Herve Poncharal will Folger-Ersatz in der Moto2 suchen

Tech-3-Yamaha braucht nach Jonas Folgers Rücktritt dringend einen zweiten Fahrer - Teamchef Herve Poncharal hat klare Vorstellungen, was die Suche angeht

Für das Tech-3-Yamaha-Team und Herve Poncharal kam Jonas Folgers Rücktritt von seinem MotoGP-Engagement 2018 genauso überraschend wie für viele Fans und Experten. Erst am Dienstag soll Poncharal von Folgers Managers Bob Moore über die Entscheidung informiert worden sein, wie der Franzose mitteilte. "Ich konnte nicht fassen, was Bob mir das erzählte", gab der Tech3-Teammanager in einem offiziellen Statement zu.

Im Gespräch mit den italienischen Kollegen von 'GPOne.com' lässt Poncharal die Situation noch einmal Revue passieren. Dabei wird deutlich, dass er mit einer solchen Nachricht wirklich nicht gerechnet hatte. "Ich hatte erst vor zehn Tagen mit Jonas gesprochen. Er hatte mir Fotos geschickt, auf denen er Ski fuhr und mit seiner Tochter spielte", erinnert sich Poncharal. "Er fühlte sich gut und sagte mir, dass ich die Tage zählen sollte, die ihn von seiner Rückkehr nach Sepang trennen."

Dort sollte Folger erstmals wieder auf sein MotoGP-Bike steigen. Die letzten vier Rennen der Saison 2017 sowie die Tests danach musste der Deutsche gesundheitsbedingt auslassen. Doch zuletzt schien es wieder bergauf zu gehen. Poncharal räumt ein: "Ich wusste, dass ich auf die Tests warten musste, um die tatsächlichen Bedingungen zu verstehen, denn um MotoGP zu fahren, muss man sowohl geistig als auch körperlich mehr als 100 Prozent erreichen. Aber ich war gespannt, mit ihm und Zarco das neue Jahr in Malaysia zu beginnen."

Als Folgers Manager ihm jedoch mitteilte, dass sein Pilot nicht fahren könne, sei Poncharal aus allen Wolken gefallen. "Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz. Leider war es das nicht", sagt der Tech3-Chef gegenüber 'GPOne.com'. "Als ich aufgelegt habe, konnte ich es noch immer nicht glauben. Es ist schwer zu begreifen, dass ein junger und schneller Fahrer aufhören will." Auch mit Folger persönlich habe er daraufhin gesprochen.

"Natürlich war es wichtig für mich, das zu tun. Ich habe ihn angerufen und er hat bestätigt, dass er nicht fahren kann. Er hat sich bei mir entschuldigt, beim Team und Yamaha, hat mir für die Chance gedankt, in der MotoGP zu fahren", erinnert sich Poncharal. Er habe nicht versucht, Folger umzustimmen. Denn wer sich nicht hundertprozentig fit fühle, sei eine Gefahr für sich und andere. Zugleich will der Teamchef Folgers Fans aber beruhigen: "Körperlich hat er nichts Ernstes, er hat sich erholt. Wie gesagt, die MotoGP ist etwas anderes als das tägliche Leben."

Die Gründe für seine Entscheidung habe ihm der Deutsche nicht im Detail erklärt. Poncharal vermutet jedoch, dass dabei auch die Psyche eine Rolle spielt. Er selbst muss sich nun schnellstmöglich um Ersatz bemühen, zeigt sich trotz der Kürze der Zeit aber zuversichtlich: "Ich kann sagen, dass wir 2018 mit zwei Fahrern bestreiten werden, auch wenn es für das ganze Team natürlich ein schwerer Schlag war."

Auf der Suche nach einem möglichen Nachfolger schielt Poncharal vor allem auf die Moto2, wie er bei 'GPOne.com' verrät. "Einen jungen Mann aus der Moto2 mitzunehmen und aufzubauen, interessiert mich am meisten, auch weil wir Johann haben, der jetzt über ein Jahr Erfahrung verfügt. Aber es gibt noch einen anderen Grund: Ich werde nie einen Piloten unter Vertrag nehmen, der bei einem anderen Team fest verpflichtet ist. Das wäre nicht korrekt", hält Poncharal fest.

Einige Piloten hätten ihm bereits signalisiert, frei zu sein, "aber ich weiß, dass es nicht so ist", sagt der Tech3-Teammanager. "Entweder befreit das Team sie und versichert mir, dass sie bereits einen Ersatz haben, oder wir können nicht einmal anfangen zu reden." Das gelte auch für mögliche Kandidaten aus der Superbike-WM. So fielen im Zuge von Folgers Rückzug bereits Namen wie Jonathan Rea (Kawasaki), Alex Lowes und Michael van der Mark (beide Yamaha). "Da gilt dasselbe. Ich werde die Fahrer nicht zu einem anderen Team holen."

Für den anstehenden Test in Sepang, der am 28. Januar beginnt, plant Poncharal vorerst, mit einem Fahrer an den Start zu gehen. Für den MotoGP-Test in Buriram ab 16. Februar hofft er jedoch, die Nachfolge geklärt zu haben. "Wenn uns Yamaha einen seiner Testfahrer für diese Tests anvertrauen will, werden wir zur Verfügung stehen", so der Franzose. Unterstützung bei der Wahl sei ihm aus Japan bereits zugesichert worden.

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