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Enea Bastianini beschreibt aktuelle Schwäche und Stärke der KTM

Die KTM RC16 hat laut Tech3-Pilot Enea Bastianini ihre grundsätzliche Stärke beibehalten, aber es ist eine Schwäche entstanden, die man zu beheben versucht

Enea Bastianini beschreibt aktuelle Schwäche und Stärke der KTM

In Mugello war die KTM RC16 in diesem Jahr nicht mehr das schnellste Bike

Foto: Getty Getty

Jahrelang galt die KTM RC16 als dasjenige Motorrad im MotoGP-Feld, das auf den Geraden das schnellste ist. Vor dem Mugello-Wochenende 2026 hielt KTM mit 366,1 km/h den Topspeed-Rekord in der Geschichte der Königsklasse. Tatsächlich wurden bis dahin drei der fünf höchsten jemals gemessenen Topspeeds auf einer KTM erzielt.

Das hat sich Ende Mai im Verlauf des Rennwochenendes zum diesjährigen Italien-Grand-Prix in Mugello geändert. Die 366,1 km/h sind seither nicht mehr der Rekord, denn Aprilia hat ihn gleich zweimal übertroffen. Im zweiten Freien Training fuhr Jorge Martin auf der langen Start/Ziel-Geraden 368,6 km/h.

Wenige Stunden nach Martins Rekordwert wiederholte Aprilia-Teamkollege Marco Bezzecchi im Sprint diesen Wert exakt. Somit hält nun Aprilia mit zweimal 368,6 km/h den MotoGP-Topspeed-Rekord. KTM ist trotzdem noch zweimal in den Top 5 der Rekordliste vertreten, aber eben nicht mehr ganz vorne (Fotostrecke: Die höchsten MotoGP-Topspeeds).

Weil 2027 das grundlegend neue technische MotoGP-Reglement kommen wird, das unter anderem ein Verbot der Ride-Height-Devices beinhaltet, stehen die Chancen gut, dass Aprilia den Topspeed-Rekord über Jahre behalten wird. Allerdings könnte der vom April in den November verlegte Grand Prix von Katar mit der langen Start-/Ziel-Gerade des Lusail International Circuit noch eine Chance darstellen, die 368,6 km/h womöglich sogar noch zu übertreffen.

Enea Bastianini erklärt: Wie Gripniveau den Topspeed beeinflusst

Was KTM betrifft, so erklärt Enea Bastianini, dass der gute Topspeed der RC16 zwar nicht abhanden gekommen ist, dass man im Verlauf der technischen Weiterentwicklung aber Kompromisse hat eingehen müssen. Bastianini fährt im Tech3-Team die baugleiche RC16 mit den gleichen Updates, wie sie im Werksteam zum Einsatz kommt.

"Um ehrlich zu sein, hat sich das im Verlauf der Saison ziemlich stark geändert", spricht Bastianini auf Stärken und Schwächen der RC16 an. "Auf einigen Strecken waren wir auf den Geraden extrem schnell, auf anderen nicht. Das hängt auch mit dem Gripniveau der jeweiligen Strecke zusammen."

Pedro Acosta, Enea Bastianini

Bei wenig Grip wie in Barcelona mangelt es der RC16 an Traktion

Foto: Getty Images Europe

"In Barcelona zum Beispiel gab es für alle sehr wenig Grip. Das kam uns ein bisschen entgegen, weil unsere Beschleunigung dadurch mehr oder weniger vergleichbar war mit der der anderen", sagt Bastianini und erklärt: "Dass der Topspeed der KTM sehr gut ist, das wissen wir. Aber uns fehlt es ein bisschen bei der Beschleunigung, wenn das Gripniveau höher ist. Das ist beispielsweise in Mugello der Fall."

In der Beschleunigungsphase "vom vierten in den sechsten Gang" habe die RC16 laut Bastianini "jede Menge Power, das kann man regelrecht spüren". Worum es in den zwei KTM-Teams jetzt gehen müsse, das ist nach Aussage des ehemaligen Ducati-Werkspiloten: "Um auf jeder Strecke konkurrenzfähig zu sein, müssen wir uns am Kurvenausgang verbessern. Da brauchen wir Unterstützung."

Aero-Updates vom Barcelona-Test zeigen Wirkung

Genau diese Unterstützung hat es beim Montagstest in Barcelona, der zeitlich zischen den Rennwochenenden in Barcelona und Mugello stattfand, gegeben. Allen vier KTM-Piloten, also Pedro Acosta und Brad Binder im Werksteam, und auch Bastianini und Teamkollege Maverick Vinales bei Tech3, stand ein geringfügig verändertes Aero-Paket zur Verfügung.

Laut Acosta wurden "ein paar der kleinen Flügel im Bereich der Gabel entfernt. Es geht da um Details, denn manchmal ist der Topspeed wichtiger als das Kurvenverhalten". Das gilt insbesondere für schnelle Strecken wie Mugello.

Vinales, der die veränderte Aerodynamik seinerseits beim Barcelona-Test ausprobierte, sagte daraufhin, dass wir "drei bis vier km/h gefunden haben, weil der Luftwiderstand geringer ist. Das habe ich beim Test im Vergleich zum Grand Prix in Montmelo (Barcelona; Anm. d. Red.) direkt gemerkt. Mit dem Update war das Bike schneller".

Nachgefragt, ob die veränderte Aerodynamik für schnelle Strecken durch den Wegfall von ein paar der kleinen Flügel auch Nachteile mit sich bringen könnte, antwortete Vinales: "Eigentlich nicht. Aber wirklich beurteilen kann ich das noch nicht, weil ich noch nicht in der Lage bin, wieder zu 100 Prozent zu pushen. Sobald das wieder möglich ist, werde ich einen besseren Eindruck bekommen."

Damit spricht Vinales auf die Tatsache an, dass seine linke Schulter, die er sich am Sachsenring-Wochenende 2025 verletzt hatte, noch immer nicht komplett genesen ist. Im Anschluss an den Sturz bestritt Vinales im weiteren Verlauf der Saison 2025 nur noch vier Grands Prix, fehlte aber bei sieben Grands Prix. Und in der aktuellen Saison 2026 musste er aufgrund der noch immer nicht auskurierten Schulterverletzung nochmals drei Grands Prix auslassen.

Bastianini: Vergleich KTM vs. Ducati fällt schwer

Einer, der das Potenzial des jüngsten Updates bei KTM besser einschätzen kann, ist Vinales' Teamkollege Bastianini. Der Italiener kann sogar den Direktvergleich zu Ducati anstellen, fuhr er doch in den MotoGP-Saisons 2023 und 2024 für das Ducati-Werksteam.

Marc Marquez, Enea Bastianini

Enea Bastianini war bei Ducati der Vorgänger von Marc Marquez

Foto: Mohd Rasfan / AFP via Getty Images

"Ich muss sagen, für mich ist es mittlerweile ziemlich schwer zu verstehen, wo die Ducati im Vergleich zur KTM besser ist. Das liegt einfach daran, weil sich die MotoGP-Szene Jahr für Jahr so stark verändert. Was ich aber sagen kann ist, dass wir auf der Bremse sehr stark sind. Ehrlich gesagt ist das Bremsen in Geradeausfahrt momentan die größte Stärke unseres Motorrads", so der Tech3-KTM-Pilot.

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