"Es ist unvorhersehbar": MotoGP-Reifen von Michelin geben Rätsel auf

Reifenlotterie in der Königsklasse? Defekte oder Verdachtsmomente auf faule Reifen häufen sich - Noch bleiben die Fahrer diplomatisch, doch ihre Sorgen sind hörbar

"Es ist unvorhersehbar": MotoGP-Reifen von Michelin geben Rätsel auf

Seit der MotoGP-Sommerpause vergeht gefühlt kaum ein Grand Prix, ohne dass sich ein Fahrer nach dem Rennen über Reifen beklagt, die sich ganz anders anfühlten als im Training, weniger Grip boten oder schneller abbauten als erwartet. In Silverstone litten Francesco Bagnaia (Ducati) und Joan Mir (Suzuki) darunter.

Beim Grand Prix von Aragon am vergangenen Wochenende traf es WM-Leader Fabio Quartararo (Yamaha). "Vom Start weg habe ich gespürt, dass der Hinterreifen nicht normal funktioniert", berichtete der Franzose, der mit Platz acht sein bisher zweitschlechtestes Ergebnis in dieser MotoGP-Saison einfuhr.

Bagnaia, der das Rennen in Aragon gewann, war in Silverstone wegen ähnlicher Probleme bis auf Platz 14 durchgereicht worden. Noch vor dem jüngsten Grand-Prix-Wochenende und seinem Triumph am Sonntag verriet er: "Ich hatte die Gelegenheit, mit Michelin zu sprechen, und auch Ducati hat sich mit ihnen unterhalten."

Bagnaia bestätigt Reifendefekt in Silverstone

"Was ich sagen kann, ist, dass Michelin festgestellt hat, dass ich in Silverstone einen Hinterreifen hatte, der nicht konkurrenzfähig war. Das sind Dinge, die passieren können. Das Wichtigste ist, dass so etwas nicht wieder vorkommt." Tatsächlich sorgte also ein Reifendefekt für Bagnaias schlechtes Abschneiden in Silverstone.

Die Daten hätten das eindeutig gezeigt, betonte der Italiener. Er hofft, dass Michelin diese Informationen nutzt, "um künftig eine bessere Einschätzung vornehmen zu können, auch wenn es schwierig ist, zu verstehen, ob ein Reifen gut ist oder nicht, bevor man damit auf die Strecke geht". Diese Erfahrung musste auch Mir machen.

Joan Mir, Francesco Bagnaia

Francesco Bagnaia und Joan Mir litten beide schon unter Reifendefekten

Foto: Motorsport Images

Bei ihm war es der Vorderreifen, der in Silverstone ein besseres Ergebnis verhinderte. Er wurde Neunter. In Aragon darauf angesprochen, erklärte der Suzuki-Pilot: "Das Team hat mir erklärt, was passiert ist, und das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass ich hoffe, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Denn es hat das ganze Wochenende beeinflusst, und es kann auch die ganze Meisterschaft beeinflussen."

Mir stellt Häufung von Reifenproblemen fest

Der MotoGP-Weltmeister wollte auf Nachfrage nicht verraten, was das Team ihm gesagt hatte, betonte aber: "Es ist nicht so, dass es uns nicht erlaubt wäre, über diese Dinge zu sprechen. Es ist eher so, dass ich für mich glaube, dass Michelin alles tut, was sie können, um diese Situation so gut wie möglich zu meistern."

"Aber es stimmt, dass sich in den letzten Rennen nicht nur ich, sondern auch andere Fahrer sehr unter dieser Sache gelitten haben. Wenn so etwas einmal passiert, okay, dann beschwert man sich nicht. Aber wenn es öfter passiert, ist es schwieriger, den Mund zu halten", gab Mir zu. Erklären kann auch er sich die Häufung nicht.

Die Probleme kämen von jetzt auf gleich: "Es ist so unvorhersehbar. Normalerweise spart man sich einen Reifen für den Sonntag auf, und man muss davon ausgehen, dass dieser Reifen funktionieren wird. Für gewöhnlich ist das auch der Fall. Aber manchmal passiert etwas, und dann ist der Grip nicht das, was wir erwartet haben."

Stecken wirklich Qualitätsunterschiede dahinter?

"Und das passiert nicht nur am Sonntag, sondern auch am Freitag. Das macht es schwierig, denn man arbeitet am Set-up des Motorrads, verbessert es, und dann wechselt man auf einen anderen Reifen, und wenn der nicht den gleichen Grip bietet, dann verändert sich das ganze Motorrad. Und dann muss man wieder von vorn anfangen. Dafür ist die Trainingszeit, die wir haben, einfach nicht ausreichend."

Einen Vorwurf will Mir Michelin deshalb nicht machen. "Aber es stimmt schon, dass es in den letzten Rennen schlimmer wurde, vorher war es nicht so. Ich denke also, dass in den letzten Rennen aus irgendeinem Grund etwas passiert ist, weil wir diese Veränderung des Grip-Niveaus in dieser Form nicht gewohnt sind."

In der Sicherheitskommission wird das Thema Reifen aus diesem Grund seit längerem diskutiert, gab Mirs Teamkollege Alex Rins in Aragon preis: "Wir sprechen jedes Mal darüber. Wir sprechen über vorgewärmte Reifen, über die Qualität der Reifen. Aber ist es sehr schwierig, viele Reifen mit genau der gleichen Qualität herzustellen."

Vorgewärmte Reifen stehen weiter in der Kritik

Doch nicht nur mögliche Qualitätsunterschiede bei der Produktion, auch vorgeheizte Reifen bleiben ein Streitthema. Während Michelin darauf besteht, dass kein negativer Effekt damit einhergeht, wenn schon einmal aufgewärmte Reifen noch einmal herangezogen werden, äußerten sich einige Fahrer in der Vergangenheit kritisch.

Alex Marquez (LCR-Honda) hielt jüngst fest: "Jeder hat schon das eine oder andere Problem in dieser Hinsicht gehabt. Aber Michelin arbeitet daran und reduziert auch die Menge an vorgeheizten Reifen, was wichtig ist. Wir fahren in einem hochentwickelten Sport und brauchen die besten Reifen. Dabei geht es auch um die Sicherheit."

"Wenn man sich darauf verlässt, dass der Reifen viel Grip bietet, und dann stürzt, ist das ein Problem. Aber Michelin verbessert sich. Die Hinterreifen sind manchmal sogar zu gut. Es wäre vielleicht sinnvoll, in der Produktion weniger gut und dafür konstanter zu sein. Aber sie hören sich unser Feedback an und leisten gute Arbeit."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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