Gleichzeitige Yamaha-Stürze - was war der Grund? Miller zusätzlich bestraft
Zwei Stürze an derselben Stelle, ein rauchendes Motorrad und eine Strafe für Jack Miller: Yamahas Freitag in Spielberg war ein einziger Scherbenhaufen
Quartararo und Oliveira stürzten unmittelbar hintereinander in Kurve 6
Foto: Gold Gold
Yamaha erlebte in mehrfacher Hinsicht einen schwierigen Trainingstag beim Grand Prix von Österreich auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg. Aus sportlicher Sicht verpassten alle vier Fahrer im Freitagstraining die direkte Q2-Qualifikation. Außerdem gab es auch Stürze, technische Probleme und eine Strafe. Doch der Reihe nach.
Es begann, als Fabio Quartararo gegen Halbzeit des Nachmittagstrainings im Infield bei der Anfahrt zur Linkskurve 6 stürzte. "Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht", antwortet der Franzose auf die Frage nach dem Grund für diesen Sturz.
"Ich glaube, dass unser Ride-Height-Device beim Sturz unten war", vermutet der Franzose. "Aber ich denke nicht, dass es wirklich Öl war. Ich weiß es nicht. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob es Öl war oder nicht."
Wenige Augenblicke nach Quartararo stürzte an exakt der gleichen Stelle auch Miguel Oliveira. "Ich hatte keine Ahnung. Ich habe auf der Innenseite von Kurve 5 das LED-Panel gesehen", berichtet der Portugiese. "Es war tatsächlich orange mit einem roten Streifen."
"Also dachte ich: Okay, da ist etwas auf der Strecke. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es etwas Klebriges, Öliges oder so etwas ist. Ich war gerade auf dem Weg an die Box, und sobald ich den aufgewirbelten Schmutz von Fabios Bike gesehen habe, blieb ich ein bisschen weiter innen."
"Dann bin ich einfach abgeflogen." Das Training wurde nach Oliveiras Sturz unterbrochen. Das lag aber daran, dass Quartararos Motorrad nach dessen Sturz geradeaus im Kiesbett weitergefahren und in einen Airfence eingeschlagen ist. Dieser wurde beschädigt und musste ersetzt werden.
Technikdefekt bei Miller: Rauch ohne Öl?
Zunächst wurde vermutet, dass Jack Millers Yamaha Öl auf der Strecke verteilt haben könnte, denn Momente vor den beiden Stürzen wurde er in Kurve 4 gezeigt, wie sein Motorrad ganz klar blauen Rauch hinter sich herzog.
"Ich weiß es nicht genau. Es war wohl ein Problem mit dem Motor", vermutet Miller und berichtet: "Ich bin in Kurve 1 reingefahren und es fühlte sich an wie ein Klemmer, aber dann habe ich die Kupplung gezogen und der Motor lief im Leerlauf weiter."
"Ich habe beobachtet, dass es nur beim Gaswegnehmen rauchte. Also bin ich damit zurück an die Box gefahren. Es war kein Öl da, ich war neben der Ideallinie und habe versucht, überall die Ideallinie zu meiden."
"Ich habe die ganze Zeit nach Öl geschaut, aber ich konnte nichts sehen. Ich wollte einfach nur zurück an die Box, wegen der Anzahl der Vorderreifen. Ich wollte nicht, dass der Reifen auskühlt und ich ihn dann nicht mehr verwenden kann - es waren ja noch 26 Minuten übrig."
Rennkommissare ahnden Millers Verhalten
Dass Millers Yamaha kein Öl auf der Strecke verteilt hat, bestätigt auch das Pramac-Team. "Wir haben keine Flüssigkeit gefunden", so Teammanager Gino Borsoi. "Es ist klar, dass wir ein Problem am Motorrad hatten. Wir müssen untersuchen, was genau los war."
"Aber wir haben kein Öl rund um das Motorrad gefunden, deshalb glaube ich nicht, dass die Stürze beider Fahrer mit dem Motorproblem zusammenhängen." Die Rennkommissare waren mit dieser Erklärung allerdings nicht zufrieden und ordneten eine Anhörung an.
Simon Crafar, Andres Somolinos und Tamara Matko hielten in ihrem Bericht fest, dass Miller in Kurve 1 ein technisches Problem hatte. Trotzdem ist er mit rauchendem Motorrad die komplette Runde zurück an die Box gefahren.

Jack Miller wurde für sein Verhalten nach dem Defekt bestraft
Foto: Alexander Trienitz
Damit verstieß er im Reglement gegen drei Artikel und verhielt sich verantwortungslos auf der Rennstrecke. Weiter heißt es im Bericht der Rennkommissare: "Es wird angemerkt, dass die schwarze Flagge mit orangefarbenem Kreis nicht gezeigt wurde."
"Dennoch ist das FIM-Stewards-Panel der Ansicht, dass die Verantwortung im Falle eines technischen Problems weiterhin beim Fahrer liegt." Miller erhält eine Geldstrafe von 1.000 Euro und muss im Training am Samstagvormittag die ersten fünf Minuten aussetzen.
Oliveira glaubt zu wissen, was wirklich passiert ist
Trotzdem gab es eine Verunreinigung auf dem Asphalt, die Sicherheitsberater Loris Capirossi genau aufspürte. Der Ex-Rennfahrer ließ sich auch einen Eimer mit Ölbindemittel bringen. Es wurde nur ganz wenig verteilt, aber das zeigt, dass es in dieser Kurve eine rutschige Stelle gegeben hat.
Am Abend hatte Oliveira eine Vermutung, was wirklich passiert sein könnte: "Meiner Meinung nach hatte es etwas mit Fabios Ride-Height-Device hinten zu tun, denn sein Sturz war ohnehin schon ziemlich seltsam. Ich denke, an seinem Motorrad ist irgendetwas kaputtgegangen."
"Und das hat letztlich zu den Stürzen geführt. Ich glaube nicht, dass es Jacks Motorrad war - das war in Ordnung, es hat nur geraucht, aber es ist keine Flüssigkeit ausgelaufen. Also ja, es war ganz sicher irgendetwas an Fabios Motorrad."
Yamaha hat für diese Saison das Ride-Height-System hinten überarbeitet, aber es traten schon mehrfach Defekte auf. Am bittersten war Silverstone, als Quartararo mit deutlichem Vorsprung führte und das Rennen gewinnen hätte können.
Nach dem Trainingssturz in Spielberg humpelte er, aber er fühlt sich soweit okay: "Ein bisschen schmerzhaft, aber es hätte schlimmer sein können. Ich hatte Glück, dass ich nicht so hoch abgeflogen bin. Körperlich geht es mir also in Ordnung."
Oliveira blieb bei dem Sturz unverletzt. Zunächst wurde eine Untersuchung eingeleitet, weil er bei gelber Flagge gestürzt war. Die Rennkommissare kamen aber rasch zu dem Urteil, dass es keinerlei Sanktionen gibt. Es gab keine offizielle Begründung. Aber da er so knapp nach Quartararo gestürzt ist, hatte er womöglich keine Chance, anders zu reagieren.
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