramac-Yamaha). Eine solche Konkurrenzfähigkeit hatte man von Crutchlow in den Grands Prix Italien, Ungarn und Niederlande nicht gesehen. Dort war er dem Feld regelmäßig hinterhergefahren.
Restlos zufrieden ist Crutchlow mit dem Sachsenring-Rennen trotzdem nicht, und das liegt nicht an seinem Sturz. Hätte er sich das 30-Runden-Rennen so einteilen können, wie er wollte, dann "hätte ich wahrscheinlich mit Rins mithalten können", sagt er in Anspielung auf Yamaha-Werkspilot Alex Rins, der auf P14 ins Ziel kam und damit zwei WM-Punkte eingefahren hat.

Crutchlow fuhr vor Vinales, kämpfte mit Razgatlioglu und wollte mit Rins kämpfen
Foto: Mirco Lazzari gp / Getty Images
Allerdings konnte sich Crutchlow das Rennen eben nicht so einteilen wie er wollte. Der Grund dafür ist seiner Ansicht nach die umstrittene Reifendruck-Regel. "Der Luftdruck im Vorderreifen war im gesamten Rennen extrem hoch. Ich musste immer wieder Tempo wegnehmen, wieder neu angreifen, wieder Tempo wegnehmen. Sobald ich hinter einem anderen Fahrer war, trat das Problem auf und ich musste es managen", schildert der MotoGP-Rückkehrer.
Die Reifendruck-Regel besagt, dass der Luftdruck im Vorderreifen für 60 Prozent einer Grand-Prix-Distanz mindestens 1,8 bar betragen muss. Wird diese Grenze auf mehr als 40 Prozent der Runden unterschritten, hagelt es eine nachträgliche Zeitstrafe (16 Sekunden im Grand Prix). Auf eine Sprint-Distanz muss der Reifendruck auf 30 Prozent der Runden mindestens 1,8 bar betragen, sonst gibt es eine 8-Sekunden-Strafe.
Um die Gefahr einer Strafe zu reduzieren, starten die MotoGP-Piloten heutzutage häufig mit einem höheren Reifendruck in die Sprints und in die Grands Prix als sie es eigentlich wollen würden. Und dann tritt genau das von Crutchlow beschriebene Problem auf.
2020, als Crutchlow seine letzte volle Saison fuhr, gab es die umstrittene Reifendruck-Regel noch nicht. In der Saison 2023, als er zum letzten Mal vor seinem diesjährigen Comeback ein MotoGP-Rennen bestritt, wurde sie eingeführt. In der laufenden Saison 2026 ist Crutchlow die Regel nicht erst auf dem Sachsenring negativ aufgefallen, dort aber besonders.
"In Brünn war ich drei Runden lang in der Situation, aber eben nicht, sagen wir mal 18 Runden lang. Diesmal waren es nur drei oder vier Runden, in denen der Reifendruck nicht durch die Decke ging. Das ließ sich kaum managen. Es war eine Erfahrung, die ich nicht kannte, weil ich im Grunde sechs Jahre lang nicht gefahren war", so Crutchlow.

Der Druck im Vorderreifen muss 60 Prozent der Distanz mindestens 1,8 bar sein
Foto: Motorsport Images
Zu Zeiten, als Crutchlow noch einer der Stammfahrer im MotoGP-Feld war, da gab es die Reifendruck-Regel zwar noch nicht. Das Phänomen, den Luftdruck im Vorderreifen über die Renndistanz managen zu müssen, gab es allerdings schon. Auf Nachfrage, ob die aktuelle Situation in dieser Hinsicht schlechter sei als er es aus seiner Vollzeitkarriere in Erinnerung hat, gibt Crutchlow eine klare Antwort.
"Die Regeln sind einfach Bullshit! Lasst uns doch so Rennen fahren wie wir das wollen. Ich verstehe den Sicherheitsgedanken hinter dieser Regel. Aber Michelin macht doch einen tollen Job. Den haben sie über all die Jahre in dieser Rennserie immer schon gemacht. Die Regeln sind einfach ein Witz", urteilt Crutchlow und legt nach: "Genau diese Regel ist der Grund dafür, dass wir keine vernünftigen Rennen fahren können, weil wir nicht überholen können."
"Man ist nur damit beschäftigt, Tempo wegzunehmen, dann wieder an Tempo zuzulegen, und so weiter. Lasst uns doch einfach unser Rennen so einteilen wie wir es für richtig halten. Lasst es uns einfach selber managen", fordert der 40-jährige Brite.
Allerdings: Crutchlows Forderung wird so schnell nicht erhört. Denn die umstrittene Reifendruck-Regel wird auch es auch in der MotoGP-Saison 2027 weiterhin geben, zumindest anfangs. Die Reifen für alle Teams kommen dann zwar nicht mehr einheitlich von Michelin, sondern einheitlich von Pirelli. An der Reifendruck-Regel ändert das aber vorerst nichts, wie Pirelli bereits bestätigt hat.
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