Günther Steiner ehrlich: Das hat ihn in der MotoGP am meisten überrascht
Als neuer Tech3-CEO lernt Steiner die MotoGP kennen - Er spricht offen über das, was ihn im neuen Paddock am meisten erstaunt hat
Heinz Kinigadner im Gespräch mit Günther Steiner
Foto: Gold Gold
Günther Steiner hat schon die verschiedensten Facetten des Motorsports erlebt. Seine Karriere begann er Mitte der 1980er-Jahre als Mechaniker in der Rallye-Weltmeisterschaft.
Später gewann er als Teammanager bei Prodrive die Rallye-Europameisterschaft und stieg anschließend bei M-Sport-Ford zu einer leitenden Funktion auf. 2001 holte ihn Niki Lauda zu Fords damaligem Formel-1-Projekt Jaguar.
Ein Jahr danach trennte sich Ford zunächst von Lauda und anschließend von Steiner. 2005 kehrte er zum Team zurück, das von Red Bull gekauft worden war. Als Adrian Newey engagiert werden konnte, baute Steiner für Red Bull ein NASCAR-Team auf.
Später baute der Südtiroler das Haas-Formel-1-Team auf. Sein neuestes Abenteuer ist die MotoGP. Seit 1. Januar 2026 ist Steiner offiziell CEO des Tech3-Teams, das er mit einem Investorenkonsortium gekauft hat.
Im Laufe der ersten Saisonhälfte hat Steiner das MotoGP-Paddock besser kennengelernt. Gab es im Vergleich zu den anderen Fahrerlagern Dinge, die ihn sowohl positiv als auch negativ überrascht haben?
"Wie die Fahrer hier anders sind, oder was das für ein anderer Beruf ist als ein Autorennfahrer, das hat mich überrascht", sagt der 61-Jährige im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
Ihn fasziniert, was die Fahrer abseits der Rennstrecken tun müssen, um auf so einem Niveau sein zu können: "Wie viel die Jungs eigentlich auf Maschinen trainieren und was die Jungs machen, habe ich vielleicht mit meiner Ignoranz unterschätzt."
"Wenn man aber darüber nachdenkt, ist ganz klar, der Fahrer hat hier einen viel größeren Einfluss auf das Resultat als beim Autorennen. Eine meiner dummen Fragen war, was macht ihr zwischen den Rennen, um euch vorzubereiten?"
"Dann sagt er zu mir: 'Ich fahre Motorrad.' Sag ich: 'Wie, du fährst Motorrad?' Auf der Rennstrecke, ja! Die fahren immer Motocross für die Balance und so weiter. In der Formel 1 zum Beispiel kannst du das nicht machen. Es gibt nichts, was ähnlich ist."

Nach WRC, Formel 1 und NASCAR ist Steiner nun in der MotoGP aktiv
Foto: Getty Images Europe
"Da musst du in den Simulator. Deswegen der Riesenunterschied, wie viel sich die MotoGP-Fahrer eigentlich körperlich einsetzen", vergleicht Steiner mit Blick auf die Formel 1. "Ein Simulator ist gut und recht."
"Ich meine, das ist anstrengend, aber hauptsächlich im Kopf ist das anstrengend, nicht körperlich." Dazu kommt beim Motocross oder beim Flattrack das Verletzungsrisiko.
"Genau. Wenn du im Formel-1-Simulator gegen die Wand fährst, gibt es einen Reset, und du fährst weiter. Wenn du beim Motocross runterfällst, holt dich der Krankenwagen. Das war für mich die größte Überraschung."
Wo die MotoGP für die Zukunft ansetzen muss
Andererseits hat Steiner in der MotoGP auch einen Aspekt entdeckt, den er nicht als negativ bezeichnen würde, aber bei dem man für die Zukunft ansetzen muss, vor allem im Bereich der Vermarktung des Sports.
"Die MotoGP lebt in der Welt, wir wollen Motorradrennen fahren. Die leben nicht in der Welt, wir veranstalten etwas für die Leute. Nein, wir wollen Motorradrennen fahren. Das ist ja nicht negativ."
"Für mich ist das eigentlich eine gute Sache. Weil das gibt dir Möglichkeiten. Du hast Leute da, die sehr qualifiziert sind. Die Teams sind alle in der MotoGP und auch in der Moto2 und Moto3 sehr professionell, sehr gut vorbereitet auf Motorradrennen."

Günther Steiner hat für Tech3 den Vertrag mit KTM verlängert
Foto: Getty Images Europe
"Aber den Rest vergessen sie komplett um sich. Das Kommerzielle, die Möglichkeiten, den Fans etwas zu bieten", findet Steiner. "Und das ist eben die Aufgabe, diesen Sport den Fans schmackhaft zu machen."
"Du musst ihn nicht schmackhaft machen, du musst ihn nur zeigen. Du musst nur darauf hinweisen, dass es ihn gibt. Du brauchst ihn nicht zu verkaufen, der verkauft sich von alleine. Das ist meine Einstellung dazu."
"Aber deswegen, glaube ich, ist auch das MotoGP-Produkt so gut. Weil man sich einfach auf das Produkt konzentriert hat und nicht auf die Vermarktung des Produkts."
Deshalb war es für ihn überraschend, wie wenig sich die Teams im Vergleich zur Formel 1 auf das Marketing und die Promotion des Sports konzentriert haben. Die PR-Abteilungen bei Formel-1-Teams sind vergleichsweise riesig.
Bei den MotoGP-Teams gibt es nur eine Handvoll Personal für PR- und Pressearbeit, in Satellitenteams oft nur eine Person. Aber das Problem wurde erkannt. Gemeinsam mit Liberty Media will man den Sport künftig besser promoten.
Steiner schätzt, dass er eine faire Chance in der MotoGP erhält
Und wie hat sich Steiner allgemein im MotoGP-Paddock eingelebt? "Ich würde sagen, ja, alles habe ich sicher nicht verstanden. Weil es gibt Verbindungen, die Leute über Jahrzehnte miteinander haben."
"Da kenne ich nicht die ganze Historie und muss vielleicht auch nicht die ganze Historie kennen. Manchmal ist es besser, man weiß Sachen nicht, damit man neu anfangen kann, ohne voreingenommen zu sein", so Steiner.
"Aber ich glaube, ich komme eigentlich ganz gut zurecht. Und wovon ich auch positiv überrascht war, das Willkommen, das sie mir gegeben haben, die Leute hier. Das musste ich ja auch nicht erwarten, die brauchen mich nicht."
"Aber das Beste, was ich sagen kann, niemand war negativ mir gegenüber. Ob sie jetzt positiv sind oder nicht, ist mir gleich. Solange ich eine faire Chance bekomme, bin ich okay damit. Es war keiner negativ mir gegenüber, was ich eigentlich sehr gut gefunden habe und sehr schätze und respektiere."
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