"Furchterregend": Zarco beschreibt Startunfall - OP noch nicht möglich
Johann Zarco erinnert sich an den Crash beim zweiten MotoGP-Start in Barcelona, als er in Bagnaias Ducati eingeklemmt war - Operation am Bein erst "in einigen Wochen"
Johann Zarco und Francesco Bagnaia nach dem Startcrash in Barcelona
Foto: Getty Getty
LCR-Honda hat am Dienstag ein Update zum Zustand von Johann Zarco herausgegeben, nachdem der Franzose am vergangenen Sonntag im MotoGP-Rennen zum Grand Prix von Katalonien in Barcelona in den Unfall beim zweiten von drei Starts verwickelt war. Nach einem ersten Check im Medical-Center der Strecke wurde Zarco in ein nahegelegenes Krankenhaus in Barcelona gebracht. Inzwischen befindet er sich in Frankreich.
Beim Unfall in Kurve 1 des Circuit de Barcelona-Catalunya war Zarco mit seinem linken Bein in der Werks-Ducati von Francesco Bagnaia eingeklemmt worden, wobei sich der Franzose Bänderverletzungen im linken Knie zugezogen hat. Das wurde noch am Sonntag im Krankenhaus festgestellt.
Nach einer Nacht im Krankenhaus in Barcelona ist Zarco am Montag in sein Heimatland Frankreich zurückgekehrt. Am Dienstag nun wurde er im Orthopädie-Zentrum Santyin in Lyon von Doktor Bertrand Sonnery-Cottet untersucht. Im Statement des LCR-Teams heißt es dazu: "Nach einer gründlichen Untersuchung wird davon ausgegangen, dass [Zarco] noch einige Wochen warten muss, bevor er sich einer Operation wegen seiner Bänderverletzungen unterziehen kann."
Der Grund dafür, dass derzeit noch nicht operiert werden kann? "Damit das ursprüngliche Trauma und andere Verletzungen am Knie vor dem Eingriff Zeit haben, zu heilen." Außerdem heißt es weiter: "Nach der Operation wird ein detaillierter Rehabilitationsplan erstellt, anhand dessen das medizinische Team einen möglichen Zeitplan für seine Rückkehr einschätzen kann."
Das nächste MotoGP-Rennwochenende steht vom 29. bis 31. Mai in Mugello (Italien) auf dem Programm. Mindestens dieses Rennwochenende, unter Umständen noch weitere, wird Zarco nach aktuellem Stand der Dinge verpassen. Derweil schildert er selber erstmals, wie der Unfall beim zweiten von insgesamt drei Starts am vergangenen Sonntag aus seiner Sicht abgelaufen ist.
Zarco erinnert sich an Unfall: "So etwas noch nie erlebt"
Wie schon beim Unfall mit Joan Mir und Brad Binder, der sich am Samstag beim Start des Sprintrennens in Kurve 1 zugezogen hatte, so spielte auch im Falle des Unfalls von Zarco und Bagnaia, in den außerdem Luca Marini verwickelt war, der aerodynamische Sog der modernen MotoGP-Bikes eine Rolle.
"Ich wurde hinter Marini angesaugt und konnte nicht rechtzeitig bremsen, um ihm auszuweichen", erinnert sich Zarco gegenüber der französischen Tageszeitung L'Equipe. Nachdem seine LCR-Honda in der Bremsphase von Marinis Werks-Honda angesaugt worden war, stürzte Zarco und geriet mit seinem linken Bein in die Ducati von Bagnaia.

Zarcos links Bein wurde in der Ducati von Francesco Bagnaia eingeklemmt
Foto: Getty Images Europe
"Ich stürzte zusammen mit seinem Motorrad, wobei mein linkes Bein zwischen Rad, Sitz und Auspuff eingeklemmt wurde", so Zarco. Als die Ducati von Bagnaia im Kiesbett liegenblieb, lag Zarco auf dem Rücken, sein linkes Bein in der Ducati eingeklemmt. Bagnaia und Marini erkannten den Ernst der Lage sofort, ebenso die Sportwarte an dieser Stelle.
Zarco war bei Bewusstsein, aber die Schmerzen waren unerträglich, wie er nun beschreibt: "Ich steckte im Kiesbett fest und schrie vor Schmerzen. Ich spürte einen brennenden Schmerz in meinem Bein und alle, die sich um mich versammelt hatten, trauten sich nicht, mich anzufassen. Sie hatten Angst, meine Verletzungen noch schlimmer zu machen. Also zog ich selber an meinem Bein."
Kurz darauf war ärztliches Personal zur Stelle. "Schließlich halfen sie mir. Meine Lederkombi wurde aufgeschnitten und man gab mir eine Infusion, um die Schmerzen zu lindern. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Es war absolut furchterregend", bekennt der 35-jährige MotoGP-Routinier aus Frankreich.
Zarco gibt sich selbst die Schuld für den zweiten Start
Rückblickend bedauert Zarco, dass er zum zweiten von letztlich drei MotoGP-Starts am Sonntag überhaupt angetreten ist. Dieser zweite Start, bei dem sich der Unfall mit Zarco, Bagnaia und Marini ereignet hatte, war die Folge des kurz zuvor passierten Unfalls von Alex Marquez direkt hinter Pedro Acosta zwischen den Kurven 9 und 10.
Schon beim Crash von Alex Marquez hatte Zarco etwas abgekommen, denn Trümmerteile der Gresini-Ducati des Spaniers hatten ihn am linken Fuß getroffen. "Mein Fuß war schon lila", erinnert sich der Franzose und weiter: "Wir legten Eis auf die Prellung und der Schmerz ließ etwas nach. Da hätte ich die Entscheidung treffen sollen, aufzugeben."

Zarco war schon vor dem Unfall nicht ganz wohl, aber er beugte sich dem Druck
Foto: Getty Images Europe
"Die Bilder von Alex' Sturz und dieser Schlag auf meinen Fuß haben mich wirklich fertiggemacht. Ich war nicht mehr bei der Sache, als wir uns wieder in der Startaufstellung formierten. Ich könnte mich selber dafür ohrfeigen, dass ich diesen zweiten Start überhaupt in Angriff genommen habe", so Zarco.
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