Fabio Quartararo erklärt Honda-Wechsel: "Ich brauchte frischen Wind"
Fabio Quartararo erklärt erstmals ausführlich, warum er Yamaha nach acht gemeinsamen Jahren verlässt und ab 2027 für Honda antreten wird
Fabio Quartararo kann den Neuanfang mit Honda kaum erwarten
Foto: Getty Getty
Fabio Quartararo wird seine Zusammenarbeit mit Yamaha nach der Saison 2026 beenden und ab 2027 für Honda antreten. Der Weltmeister von 2021 hat sich bewusst für einen kompletten Neustart entschieden. Dabei geht es ihm nicht ausschließlich um die technische Leistungsfähigkeit seines künftigen Motorrads.
Quartararo möchte auch mental einen Schlussstrich ziehen und sich in einem neuen Umfeld einer Herausforderung stellen, wie er im Gespräch über seinen Wechsel betont.
Die Entscheidung für Honda fiel bereits vor Beginn der laufenden Saison. Auf die Frage, wann er sich zum Herstellerwechsel entschlossen habe, antwortet der Franzose zunächst knapp: "Im Winter." Anschließend präzisiert er: "Die Entscheidung, zu Honda zu wechseln, fiel natürlich kurz vor Saisonbeginn. Aber wir haben, wie gesagt, bereits seit dem Winter mit verschiedenen Teams gesprochen."
Yamaha-Kapitel endet nach acht Jahren
Offiziell wurde Quartararos Wechsel erst im Sommer bekannt gegeben. Für den Franzosen war zu diesem Zeitpunkt längst klar, dass seine Zukunft nicht bei Yamaha liegen würde. Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrags habe es überhaupt nicht gegeben. "Nein", stellt Quartararo diesbezüglich klar.
Damit enden acht gemeinsame Jahre mit Yamaha. Seit seinem MotoGP-Debüt 2019 fuhr Quartararo ausschließlich für den japanischen Hersteller. 2021 gewann er mit Yamaha den Titel, insgesamt gelangen ihm mit der Marke elf Siege und 32 Podien.
Die sportliche Entwicklung der vergangenen Jahre sorgte jedoch zunehmend für Frustration. Quartararo macht dabei keinen Hehl daraus, dass die ersten Jahre seiner Yamaha-Zeit deutlich erfolgreicher waren als die jüngere Vergangenheit.
"Ich hoffe, dass sie ein siegfähiges Motorrad bauen können. Aber natürlich endet mit Yamaha ein Kapitel. Wir waren acht Jahre zusammen. Die ersten Jahre waren besser als die letzten", blickt der Franzose zurück. Trotz des bevorstehenden Abschieds will er seine laufende Saison bei Yamaha professionell zu Ende bringen.
"Ich bin glücklich und freue mich wirklich darauf, zu Honda zu wechseln. Ich kann es kaum erwarten. Aber wir haben noch einige Rennen vor uns, deshalb müssen wir uns weiterhin darauf konzentrieren", betont der scheidende Yamaha-Pilot.
Nicht nur das Motorrad war ausschlaggebend
Die Entscheidung gegen eine Verlängerung bei Yamaha sei dabei nicht ausschließlich aus sportlicher Sicht gefallen. Quartararo betont zwar, dass das Motorrad eine besonders wichtige Rolle gespielt habe. Gleichzeitig sei nach acht Jahren bei derselben Marke aber auch der Wunsch nach Veränderung in ihm gewachsen.
"In diesem Fall ging es vor allem um das Motorrad. Aber natürlich habe ich meine gesamte MotoGP-Karriere bei Yamaha verbracht. Darüber bin ich sehr glücklich und dankbar. Aber für mich war es der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel."
Quartararo habe schlicht einen Neustart gebraucht: "Frischen Wind, neue Leute und ein neues Projekt. Ich glaube, ich brauchte in allen Bereichen eine Veränderung, mental genauso wie beim Gesamtpaket." Der Honda-Wechsel ist für Quartararo nicht nur der Versuch, auf ein potenziell schnelleres Motorrad zu steigen. Er möchte sich bewusst lösen und 2027 mit einer völlig neuen Ausgangslage beginnen.
Neuer Hersteller und auch eine neue Crew
Dieser Neustart wird sich auch personell bemerkbar machen. Quartararo bestätigt, dass er einen Großteil seines bisherigen Umfelds bei Yamaha zurücklassen wird. Nur ein Mechaniker wird mit ihm gehen und ebenfalls zu Honda wechseln.
"Wir werden, wie gesagt, ein komplett neues Paket und neue Leute haben. Ein Mechaniker wird mir von Yamaha folgen. Aber ich möchte, wie gesagt, vollkommen frisch ankommen, mit neuen Leuten und mit Menschen, die die Marke bereits kennen."
Statt seine gewohnte Yamaha-Struktur unverändert zu Honda mitzunehmen, möchte Quartararo sich auf die Arbeitsweise und Philosophie des neuen Herstellers einlassen.
Was Quartararo von Honda überzeugt hat
Die Entscheidung für Honda kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der japanische Hersteller selbst eine schwierige Phase hinter sich hat. Honda kämpfte in den vergangenen Jahren ähnlich wie die Konkurrenz von Yamaha mit erheblichen sportlichen Problemen, konnte zuletzt jedoch deutliche Fortschritte erzielen.
Für Quartararo war genau diese Entwicklung ein wichtiger Faktor. Er habe gesehen, wie viel Honda verändert und verbessert hat und sei vor allem vom Zukunftsprojekt überzeugt.
"Natürlich wissen wir, dass sie ebenfalls in einer schwierigen Situation waren. Aber das Wachstum, das sie in den vergangenen Jahren gezeigt haben, und das Projekt für die Zukunft sind wirklich Dinge, die mich dazu bringen, dorthin zu wollen. Dazu kommen noch weitere Dinge, über die ich euch nichts erzählen kann. Aber natürlich finde ich das großartig", sagt der Franzose über seine Beweggründe.
Quartararo deutet damit an, dass es hinter den Kulissen weitere Argumente für Honda gegeben hat, die er öffentlich nicht näher erläutern kann. Entscheidend sei für ihn jedoch gewesen, dass er bei Honda eine klare Perspektive für die Zukunft erkennen konnte.
Quartararo weiß: 2027 ist ein gewaltiges Risiko
Der Zeitpunkt des Wechsels ist durchaus ungewöhnlich. 2027 wird die MotoGP grundlegend umgebaut. Die Königsklasse führt neue technische Regeln ein, darunter kleinere 850-ccm-Motoren, umfangreiche Änderungen in Bezug auf die Aerodynamik, ein Verbot der Devices und mit Pirelli auch einen neuen Reifenlieferanten.
Damit beginnt für sämtliche Hersteller eine neue Ära. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, welches Konzept unter den neuen Rahmenbedingungen tatsächlich konkurrenzfähig sein wird. Quartararo ist sich dieses Risikos bewusst.
"Ich denke, es ist sehr schwierig. Die Motorräder, die jetzt funktionieren, könnten aufgrund all der Veränderungen, insbesondere bei den Reifen, im nächsten Jahr vielleicht nicht mehr funktionieren. Natürlich ist es ein Risiko", weiß der Weltmeister von 2021.
"Aber ich würde nicht sagen, dass es ein komplettes Glücksspiel ist. Ich denke, dahinter stecken viele Dinge, über die man nachdenken und an denen man arbeiten muss."
Vor seiner Entscheidung habe er deshalb zahlreiche Gespräche geführt: "Wir hatten viele Gespräche mit verschiedenen Teams. Und bei Honda wurden meine Fragen auch wirklich gut beantwortet. Genau deshalb wollte ich diesen Schritt machen."
Puig: "Fabio ist einer der schnellsten Fahrer"

Alberto Puig sieht in Quartararo den richtigen Fahrer für Honda
Foto: Getty Images AsiaPac
Honda-Teammanager Alberto Puig sieht in Quartararo eine wichtige Verstärkung für die neue Ära. Für ihn steht die Qualität des Franzosen außer Frage. "Fabio ist Weltmeister. Ich denke, er ist einer der schnellsten Fahrer im Feld. Natürlich freut sich Honda darüber, und auch wir freuen uns", betont der Spanier.
Gleichzeitig richtet Puig den Blick auch auf die Fahrer, die das Honda-Projekt in den vergangenen Jahren geprägt haben. Joan Mir und Luca Marini hätten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Motorrads geleistet: "Wir sind auch mit der Arbeit zufrieden und dankbar, die Joan und Luca in den vergangenen Jahren geleistet haben. Sie haben uns dabei geholfen, unsere Motorräder weiterzuentwickeln."
Für Puig markiert der Quartararo-Wechsel deshalb keinen Bruch mit der Vergangenheit, sondern den Beginn eines neuen Kapitels. "Alles hat irgendwann ein Ende. Diese Phase ist für sie vorbei. Jetzt beginnen wir mit einem neuen Fahrer, und wir sind glücklich über die Vergangenheit und voller Hoffnung für die Zukunft."
Honda und Quartararo haben das gleiche Ziel
Quartararo hat bei Yamaha mehrfach betont, dass er wieder an die Spitze der MotoGP zurückkehren möchte. Genau diesen Anspruch verfolgt auch Honda. Für Puig ergibt sich daraus eine klare gemeinsame Motivation: "Normalerweise sind Weltmeister hungrig, und Hersteller wie Honda sind hungrig. Das ist hier jeder."
"Das Ziel ist nur eines, da müssen wir klar sein", ergänzt der Honda-Teammanager. "Manchmal kann man dieses Ziel nicht erreichen, aber es gibt nur ein Ziel. Und für Fabio und Honda geht es definitiv darum, zurück an die Spitze zu kommen."
Damit beschreibt Puig ziemlich genau, was Honda und Quartararo miteinander verbindet: Beide Seiten wollen nach schwierigen Jahren in der MotoGP wieder ganz nach vorne.
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