Fermin Aldeguer: Zweiter Gresini-Fahrer mit Anspruch aufs Ducati-Werksteam
Nicht konstant, aber oft beeindruckend - Fermin Aldeguers Rookie-Jahr liefert Hinweise auf großes Potenzial - Weg Richtung Ducati-Werksteam ist vorgezeichnet
Fermin Aldeguer wurde souverän bester MotoGP-Rookie des Jahres
Foto: AFP
Die Erwartungen an Fermin Aldeguer waren gemischt, als er 2025 mit Gresini auf einem Satellitenmotorrad in die MotoGP aufstieg. Seine beeindruckende Siegesserie am Ende der Moto2-Saison 2023 hatte ihm frühzeitig einen MotoGP-Vertrag eingebracht, doch sein letztes Jahr in der mittleren Klasse - das erste auf Pirelli-Reifen - verlief eher enttäuschend.
Zwar verbesserte sich seine Form, als er die neuen Reifen besser verstand, dennoch wurde er mit dem Boscoscuro-Chassis nur WM-Fünfter. Entsprechend gedämpft war die Erwartung beim Wechsel in die MotoGP.
Viele sahen 2025 für Aldeguer eher als Lernjahr denn als Saison für große Ergebnisse. Die ersten beiden Rennen seiner Rookie-Kampagne verliefen unauffällig, doch in Austin setzte er erstmals ein Ausrufezeichen.
Von Startplatz zwölf aus drang Aldeguer sofort in die Top 10 und setzte seinen Vormarsch fort. In Runde 16 lag er bereits auf Platz fünf, direkt hinter VR46-Fahrer Franco Morbidelli. Ein Sturz in Kurve 15 beendete Aldeguers Rennen. Doch diese Aufholjagd zeigte erstmals sein Talent.
"Die Erwartungen an mich haben sich im Laufe der Saison stark verändert, weil wir vielleicht nicht optimal gestartet sind und alle anderen Rookies besser waren als ich", sagt Aldeguer gegenüber Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
"Aber wir hatten ein gutes Gefühl und ein gutes Tempo, und Schritt für Schritt kamen wir nach vorne. Ich denke, der Grand Prix von Austin war der Durchbruch, weil wir dort zum ersten Mal direkt am Freitag den Einzug in Q2 geschafft haben."
"Danach habe ich mich im Rennen extrem gut gefühlt. Ich war Fünfter und konnte die Lücke zu Morbidelli schließen. Ich bin zwei oder drei Runden vor Schluss gestürzt, aber das Selbstvertrauen, das ich an diesem Wochenende gewonnen habe, war sehr wichtig. Das war der Klick für mich."
Aldeguer in zweiter Rennhälfte stark
Eine der auffälligsten Stärken Aldeguers in dieser Saison war sein Tempo in der Spätphase der Rennen - vergleichbar mit Enea Bastianini, der auf der Ducati oft erst gegen Rennende aufblühte. Besonders deutlich zeigte sich das beim Großen Preis von Österreich.
Aldeguer beendete die erste Runde auf dem Red-Bull-Ring als Achter, aber im Ziel fehlte ihm nur etwas mehr als eine Sekunde auf Sieger Marc Marquez. "Es ist ehrlich gesagt schwer zu sagen, woher das kommt, aber ich habe mich mit gebrauchten Reifen immer wohlgefühlt", erklärt er.

Mit Aufholjagden setzte sich der Youngster in Szene
Foto: Gresini
"Auch in der Moto2 kam ich in den letzten Runden, in der Schlussphase des Rennens, immer sehr gut zurecht. Ich weiß nicht, ob das an meinem Fahrstil oder an meiner Gasannahme liegt. Ich habe mich im letzten Teil des Rennens immer besser gefühlt als im ersten."
"Wir müssen den ersten Teil des Rennens verbessern, um im letzten Teil noch besser zu sein." Stark auf abgefahrenen Reifen zu sein, ist eine wertvolle Waffe. Doch Aldeguer müsste sich nicht so oft durchs Feld kämpfen, wenn er weiter vorne starten würde.
Arbeit an Qualifying-Performance
Das aktuelle MotoGP-Format legt enormen Wert auf das Training am Freitag. Der direkte Einzug in Q2 kann über ein gesamtes Rennwochenende entscheiden. Selbst schnelle Fahrer haben bei den engen Zeitabständen im Feld oft Probleme, sich aus Q1 zu befreien.
Bei zwölf der 22 Qualifyings qualifizierte er sich für die ersten drei Startreihen. "Wenn man in Q2 ist und in den ersten Reihen startet, ist es einfacher, das Rennen zu fahren und zu kontrollieren", weiß Aldeguer. "Das ist etwas, das ich verbessern möchte."

In Indonesien raste Fermin Aldeguer zu seinem ersten MotoGP-Sieg
Foto: Getty Images AsiaPac
"Aber es braucht einfach Zeit: neue Reifen zu nutzen und herauszufinden, wo das Limit liegt, weil ich in dem Moment nicht genau weiß, wo das Limit des Motorrads ist. Ich brauche mehr Zeit, mehr Stürze - und die habe ich mir auch genommen."
Als sich Aldeguer erstmals in der ersten Reihe qualifizierte, verwandelte er dies beim Grand Prix von Indonesien in seinen ersten MotoGP-Sieg. Zwar nahm Marco Bezzecchis Fehler in der ersten Runde zwei Spitzenfahrer aus dem Rennen, doch Aldeguer zeigte Reife.
Trotzdem räumt er ein, dass seine Rennergebnisse nicht immer sein wahres Tempo widerspiegeln. Stürze in Jerez, Assen und Sepang - jeweils aus aussichtsreichen Positionen - zeigen, dass noch Feinschliff nötig ist. Das gehört jedoch zum Lernprozess eines jungen Fahrers.
Was in seinem Ducati-Vertrag genau steht
Aldeguer war zu Saisonbeginn noch keine 20 Jahre alt. "Ich denke, in einigen Rennen waren wir schneller und stärker als das Ergebnis gezeigt hat. Das war schwierig für mich selbst, denn wenn man sich besser fühlt als das Resultat, ist man mit sich selbst unzufrieden."
"Aber es ist eine gute Gelegenheit, Erfahrung zu sammeln und sich weiter zu verbessern", findet er. Betrachtet man die Höhepunkte, wirkt Aldeguers MotoGP-Zukunft vielversprechend. Zwar gibt es noch Schwachstellen, doch er hat bereits ein solides Fundament für langfristigen Erfolg gelegt.
Folgerichtig hat Aldeguer das Ziel, sich einen Platz im Ducati-Werksteam zu sichern, wenn sich das Transferfenster 2027 öffnet. Ob überhaupt ein Platz frei wird, ist jedoch offen. Marc Marquez befindet sich in Höchstform und wird wahrscheinlich nicht wechseln.
Die größere Unbekannte ist Francesco Bagnaia, der in dieser Saison schwankende Leistungen zeigte. Selbst wenn sich im Ducati-Werksteam ein Platz öffnen sollte, wäre der Konkurrenzkampf hart - auch innerhalb der Gresini-Box.
Alex Marquez befand sich 2025 in überragender Form und wurde bereits mit einem Werksmotorrad für 2026 belohnt. Aldeguer muss zeigen, dass er langfristig größeres Potenzial bietet als der jüngere Marquez, der 2027 31 Jahre alt wird.

Gigi Dall'Igna mit seinem Rohdiamanten für die Zukunft
Foto: Gresini
Der Gresini-Rookie soll bereits einen Zwei-plus-zwei-Vertrag besitzen, der Ducati die Option gibt, ihn bis 2028 an sich zu binden. "Ich habe einen Vertrag mit dem Ducati-Werk", bestätigt Aldeguer und gibt offen zu, dass er viele Möglichkeiten hat.
"In meinem Vertrag steht, dass man nach zwei guten Saisons die Möglichkeit hat, ins offizielle Team zu wechseln. Aber alles hängt von den Ergebnissen und meinem Potenzial ab. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher: Wenn Ducati sieht, dass ich bereit bin, werden sie mir einen Platz geben."
"Wenn nicht, bleiben wir bei Gresini." Zur Klarstellung fügt Aldeguer hinzu: "Wir sprechen darüber, aber wir sagen nicht: 'Vielleicht gehst du an diesem Datum, 2027, ins Werksteam.' Es geht vielmehr darum, mir Ruhe zu geben. Wenn ich gute Ergebnisse bringe, wird diese Chance kommen."
Aldeguer wird 2026 einer von nur zwei Fahrern im Feld sein, die mit einer ein Jahr alten Ducati antreten. Wie er sich gegen die GP26-Fahrer - insbesondere gegen Alex Marquez - schlägt, wird entscheiden, ob ihm der Sprung vom vielversprechenden Rookie zum echten Werksfahrer gelingt.
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