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Ex-Crewchief von Jorge Lorenzo: "Yamaha hat keine Basis für 2027"

Mit dem V4-Konzept hat Yamaha alles auf eine Karte gesetzt - Drei Rennen, drei Enttäuschungen - Ramon Forcada sieht die größten Probleme beim neuen Motor

Ex-Crewchief von Jorge Lorenzo: "Yamaha hat keine Basis für 2027"

Die Yamaha-Fahrer sind in der Regel am Ende des MotoGP-Feldes

Foto: Getty Getty

Mit dem neuen V4-Motorkonzept ist Yamaha eindeutig das Schlusslicht in der MotoGP. Bei den ersten drei MotoGP-Rennen 2026 wurden für die Herstellerwertung lediglich neun WM-Punkte gesammelt. Fabio Quartararos sechster Platz im Sprint von Brasilien war angesichts der Umstände ein Ausreißer, als er sich am Freitag auf feuchter Strecke für Q2 qualifizieren konnte.

Im Grand Prix kehrte mit Platz 16 wieder die aktuelle Realität ein. Die Zeitrückstände in den drei Sonntagsrennen über die volle Distanz verdeutlichen das. In Thailand war Quartararo als bester Yamaha-Fahrer mit einer halben Minute Rückstand 14.

In Brasilien wurde Teamkollege Alex Rins 14. Über die auf zwei Drittel verkürzte Renndistanz verlor er 23 Sekunden. Zuletzt in den USA war Rookie Toprak Razgatlioglu als 15. der beste Yamaha-Fahrer. Groß war seine Freude nicht, denn er kritisierte 25 Sekunden Rückstand.

Mit dem Konzeptwechsel vom Reihenvierzylinder auf einen V4-Motor hat Yamaha eine grundlegende Entscheidung getroffen. Es ist klar, dass 2026 ein Testjahr für die Zukunft wird, wenn ab 2027 der Hubraum von 1.000 auf 850 Kubikzentimeter verkleinert wird.

Da im nächsten Jahr auch Größe und Position der Winglets leicht verändert werden, kommt der Seitenverkleidung eine noch größere Bedeutung zu, als sie aktuell ohnehin schon hat. Ein schmälerer Motor bietet mehr Platz für die Aerodynamik der Seitenverkleidung.

Auch das war ein wesentlicher Grund für Yamahas Konzeptwechsel. Ramon Forcada, der 14 Jahre für Yamaha tätig war und als Crewchief von Jorge Lorenzo drei Weltmeistertitel gewonnen hat, sieht die Situation von Yamaha auch mit Blick auf die Zukunft skeptisch.

"Auf dem Papier werden die Motorräder nächstes Jahr nicht so anders sein", sagt Forcada bei Duralavita. "Es wird keinen großen Unterschied geben, denn da sich das Motorrad nicht viel ändern wird, haben alle anderen eine Basis, auf der sie die 850er aufbauen können."

"Yamaha hat noch nicht einmal eine Basis. Sie können das Motorrad von diesem Jahr nicht einfach aufgeben. Sie müssen mit der 850er für nächstes Jahr anfangen. Und dazu müssen sie, wenn sie in diesem Jahr etwas finden, das funktioniert, es auch auf das nächstjährige Motorrad übertragen."

Forcada nennt Aprilia als Gegenbeispiel. Die aktuelle RS-GP ist ausgereift und siegfähig. Dadurch können sich die Ingenieure in Noale auf das neue 850er-Motorrad konzentrieren und die Basis und die Erfahrungen vom aktuellen Motorrad einfließen lassen.

Ramon Forcada

Mit Jorge Lorenzo gewann Ramon Forcada drei Weltmeistertitel

Foto: LAT

"Yamaha kann das nicht", so Forcada. "Das Problem ist, dass der Motor jung ist. Am Ende ist das ein Dilemma. Entweder man lässt ihn schneller laufen, aber dann wird er kaputt. Man findet also nicht die Kombination aus Zuverlässigkeit und Leistung. Das alles braucht jetzt Zeit."

Als Beispiel nennt der ehemalige Crewchief den Wintertest in Sepang, als Yamaha einen Tag aussetzen musste, um die Ursache für Schäden zu ergründen. Forcada glaubt, dass sie weitergefahren wären, wenn es ein Rennwochenende gewesen wäre.

"Das Problem ist, dass trotz der Europäer weiterhin die Japaner das Sagen haben, und das Thema Sicherheit ist für sie ...", nennt Forcada einen Aspekt. "Es gab eine Charge mit fragwürdigen Teilen. Also stoppten sie, bevor etwas passieren konnte. Danach sind sie mit demselben Motor weitergefahren."

Checa: Razgatlioglus Ergebnis zeigt Motivation anderer Fahrer

Auch Carlos Checa, der von 1999 bis 2004 für Yamaha gefahren ist, sieht den neuen V4-Motor momentan als die Schwachstelle der neuen M1. "Von Anfang an ist der Schritt nach vorne, den sie machen wollten, ein Schritt nach hinten geworden", meint er bei Duralavita.

Der Ex-Rennfahrer, der 2011 Superbike-Weltmeister wurde, sieht auch den Frust der Fahrer: "Fabio Quartararo, der um die WM kämpfen will, ist da hinten. Die Motivation ist offensichtlich nicht da. Oder wie Jack Miller, der Grands Prix gewonnen hat. Rins, der Fall Rins."

Carlos Checa

Carlos Checa mit der Yamaha YZR500 in Le Mans 2001

Foto: Pascal Rondeau /Allsport/Getty Images

"Toprak kommt als Neuer und will alles geben. Es ist offensichtlich, dass es emotional Unterschiede gibt. Das ist auch sehr schwierig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Fabio nächstes Jahr bereits für ein anderes Team unterschrieben hat."

"In dieser Hinsicht kann man diese Ergebnisse ein bisschen verstehen und auch, dass Toprak im Moment merkwürdigerweise der beste Yamaha-Fahrer ist, oder?", spricht Checa das Ergebnis des US-Grand-Prix an.

"Was eigentlich nicht sein sollte, weder nach Erfahrung noch nach Qualität, und vor allem angesichts der Zeit, die jeder von ihnen bei Yamaha verbracht hat. Dass ein Fahrer kommt und beim dritten Rennen vor dir liegt, ehrlich gesagt würde mir das überhaupt nicht gefallen."

Toprak Razgatlioglu

Carlos Checa traut Razgatlioglu mit dem richtigen Material einiges zu

Foto: Getty Images North America

"Toprak ist ein echter Racer und wird mit dem fahren, was man ihm gibt. Wenn man ihm ein Motorrad aus Holz gäbe, würde er damit fahren. Nächstes Jahr hat er Pirelli-Reifen, die er sehr gut kennt. Und nächstes Jahr, glaube ich, wird sich alles für ihn verbessern", glaubt Checa.

"Ich glaube, er nutzt jede Gelegenheit bestmöglich aus. Ich glaube, er ist ein Fahrer von sehr hoher Qualität. Er ist ein Fahrer, den man im Auge behalten muss, denn wenn er die technische Unterstützung hat, glaube ich, dass er sehr konkurrenzfähig sein und vorne mitmischen wird."

Der Wechsel ins Werksteam ist für Razgatlioglu allerdings versperrt. Yamaha hat sich mit Ai Ogura geeinigt. Der Japaner wird 2027 mit Jorge Martin das Fahrerduo bilden. Razgatlioglu wird daher weiterhin für Pramac fahren. Ob Miller einen neuen Vertrag erhält, ist derzeit nicht bekannt.

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