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Eskaliert das Aprilia-Duell? Martin und Bezzecchi sprechen über Balaton-Crash

Jorge Martin entschuldigt sich für den Ungarn-Crash - Doch eines stellt er klar: Seinen Instinkt in der ersten Kurve will er sich auch künftig nicht nehmen lassen

Eskaliert das Aprilia-Duell? Martin und Bezzecchi sprechen über Balaton-Crash

Jorge Martin kegelte beim Ungarn-Start drei Fahrer raus

Foto: Gold Gold

Beim Grand Prix von Ungarn löste Jorge Martin einen Startunfall aus, der auch seine Aprilia-Kollegen Marco Bezzecchi und Raul Fernandez in Kurve 1 eliminierte. Lediglich Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati), der ebenfalls dadurch zu Sturz kam, konnte das Rennen fortsetzen und noch WM-Punkte sammeln.

Nach dem Rennen im Balaton Park sagten Martin, Bezzecchi und Fernandez ihre Medientermine ab. Erst knapp zwei Wochen später, zu Beginn des Tschechien-Rennwochenendes in Brünn, stellten sie sich den Fragen der Journalisten.

"Also, das Erste, was ich sagen möchte, ist, dass ich mich bei allen Fahrern und Herstellern entschuldige, die dabei verwickelt waren", beginnt Martin seine Entschuldigungsrede. "Das war mein erster Gedanke."

"Man kann sich anhand meines Gesichtsausdrucks vorstellen, was für ein Desaster ich angerichtet habe. Ich möchte nie stürzen. Ich möchte nie mit anderen Fahrern kollidieren - schon gar nicht nach dem, was ich letzte Saison durchgemacht habe."

"Ich möchte wirklich niemanden verletzen, ehrlich gesagt. Deshalb hat mich dieser Sonntag wirklich geschmerzt. Danach hatte ich auch mental damit zu kämpfen, das Geschehene zu akzeptieren."

"Aber ich verstehe jetzt, dass das Motorsport ist. So etwas kann passieren, und das Wichtigste für mich ist, aus meinen Fehlern zu lernen und ein besserer Fahrer und ein besserer Mensch zu werden."

Wie hat Martin den Moment nach dem Start in der Bremsphase zur ersten Kurve erlebt, als sich das Motorrad plötzlich aufschaukelte und unkontrollierbar wurde? "Ich glaube ehrlich gesagt, dass ich nichts Ungewöhnliches gemacht habe."

"Sobald ich die Bremse berührt habe, habe ich [die Kontrolle über] das Vorderrad verloren, also habe ich [die Bremse] leicht losgelassen. Aber im ersten Gang war ich, sobald ich losgelassen habe, deutlich schneller als die anderen."

"Ich habe versucht, wieder zu bremsen, dann habe ich das Vorderrad noch etwas mehr verloren, und dann war es komplett weg. Ich hatte in dem Moment wirklich gehofft, dass ich die Kontrolle wiedergewinnen kann, aber das war unmöglich."

Martin glaubt aber auch, dass der neue Asphalt in Kurve 1 eine Rolle gespielt hat. Dieser Abschnitt wurde nach dem Rennwochenende der Superbike-WM, die Anfang Mai im Balaton Park fuhr, neu asphaltiert und bot keinerlei Grip.

Schon seit den Freitagstrainings klagten die MotoGP-Fahrer, dass sich Kurve 1 wie auf Glatteis anfühlte. "Der Asphalt in Kurve eins war eine absolute Katastrophe", betont Martin und schildert eine im Rückblick kuriose Geschichte.

"Es ist lustig: In der Sicherheitskommission habe ich selbst gesagt, dass man härtere Strafen für Stürze in Kurve 1 einführen sollte. Ich war also der Erste, der nicht wollte, dass so etwas passiert, aber so ist nun mal Motorsport."

Was Martin zur öffentlichen Kritik von Rivola sagt

Martin erhielt für den Unfall zwei Long-Lap-Strafen, die er am Sonntag beim Grand Prix in Brünn absolvieren muss. Aprilia-Motorsportchef Massimo Rivola sprach sich noch in Ungarn für härtere Strafen aus, selbst für seinen eigenen Fahrer.

Rivola sagte damals: "Ein Weltmeister darf so einen Fehler meiner Meinung nach nicht machen. Vielleicht würde ich, da wir so viel über Sicherheit sprechen, nicht widersprechen, wenn die Strafe sogar noch härter und schärfer ausgefallen wäre."

Massimo Rivola

Massimo Rivola war nach dem Unfall in Ungarn mehr als verärgert

Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images

"Denn die erste Kurve ist gefährlich, und diese Fahrer riskieren ohnehin überall etwas. Ich sehe einen Fehler, den jemand wie Jorge nicht machen darf." Rivola stellte sich öffentlich also nicht schützend vor seinen eigenen Fahrer.

Auch Martin hat diese Kritik zu Ohren bekommen. "Letztendlich ist das seine Meinung. Ich kann meine Meinung nicht jedem aufzwingen", sagt der Weltmeister von 2024 zu Rivolas Worten. "Jeder hat seine eigene Meinung."

"Aber wie ich bereits gesagt habe, war ich der Erste, der nicht in jemanden hineinfahren wollte. Es tut mir so leid für die Teams. Ich möchte einfach aus diesem Fehler lernen, aber so ist nun mal Motorsport."

"Manchmal passiert es mir, manchmal passiert es den anderen, manchmal fahren andere Fahrer in andere Fahrer hinein. Das Wichtigste für mich ist, zu lernen - und dass zum Glück nichts Ernstes passiert ist."

Jorge Martin

Jorge Martin entschuldigte sich für die Startsituation im Balaton Park

Foto: Getty Images Europe

Und was hat Martin aus diesem Unfall gelernt? "Ich habe gelernt, dass ich vielleicht zwei Meter früher hätte bremsen müssen. Wie gesagt, ich glaube, ich habe nichts Verrücktes gemacht."

"Aber ich werde nicht meine Sinne verlieren, ich werde nicht meinen Hunger verlieren, und ich werde immer versuchen, in der ersten Kurve so viele Fahrer wie möglich zu überholen, denn das ist mein Instinkt."

"An dem Tag, an dem ich das Gefühl habe, diesen Instinkt zu verlieren, bleibe ich zu Hause", hält Martin fest. Nachwirkungen des Sturzes waren Rückenschmerzen. Er hofft, dass diese ihn in Brünn nicht behindern.

Bezzecchi hat einen Muskelriss davongetragen

Sein Teamkollege Bezzecchi hatte nach dem Unfall ebenfalls eine schmerzvolle Zeit. "Mir geht es gut", sagt der WM-Führende und berichtet: "Es war ein heftiger Aufprall, vor allem auf meiner rechten Körperseite."

"Meine rechte Hand und mein rechtes Bein haben mir etwas mehr Sorgen bereitet. Zum Glück war die Hand in Ordnung. Ich habe einige Untersuchungen machen lassen und alles war gut."

Marco Bezzecchi

Marco Bezzecchi hatte als Unfallfolge auch Schmerzen

Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images

"Nach drei, vier Tagen waren die Schmerzen fast vollständig verschwunden. Am Bein hatte ich ein kleines Problem an einem Muskel, einen kleinen Riss in einem Muskel, aber zum Glück auch da nichts Schlimmes."

"Es schmerzt aber noch ein wenig. Ich glaube und hoffe zumindest, dass das meine Fahrweise nicht beeinträchtigen wird. Ich konnte in diesen Tagen zu Hause kein Motorrad fahren. Freitagmorgen wird also das erste Mal nach dem Sturz sein."

Explodiert jetzt das Aprilia-Stallduell?

Zwischen den beiden Aprilia-Fahrern geht es auch um den Weltmeistertitel. Bezzecchi hat vier der ersten acht Grands Prix gewonnen, Martin einen. Bezzecchi führte die WM-Wertung 20 Punkte vor Martin an.

Könnte der Startunfall dennoch ein Wendepunkt im Stallduell gewesen sein? Hat sich die Atmosphäre in der Aprilia-Box verändert oder wird sich ab jetzt etwas verändern? "Nein", lautet Bezzecchis Antwort darauf.

Auch Martin schlägt versöhnliche Töne an: "Ich glaube, es ist an der Zeit, enger zusammenzustehen als je zuvor. Wenn wir gegeneinander arbeiten, ist das so, als würden wir uns selbst ins Bein schießen - das ergibt keinen Sinn."

"Wir müssen klug sein. Ich werde klug sein. Ich habe nach dem Rennen zweimal mit Marco gesprochen. In diesem Moment war es sicher schwierig. Heute habe ich mit Massimo gesprochen, und ich glaube, wir sind auf derselben Linie."

"Jetzt ist es anders als noch vor zwei Wochen. Alle ziehen am selben Strang", so Martin. Trackhouse-Fahrer Fernandez fühlte sich am Medientag in Brünn unwohl und sagte deshalb seine Interviewtermine ab. Trackhouse stellte mit Francesco Guidotti einen neuen Teammanager vor.

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