Einst größte Stärke: KTM-Fahrer beklagen mangelnden Topspeed
Pedro Acosta, Brad Binder und Maverick Vinales sind sich einig - KTM hat im Winter an Kurvenleistung gewonnen und dabei eine seiner größten Stärken eingebüßt
Im direkten Vergleich sprechen die KTM-Fahrer über einen Topspeed-Nachteil
Foto: Getty Getty
Pedro Acosta stellte im Laufe der ersten drei MotoGP-Rennwochenenden 2026 fest, dass KTM im Vergleich zur Konkurrenz etwas an Höchstgeschwindigkeit eingebüßt hat. Da sich die Hersteller im Zuge des neuen technischen Reglements auf einen "Engine-Freeze" geeinigt haben, durfte an den Motoren selbst über den Winter nicht gearbeitet werden, um mehr Leistung zu finden.
Andererseits konnte an der Airbox, der Elektronik, dem Ride-Height-System und an der Aerodynamik gearbeitet werden. Alle diese Elemente beeinflussen die Endgeschwindigkeit auf der Geraden.
In Thailand erreichte die schnellste KTM (Enea Bastianini) eine Höchstgeschwindigkeit von 342,8 km/h. Die Aprilia-Fahrer Jorge Martin und Marco Bezzecchi kamen jeweils auf 345,0 km/h. Der beste Ducati-Wert (Marc Marquez) lag bei 341,7 km/h.
In Brasilien führte Ducati (Marc Marquez) die Topspeedwertung mit 348,3 km/h an. Die schnellste Aprilia (Bezzecchi) kam auf 346,1 km/h. Der beste KTM-Wert (Acosta) lag bei 342,8 km/h. In den USA war wieder Aprilia (Bezzecchi) mit 353,9 km/h das schnellste Motorrad.
Besseres Turning, aber langsamer auf der Geraden
Der beste Ducati-Wert (Di Giannantonio) lag bei 352,7 km/h und der beste KTM-Wert (Acosta) bei 349,2 km/h. Da diese Bestwerte in unterschiedlichen Sessions gemessen wurden, sind sie nur bedingt vergleichbar (Stichwort: Windschatten). Dennoch lässt sich ein Trend herauslesen.
Acosta fasst seine Einschätzung zur KTM so zusammen: "Das Motorrad funktioniert in den Kurven deutlich besser als im vergangenen Jahr. Es sieht so aus, als wäre eine unserer größten Stärken, die Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden, verschwunden."
"Die Hersteller haben sehr viel gearbeitet, denn man sieht, dass Ducati nach wie vor vorne ist und Aprilia einen enormen Schritt gemacht hat." KTM hat das Turning und den Reifenverschleiß über die Renndistanz verbessert, dadurch aber offenbar etwas Höchstgeschwindigkeit eingebüßt.

Enea Bastianini in Austin im Duell mit Marc Marquez
Foto: Getty Images North America
Das bestätigt auch Brad Binder. "Wir haben am Aero-Paket einige grundlegende Änderungen vorgenommen, damit das Motorrad etwas besser einlenkt", sagt der Südafrikaner. "Es lenkt besser ein, bremst besser, fährt die Kurven generell besser."
"Die Balance ist besser, aber irgendwie haben wir dabei sicher Luftwiderstand hinzugefügt. Die Höchstgeschwindigkeit ist also definitiv etwas kniffliger als in den vergangenen Saisons. Es ist zwar bei Weitem nicht katastrophal, aber sie ist definitiv etwas geringer."
"Wir waren es immer gewohnt, auf den Geraden Zeit gutzumachen, das war immer eine unserer größten Stärken. Das zu verlieren macht es im Rennen ein bisschen schwieriger, weil man wirklich versuchen muss, seine Überholmanöver besser zu planen."

Pedro Acosta und Marc Marquez bei ihrem Duell im Thailand-Sprint
Foto: Lillian SUWANRUMPHA / AFP via Getty Images
Deutlich zu sehen war das beim Duell zwischen Acosta und Marc Marquez im Thailand-Sprint. Auf der Zielgeraden konnte der Ducati-Fahrer immer die KTM überholen. Auf der langen Geraden in Richtung Kurve 3 konnte Acosta kaum Angriffe starten.
Aber hat KTM an Höchstgeschwindigkeit verloren, oder hat die Konkurrenz etwas gefunden? "Ich bin nicht sicher", meint Maverick Vinales. "Aber im vergangenen Jahr hatte ich das Gefühl, dass ich die Leute auf der Geraden leichter überholen konnte."
"Vielleicht haben die anderen sich verbessert. Ich weiß es nicht." Kann es an der Aerodynamik liegen? "Das kann sein, ich weiß es nicht", sagt Vinales. "Wir versuchen, mehr Kurvenperformance und auch mehr Bremsstabilität zu erreichen, um präziser zu sein."
"In manchen Bereichen verliert man dafür eben. Das wirkt sich wahrscheinlich stärker auf die Flügel aus. Wir wissen, dass wir gegenüber dem vergangenen Jahr etwas an Höchstgeschwindigkeit verloren haben. Aber wir versuchen, in der Kurve und auf der Bremse etwas zu gewinnen. Es ist immer eine Frage der Balance."
KTM ist mit Acosta erfolgreich in die neue Saison gestartet. Er gewann den Sprint in Thailand und stand im Grand Prix sowohl in Thailand als auch in den USA auf dem Podest. Nach drei Rennwochenenden belegt KTM in der Herstellerwertung den dritten Platz, knapp hinter Ducati.
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