"Es ist demütigend": Bagnaia steckt wieder in einer tiefen Krise und ist ratlos
Ducati findet nach Bagnaias Sturz in Aragon keine technische Erklärung - Der zweifache MotoGP-Weltmeister klagt über fehlenden Grip und Vertrauen
Das zweite Wochenende hintereinander sammelte Bagnaia keinen Punkt
Foto: Qian Qian
Im MotorLand Aragon setzte sich die schwarze Serie von Francesco Bagnaia fort. So wie davor in Silverstone sah der Ducati-Werksfahrer nicht die Zielflagge. In Großbritannien kam Bagnaia im Sprint als 17. ins Ziel und stürzte im Grand Prix in der achten Runde.
In Aragon gab es das gleiche Muster. In Q1 schaffte Bagnaia es zwar mit der Bestzeit ins Q2, aber im Sprint blieb er als Elfter erneut ohne WM-Punkte. Der Grand Prix endete in der sechsten Runde durch einen Sturz in Kurve 9.
Bagnaia erklärte seinen Sturz so: "Das Hinterrad ist weggerutscht, dann das Vorderrad. Ganz einfach. Für mich ist der fehlende Grip am Hinterrad viel zu extrem. Die Realität ist: Ich habe null Grip. Absolut null Grip."
"Nach fünf Runden habe ich die Mapping-Einstellung mit weniger Leistung gewählt, weil der Hinterreifen nach fünf Runden komplett am Ende war. Ohne zu pushen, ohne irgendetwas zu machen."
"Ich hatte also große Probleme und schon in Runde fünf war das Gefühl sehr schwammig. Erst ist mir das Hinterrad weggerutscht, und als es dann wieder Grip bekommen hat, ist mir das Vorderrad eingeklappt."
Von Barcelona bis Brünn wurde Bagnaia viermal hintereinander Dritter. Zudem gewann er den Sprint in Brünn. In Assen musste er wegen eines technischen Problems aufgeben, es folgte Platz sechs auf dem Sachsenring.
Eigentlich war Bagnaia hoffnungsvoll, nach der Sommerpause wieder an die Performance der Podestplätze anknüpfen zu können, aber Silverstone und Aragon waren zwei Wochenenden zum Vergessen.
"Seit Silverstone ist etwas passiert, denn ich habe null Grip, absolut null Grip. Und ich weiß nicht, was passieren wird, wenn wir auf andere Strecken kommen, deren Gripniveau niedriger ist", rätselt er über die Probleme.
Beim Set-up sieht Bagnaia Alex Marquez als Referenz bei Ducati und versucht, ihn zu kopieren. Aber in Silverstone gelang es ihm gemeinsam mit den Technikern nicht, eine Lösung für die Gripprobleme zu finden.
"Nein, denn wir können nicht nachvollziehen, woher sie diesen Speed, diese Fortschritte gefunden haben. Es ist aber auch schwierig, die Daten zu vergleichen, weil wir viele Unterschiede feststellen, vor allem, wenn wir Gas geben."
"Es scheint, als hätten wir es mit zwei verschiedenen Motorrädern zu tun, daher ist es auch schwierig, die Daten zu vergleichen", sagt Bagnaia im Vergleich zu Alex Marquez, der in Aragon Vierter wurde.
Neil Hodgson stellt die entscheidende Frage
Vor dem Grand Prix stellte Neil Hodgson Ducati-Teammanager Davide Tardozzi die entscheidende Frage. Aktuell arbeitet Hodgson, der 2003 Superbike-Weltmeister war und 1995 und 2004 in der MotoGP fuhr, für TNT Sports als Experte.
"Ich bin verwirrt, Davide", sagte Hodgson und verwies auf den Sprint: "Er wurde von Zarco geschlagen, der gerade erst zurückgekehrt ist, was schon bizarr war, und auch von Jack Miller auf der Yamaha."
"Dabei sitzt er auf einer Werks-Ducati, und diese Strecke liegt ihm eigentlich. Ich erinnere mich an seinen ersten Sieg hier, als er gegen Marc Marquez kämpfte. Das war praktisch seine Geburtsstunde. Erleben wir gerade Peccos Niedergang?"
Tardozzi antwortete: "Wir sind ehrlich gesagt hierhergekommen und dachten, dass Pecco zumindest in die Top 5 fahren könnte. Ehrlich gesagt haben wir weiterhin Schwierigkeiten, den richtigen Weg für ihn zu finden, denn ihm fehlt noch immer das Vertrauen."
"Er kann nicht pushen und nicht das machen, wozu er hier früher fähig war. Es ist nicht so einfach. Aber ich stimme dir zu: Seine Herangehensweise könnte seine Performance manchmal limitieren."
"Wir haben überhaupt keinen Zweifel daran, dass er ein schneller Fahrer ist, absolut keinen", betont Tardozzi. "Aber im Moment muss er diese schmale Grenze zwischen Selbstvertrauen und blindem Vertrauen überwinden."
Gigi Dall'Igna hat auch keine Antworten
Dieses Vertrauen fehlt Bagnaia momentan auf seiner Ducati. Warum er seit Silverstone keinen Grip mehr spürt, stellt ihn vor ein großes Rätsel, denn 2021 besiegte er in Aragon Marc Marquez und feierte seinen ersten MotoGP-Sieg.
"Wenn ich mir alte Daten anschaue und sehe, was die anderen jetzt machen können, mir aber nicht mehr gelingt. Ich bin in einer Situation, in der ich mit dem Motorrad nicht natürlich fahren kann. Wenn ich versuche, etwas mehr zu machen, stürze ich."
"Wir alle suchen nach einer Lösung, die einfach nicht kommt. Wenn du dann ein Wochenende wie dieses erlebst, ein Wochenende wie in Silverstone, landest du trotz Pushens auch noch auf dem Boden."
"Aber pushen bedeutet, dass ich eine Sekunde langsamer bin als die Schnellsten. Das zermürbt einen, und vor allem ist es in diesem Moment demütigend", sagt Bagnaia. "Es ist wahrscheinlich einer der Tiefpunkte meiner sportlichen Karriere."
"Im Moment sehe ich keinen Ausweg. Die Situation ist dieselbe wie beim ersten Rennen. In den vergangenen zwei Rennen ist sie sogar fast noch schlimmer geworden. Deshalb ist es hart."

Auch Gigi Dall'Igna weiß momentan keine Lösung für die Probleme
Foto: Qian Jun/MB Media/Getty Images
Nach dem Sturz im Grand Prix wurde auch Ducatis Motorsportchef Gigi Dall'Igna von Sky Sport Italien auf Bagnaias Situation angesprochen. Auch er konnte keine konkrete technische Erklärung für die Probleme geben.
"Jedes Rennen wird ein wenig komplizierter. Wir hoffen, einen Weg zu finden, ihn wieder zu dem Champion zu machen, der er ist, denn Pecco ist ohne Zweifel ein großer Champion", findet Dall'Igna ähnliche Worte wie zuvor schon Tardozzi.
"Ich glaube, es ist wichtig, zusammenzuhalten. Das sage ich schon seit langer Zeit, aber ich denke ehrlich gesagt, dass das im Moment das einzige wirklich ernsthafte Rezept ist. Es liegt im Interesse aller, dass jeder von uns sein Bestes gibt."
In zwei Wochen folgt mit Misano Bagnaias Heimrennen. Dreimal hat er dort schon gewonnen, einmal in der Moto2 und zweimal in der MotoGP. Sein Heimvorteil besteht darin, dass er dort regelmäßig mit einer Ducati Panigale trainiert.
Das lässt Bagnaia angesichts der schwierigen Lage Mut schöpfen: "Mit der Panigale fliege ich, da bin ich extrem stark. Jedes Mal, wenn ich dieses Motorrad fahre, atme ich erleichtert auf, denn das bedeutet immerhin, dass ich noch immer Motorradfahren kann."
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