Erster Aprilia-Sieg von Jorge Martin: "Bin wieder auf meinem Topniveau"
Marco Bezzecchi erklärt, warum Jorge Martin in Le Mans stärker war - Der Spanier sieht sich selbst wieder auf seinem Topniveau von 2024 angekommen
Erstmals gewann Jorge Martin mit Aprilia einen Grand Prix
Foto: Gold Gold
Aprilia hat beim Grand Prix von Frankreich Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal hat die italienische Marke in einem MotoGP-Rennen die ersten drei Plätze belegt. Es war der zwölfte Sieg in der Königsklasse und klassenübergreifend der 306. Sieg in der Motorrad-Weltmeisterschaft.
Nach seinem Sieg im Sprint gewann Jorge Martin erstmals für Aprilia einen Grand Prix. Es war sein erster Sieg seit Indonesien 2024 vor 588 Tagen. Außerdem gewann Martin erstmals von einem Startplatz nicht in den ersten beiden Startreihen.
Nach der ersten Runde war Martin nur Siebter. Wie hat er es dennoch geschafft, zu gewinnen? "Das ist eine gute Frage", antwortet er. "Ich glaube, im vergangenen Jahr habe ich gelernt, nie aufzugeben."
"Heute war eines jener Rennen, bei denen ich keinen guten Start hatte, aber niemals aufgegeben habe. Gestern war es mit freier Fahrt viel einfacher. Aber ich habe versucht, Fahrer für Fahrer zu überholen."
"Ich sah Marco und die Vorderen, ich habe Runde für Runde ein bisschen aufgeholt. Am Ende hatte ich also noch etwas in Reserve, aber ich habe alles gegeben. Mein Herz hat da draußen bis zum Hals geschlagen."
"Ich bin wirklich glücklich über die Arbeit, die wir mit Aprilia geleistet haben. Ich muss noch daran arbeiten, in Rennen wie dem heutigen im Verkehr zu fahren, denn das fällt mir wirklich schwer. Wenn ich vorne bin, kann ich gute Linien fahren."
Auf seiner Aufholjagd zum Sieg überholte Martin zunächst Ai Ogura (Trackhouse-Aprilia), Fabio Quartararo (Yamaha) und anschließend Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati). Francesco Bagnaia (Ducati) verabschiedete sich durch einen Sturz.
Nachdem Martin die KTM von Pedro Acosta überholt hatte, lag nur noch sein Teamkollege Marco Bezzecchi vor ihm. Runde für Runde kam er näher und setzte in der 24. von 27 Runden das entscheidende Überholmanöver.
Bezzecchi erklärt, warum er verloren hat
Wo war Martin besser? "Nun, ich weiß es nicht genau", überlegt Bezzecchi. "Jorge hat sich von Freitag an sofort mit dem Motorrad wohlgefühlt. Er wurde von Tag zu Tag stärker, ohne große Änderungen am Motorrad vorzunehmen."
"Es war einfach so ein Wochenende, bei dem man von außen sehen konnte, dass er sich wohlfühlte. Ich habe versucht, mich über das Wochenende zu verbessern, aber ich war das genaue Gegenteil von Jorge. Ich habe mich nie wirklich wohlgefühlt."
"Selbst als ich mich verbesserte, hatte ich nie wirklich das Vertrauen in das Motorrad, das ich mir gewünscht hätte. Und das hat mich dazu gebracht, die Reifen stark zu belasten, um das zu kompensieren."

Marco Bezzecchi führte das Rennen über weite Strecken an
Foto: Getty Images Europe
"Und ja, das Ergebnis war, dass ich in den letzten sieben, acht Runden das Tempo verloren habe. Es hat nicht gereicht. Das Rennen war unglaublich lang, sehr, sehr schwierig. Ich habe nicht erwartet, so viele Runden zu führen."
"Als ich losgefahren bin und vorne lag, habe ich ehrlich gesagt erwartet, ziemlich bald überholt zu werden, weil ich wusste, dass meine Pace nicht die beste war. Ich konnte nicht wirklich pushen, konnte nicht so bremsen, wie ich wollte."
"Das Vorderradgefühl war nicht so besonders gut wie vielleicht in den vorherigen Rennen", beschreibt Bezzecchi seine Probleme. Dass er trotzdem Zweiter wurde, stimmt ihn sehr glücklich.
Er stand nun bei allen fünf Grands Prix auf dem Podium. Der bisher letzte Fahrer, dem das gelang, war sein italienischer Landsmann Valentino Rossi im Jahr 2015. "Ja, ich habe alles gegeben", zieht Bezzecchi sein Fazit.
"Ich bin sehr, sehr zufrieden nach einem schwierigen Wochenende. Wir nehmen einen sehr guten Sprint und auch einen sehr guten Grand Prix mit. Also ja, ich bin glücklich."
Martin sicher: Wieder bei seiner Topform angelangt
In der Weltmeisterschaft bahnt sich ein Duell zwischen den beiden Aprilia-Fahrern an. Bezzecchi führt nach fünf Rennwochenenden nur noch mit einem Punkt Vorsprung vor Martin. Di Giannantonio liegt als Dritter schon 44 Zähler zurück.
Ist Martin wieder bei seiner Topform von 2024 angelangt? "Ja, auf jeden Fall. Ich bin wirklich glücklich, wieder auf meinem Topniveau zu sein", sagt Martin. "Ich glaube, ich bin jetzt ein besserer Fahrer als 2024, ganz sicher."
"Und in diesem Sport gilt: Entweder man wird besser, oder man wird schlechter. Man bleibt nicht auf demselben Niveau. Die Konkurrenten werden immer besser und besser. Man muss also seine Fähigkeiten verbessern, um mithalten zu können."

Jorge Martin will das Set-up seiner RS-GP noch verbessern
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
"Ich glaube, in diesem Jahr hat Marco den Unterschied gemacht. Jetzt versuche ich, diese Fähigkeiten zu erreichen. Aber zum Beispiel haben wir gestern vor dem Sprint einige Änderungen beim Set-up vorgenommen."
"Das bedeutet, dass ich meine Basis noch nicht gefunden habe. Daran arbeite ich. Ich glaube, das wird der Schlüssel sein, dass ich das Motorrad in den kommenden Rennen ganz auf mich abgestimmt habe und dann einfach fahren kann."
Am kommenden Wochenende gastiert die MotoGP auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, wo Martin Ende 2024 seinen Weltmeistertitel feierte. War Le Mans nun der Startschuss für eine neue Erfolgsserie?
Daran will Martin nicht denken: "Ich glaube, Barcelona war im vergangenen Jahr eines der schwierigsten Rennen für uns, für Aprilia. Also weiß man nie. Das Wichtigste ist, weiter hart zu arbeiten."
"Halten wir zusammen, so wie wir es gerade tun, und versuchen wir, das Maximum an Punkten herauszuholen. Aber ich glaube, es wird ein wirklich schwieriges Wochenende für uns, also müssen wir hochkonzentriert sein."
Aprilia führt die Herstellerwertung nach fünf Rennwochenenden mit 34 WM-Punkten Vorsprung vor Ducati an.
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