MotoGP Misano
Fabio Quartararo vor Misano: Yamaha-Streit beigelegt, Frust bleibt
Nach der öffentlichen Eskalation mit Yamaha spricht Fabio Quartararo vor dem GP von San Marino über Frust, Selbstkritik und ein klärendes Gespräch mit dem Team
Juliane Ziegengeist Gerald Dirnbeck
Veröffentlicht: 10.09.2026, 13:40
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Fabio Quartararo hat nach Aragon ein klärendes Gespräch mit Yamaha geführt
Foto: Getty Getty
Die Wogen zwischen Fabio Quartararo und Yamaha scheinen sich vor dem Grand Prix von San Marino geglättet zu haben. Von echter Harmonie ist allerdings wenig zu spüren. Nach den Aussagen des Franzosen am Aragon-Wochenende haben sich Fahrer und Team zu einem klärenden Gespräch zusammengesetzt.
Quartararo betont nun, dass die Angelegenheit bereinigt sei. Gleichzeitig macht er deutlich, dass seine grundlegende Unzufriedenheit mit der Yamaha M1 unverändert bestehe.
"Ich denke, es geht nicht darum, ob ich etwas bereue oder nicht", sagt Quartararo am Donnerstag in Misano auf die Frage nach seinen öffentlichen Aussagen. "Mit der Frustration haben wir Dinge gesagt, die vielleicht nicht richtig waren", gibt er zu.
"Wir hatten vergangene Woche gemeinsam ein Meeting, alles wurde geklärt und jetzt ist alles wieder ziemlich normal." Damit versucht der 2021er-Weltmeister, einen Schlussstrich unter die öffentliche Auseinandersetzung zu ziehen. Wie konkret die Konsequenzen des Gesprächs aussehen, wollte er allerdings nicht verraten.
Auf Nachfrage nach den Inhalten des Meetings bleibt Quartararo bei seiner Linie: Es handle sich um eine interne Angelegenheit. Was genau dort besprochen wurde, bleibt unklar.
Frust über Yamaha ist nicht verschwunden
Auslöser für die Eskalation war das schwierige Aragon-Wochenende. Quartararo hatte sich darüber geärgert, dass er aus seiner Sicht zu stark in die Rolle eines Testfahrers gedrängt wurde. Mehrfach musste er neue Komponenten vergleichen, darunter ein neues Chassis und einen Umlenkhebel. Sein Urteil fiel wiederholt negativ aus.
Im Rennen kam Quartararo schließlich nur auf Platz 18, mit mehr als 51 Sekunden Rückstand auf Sieger Marc Marquez. Besonders deutlich wurde der Franzose nach dem Sprint, als ein Yamaha-Motorschaden die Situation weiter verschärfte.
Anschließend erklärte er, künftig nicht mehr bei der Entwicklung für die kommende Saison helfen zu wollen. Dafür gab es Kritik aus den eigenen Reihen. In Misano klingt Quartararo deutlich versöhnlicher, ohne seine grundsätzliche Haltung aufzugeben.
Er räumt ein, dass seine Emotionen manchmal mit ihm durchgehen. "Man gewöhnt sich nie an schwierige Momente", erklärt der Yamaha-Pilot. Frust sei immer vorhanden, wenn man nicht erreiche, was man sich vornimmt. Auch wenn man wisse, dass das aktuelle Paket derzeit nicht auf dem gewünschten Niveau liegt.
Der Ehrgeiz ist für Quartararo dabei Fluch und Antrieb zugleich. "Ich bin konkurrenzfähig, ich will kämpfen", sagt der Weltmeister von 2021. "Wenn es mir wirklich egal wäre, würde ich es nicht mehr genießen und nicht mehr Rennen fahren wollen."
Genau daraus entstehe gelegentlich seine übermäßige Reaktion: "Deshalb nehme ich es manchmal vielleicht zu ernst", gesteht der Franzose. "Meine Frustration ist dann zu groß. Aber ich muss einfach im richtigen Moment die richtigen Worte finden."
"Vielleicht muss ich es anders rauslassen"
Auf die Frage, ob es ihm helfe, seine Frustration öffentlich herauszulassen, antwortet Quartararo mit einem klaren Ja, schiebt aber nach: "Vielleicht muss ich sie auf eine andere Art rauslassen. Vielleicht muss ich sie loswerden, wenn ich allein im Motorhome bin, und mit euch auf eine etwas freundlichere Art sprechen."
Damit dürfte ziemlich genau beschrieben sein, was Yamaha sich für die verbleibenden Rennen der gemeinsamen Zeit wünschen dürfte. Denn die Trennung ist längst beschlossene Sache: Quartararo wird Yamaha nach der Saison 2026 verlassen und 2027 zum Honda-Werksteam wechseln. Auch Alex Rins geht am Jahresende.
Die Ausgangslage macht den Konflikt zusätzlich kompliziert. Quartararo befindet sich in seinem letzten Yamaha-Jahr, während der Hersteller gleichzeitig seine V4-Ära vorantreibt.
Der Franzose soll zwar weiterhin Rennresultate liefern, sieht aber offenbar nur begrenzten Sinn darin, seine verbleibende Zeit in ein Projekt zu investieren, dessen Früchte er selbst nicht mehr ernten wird. 2027 übernehmen Jorge Martin und Ai Ogura.
Keine Änderung beim Test in Spielberg
Auch bei einem weiteren Streitpunkt gibt es nach Quartararos Angaben keine neue Entwicklung. Auf die Frage, ob sich bezüglich des Reifentests nach dem Rennen am Red Bull Ring etwas verändert habe, antwortet er knapp: "Nein, keine Änderungen."
Der Test war Teil der jüngsten Spannungen zwischen Quartararo und Yamaha. Für den Franzosen wäre es eine Gelegenheit gewesen, sich einen Eindruck von den neuen Pirelli-Reifen zu verschaffen, die ab 2027 zum Einsatz kommen. Doch Yamaha setzt stattdessen auf Toprak Razgatlioglu und Izan Guevara.
Dass ihm die Teilnahme verweigert wird, ihm im Rahmen der Wochenenden aber ständig neue Komponenten vorgesetzt werden, brachte das Fass für Quartararo zum Überlaufen.
Psychologe? Die Situation ist diesmal anders
Auf die Frage, ob der jüngste Frust auch mental Spuren hinterlassen habe, verrät der Franzose, dass er in der Vergangenheit bereits mit einem Sportpsychologen gearbeitet habe, allerdings nicht primär wegen Problemen mit dem Motorrad.
Damals, in seiner Moto2-Zeit, sei es stärker um ihn selbst gegangen und weniger um die technische Situation. Inzwischen liegt sein Problem nach eigener Einschätzung woanders.
"Mein Gefühl ist gut, ich fühle mich nur momentan nicht gut mit dem Motorrad", sagt er. Deshalb sehe er aktuell auch keinen Grund, erneut psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er wisse aus eigener Erfahrung, wann der Zeitpunkt dafür gekommen sei: "Man spürt es, wenn man hingehen muss."
Aktuell fühle er das nicht. Die Ursache seiner Frustration ist für Quartararo also klar identifiziert: nicht seine mentale Verfassung, sondern die Performance des Motorrads. Damit liege die Erklärung für seine Situation nicht vollständig in seiner Hand.
Misano soll zumindest wieder Spaß machen
Sportlich bietet Misano zumindest bessere Voraussetzungen als Aragon. Quartararo verweist auf niedrigere Temperaturen sowie einen vergleichsweise guten Grip und moderaten Reifenverschleiß. Das könnte der Yamaha entgegenkommen.
"Der Reifenabbau ist nicht so schlecht, deshalb werden wir versuchen, das Maximum aus unserem Paket herauszuholen und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen", sagt der Yamaha-Fahrer. Ein Selbstläufer wird das allerdings nicht. Auch auf dem Misano World Circuit bleibt die Motorleistung ein entscheidender Faktor.
Quartararo widerspricht deshalb der These, dass die Power auf der italienischen Strecke weniger wichtig sei. "Nein, sie ist immer noch sehr wichtig", stellt er klar. "Die Hauptgerade ist nicht so lang, aber dann haben wir die Gerade hinten und die Gerade in der Mitte. Dort kommen wir tatsächlich bis in den sechsten Gang."
Gleichzeitig weiß Quartararo, dass Yamaha nicht kurzfristig zaubern kann: "Es gibt keine Magie, die uns mehr Leistung verschafft. Wir werden mit dem arbeiten, was wir haben."
Misano hat ganz besondere Erinnerung
Dass der Grand Prix von San Marino für Quartararo eine besonders emotionale Bedeutung besitzt, macht die Situation für ihn nicht leichter. Misano erinnert ihn an den wohl wichtigsten Moment seiner Karriere: den Gewinn des WM-Titels 2021.
"Natürlich bedeutet es mir immer etwas, weil es der wichtigste Moment meiner Karriere war", sagt er. Gleichzeitig möge er die Strecke sehr und fahre hier gern. Deshalb gilt für Quartararo auch an diesem Wochenende eine einfache Formel: "Wir werden versuchen, mit dem, was wir haben, unser Bestes zu geben."
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