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Fabio Quartararo rechnet ab: "Yamaha hat keinen einzigen starken Punkt"

"Wie Tag und Nacht": So beschreibt Fabio Quartararo den Vergleich zum Vorjahr - Was ihn nach dem Spanien-GP beschäftigt, erklärt er in ungewohnt klaren Worten

Fabio Quartararo rechnet ab: "Yamaha hat keinen einzigen starken Punkt"

Fabio Quartararo verlor im Grand Prix eine halbe Minute auf die Spitze

Foto: Getty Getty

Yamaha nutzte das Rennwochenende in Spanien als Test. Einerseits war Testfahrer Augusto Fernandez mit einer Wildcard am Start, andererseits erhielten beide Teams ein neues Chassis. Auch eine neue Hinterradschwinge wurde ausprobiert.

Einen weiterentwickelten V4-Motor gab es in Jerez nicht, auch nicht beim Montagstest. Auf der Strecke zeigte sich kein deutlicher Fortschritt. Yamaha war sogar langsamer als im Vorjahr, als noch der Reihenvierzylinder eingesetzt wurde.

Das zeigte sich bereits im Freitagstraining. Fabio Quartararo fuhr 1:36.752 Minuten. Im Vorjahr stand er mit 1:35.610 Minuten auf der Poleposition. Wie gewohnt fand der Ex-Weltmeister deutliche Worte zur aktuellen Situation.

"Wie es aussieht, so sieht es aus. Ich meine, 1,1 Sekunden von unserer besten Rundenzeit in Jerez ist wirklich, wirklich schlecht", nimmt Quartararo kein Blatt vor den Mund. Den Vergleich zum Vorjahr fasst er "wie Tag und Nacht" zusammen.

"Ich meine, das Motorrad vom vergangenen Jahr hatte seine Punkte, wo es natürlich in Sachen Leistung und Grip am Hinterrad nicht das Beste war, auch beim Reifenverschleiß."

"Das Wesentliche ist: Im vergangenen Jahr war das Motorrad ganz ordentlich, hatte aber zwei große Schwachstellen - den Grip und die Leistung. Das Problem ist, dass wir gerade keinen einzigen starken Punkt haben."

"Es gibt keinen einzigen Bereich, in dem ich sagen kann, ich fühle mich gut. Ich fühle mich nicht gut auf der Bremse, ich fühle mich am Kurveneingang nicht gut, ich fühle mich in der Kurvenmitte nicht gut."

Fabio Quartararo

Fabio Quartararo nimmt mit seiner Kritik kein Blatt vor den Mund

Foto: Getty Images Europe

"Ich fühle mich auch am Kurvenausgang nicht gut, weil der Grip fehlt und das Motorrad nicht einlenkt. Es gibt also sehr, sehr viele Bereiche mit großen Problemen. Jetzt wissen wir vor allem, dass das Potenzial überhaupt nicht da ist."

"Ich habe null Gefühl am Vorderrad. Und um schnell zu sein, brauche ich ein Gefühl - auch wenn es schlecht ist, ich muss spüren, was ich tue. Und gerade bin ich in diesem Bereich leider ziemlich verloren."

"Denn ein Teil des Ergebnisses hängt davon ab, wie sehr ich pushen kann. Außerdem bin ich sehr verkrampft auf dem Motorrad, ich bin nicht wirklich flüssig. Das war immer meine Stärke. Jetzt ist es das nicht mehr."

Quartararo: "Ich bin nicht dumm, weiß wie ich fahren muss"

Im Flag-to-Flag-Sprint am Samstag nutzte Quartararo dennoch die wechselhaften Bedingungen und wurde Siebter. Der trockene Grand Prix brachte die Yamaha-Realität wieder schonungslos zutage.

Quartararo verlor über 25 Runden eine halbe Minute. Als 14. sammelte er zwei WM-Punkte. Die vier Yamaha-Fahrer fanden sich am Ende des Feldes wieder. Nur Joan Mir, der zwei Long-Lap-Strafen hatte, und Rookie Diogo Moreira waren auch dort hinten.

"Im vergangenen Jahr bin ich zwei Sekunden hinter Alex [Marquez] ins Ziel gefahren, dieses Jahr 35 Sekunden", nennt Quartararo die harten Fakten. "Ich bin nicht dumm, ich weiß noch, wie man fährt."

Fabio Quartararo

Der Ex-Weltmeister erkennt beim neuen V4-Motorrad kein Potenzial

Foto: Getty Images Europe

"Es liegt also nicht wirklich in meinen Händen, und es ist nicht nur der Hinterrad-Grip, durch den wir 32 Sekunden verlieren. Ja, ich kann mich recht schnell anpassen. Aber das Einzige, was ich brauche, ist das Gefühl am Vorderrad."

"Ja, natürlich brauchen wir mehr Topspeed, weil uns das fehlt. Aber für mich ist das auf dieser Art von Strecke das letzte unserer Probleme. Ich meine, ich bestehe nicht darauf, an der Leistung zu arbeiten."

"Natürlich will ich die Leistung, aber wir brauchen ein Motorrad, das einlenkt, das stoppt, das ein Gefühl am Vorderrad hat, das Grip hat", zählt Quartararo auf. "Das ist es, worum ich seit September bitte. Aber wir finden nichts."

Miller beschreibt Gripprobleme am Hinterrad

Der Konzeptwechsel vom Reihenvierzylinder zum V4-Motor hatte mehrere Gründe. Einer davon war, das Motorrad etwas länger und tiefer zu machen, so wie es bei Ducati und Aprilia der Fall ist, um den Hinterreifen besser zu nutzen.

Das betrifft auch die Bremsphase, denn mit dem Reihenvierzylinder bremste das Motorrad praktisch nur über das Vorderrad. Aber es betrifft auch den Grip in der kompletten Kurvenfahrt bis zur Beschleunigung aus der Kurve.

Jack Miller

Jack Miller bestätigt die Schwierigkeiten mit dem neuen Motorrad

Foto: Getty Images Europe

Jack Miller erklärt: "Wir haben den Vierzylinder nicht für irgendeine einfache Strategie gewechselt, sondern um die Bremsleistung zu verbessern. Aber wir sind nicht in der Lage, das Motorrad so gut zu stoppen, wie wir es gerne würden."

"Wir nutzen den Hinterreifen nicht genug. Der Hinterreifen verbringt viel Zeit in der Luft, und wenn er dann Bodenkontakt bekommt, neigt er ein bisschen dazu, am Kurveneingang zu springen."

"Also versuchen wir, etwas mehr Leistung aus dem Hinterreifen herauszuholen. Man muss diesen Hinterreifen sozusagen pflegen, und das gelingt uns im Moment noch nicht ausreichend."

Mit lediglich 14 WM-Punkten nach vier Rennwochenenden belegt Yamaha in der Herstellerwertung abgeschlagen den letzten Platz.

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