Hintergrund: Wovon ein Verbleib von Raul Fernandez bei Trackhouse abhängt
Trotz unübersehbaren Formanstiegs hat Raul Fernandez für 2027 keine konkreten Angebote - Ob er bei Trackhouse bleiben kann, hängt vor allem von einem Faktor ab
Hat Raul Fernandez nach 2026 eine MotoGP-Zukunft bei Trackhouse?
Foto: MotoGP Sports Entertainment Group
Wenngleich Raul Fernandez mit dem gleichen Schwung in die MotoGP-Saison 2026 gestartet ist, mit dem er die vergangene beendet hat, liegt ihm noch immer kein einziges Angebot für seine Zukunft vor. Seit einigen Monaten wirkt Fernandez verändert. Der 25-jährige Spanier wirkt auf der Rennstrecke deutlich konstanter und abseits davon reifer, insbesondere im Umgang mit den Medien.
In der Saison 2025, seiner besten seit seinem Aufstieg in die Königsklasse, machte Fernandez stetige Fortschritte. Höhepunkt waren die letzten vier Saisonstationen, bei denen er einen Sieg und zwei Podestplätze errang. Dieser späte Aufschwung verhalf ihm zu einer Top-10-Platzierung in der finalen MotoGP-Gesamtwertung 2025, als zweitbester Aprilia-Fahrer.
All das gelang Fernandez trotz eines Sturzes am vorletzten Rennwochenende der Saison. In Portimao verletzte er sich an der linken Schulter und konnte daraufhin am Sonntag zum Grand Prix von Portugal nicht antreten. Die Auswirkungen dieser Verletzung zeigten sich beim Saisonauftakt 2026 in Buriram (Thailand) erneut, nämlich während des Warm-ups am Sonntagmorgen.
Die TV-Bilder zeigten, dass Fernandez nach einer ungeschickten Bewegung deutliche Schmerzen in eben dieser linken Schulter hatte. Trotzdem gelang es dem Trackhouse-Piloten drei Stunden später, wieder auf den dritten Platz zu fahren und damit jene Platzierung zu wiederholen, die er bereits tags zuvor im Sprint eingefahren hatte. Mit den gesammelten WM-Punkten liegt Fernandez aktuell auf dem dritten Rang in der MotoGP-Gesamtwertung 2026 - neun Punkte hinter Tabellenführer Pedro Acosta.

Beim Saisonauftakt 2026 fuhr Fernandez im Sprint und im Grand Prix auf P3
Foto: Getty Images AsiaPac
Sowohl Acosta als auch Marco Bezzecchi - die beiden Fahrer, die in der Gesamtwertung vor ihm liegen - haben ihre Zukunft bereits in trockenen Tüchern, nämlich bei Ducati beziehungsweise bei Aprilia. Das gilt jedoch nicht für Fernandez, der trotz seiner unübersehbaren Leistungssteigerung noch keine konkreten Angebote für 2027 vorliegen hat.
"Ich bin sehr gelassen und konzentriere mich einfach darauf, meinen Job zu machen. Ich habe meinen Manager Paco [Sanchez], der sich um alles kümmert, was meine Zukunft betrifft. In den vergangenen Monaten habe ich aufgehört, mir Gedanken über Dinge zu machen, die ich nicht kontrollieren kann", sagt Fernandez gegenüber Motorsport.com Spanien, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Sowohl Davide (Trackhouse-Teamchef Davide Brivio; Anm. d. Red.) als auch Paco haben mir sehr geholfen, in der Schlussphase des Jahres 2025 meinen Fokus zu finden. Jetzt mache ich mir keine Gedanken mehr darüber, welche Rahmenbedingungen die anderen haben und ich nicht. Ich konzentriere mich einfach darauf, das Potenzial meiner Rahmenbedingungen zu 100 Prozent auszuschöpfen", sagt Fernandez.
Trotz seiner offensichtlichen Gelassenheit sind die Aussichten für einen der neun Spanier im 22-köpfigen MotoGP-Starterfeld 2026 nicht einfach. Der Anteil an Spaniern ist in den Augen von MotoGP-Promoter Liberty Media ein ungewöhnlich hoher, denn global gesehen möchte man die Motorrad-WM durch eine größere Vielfalt an Nationalitäten noch bekannter machen.

Ob Fernandez auch 2027 für Trackhouse fahren wird, liegt nicht nur in seiner Hand
Foto: Trackhouse
"Für Raul war es seit seiner Ankunft in der MotoGP-Klasse nicht einfach. Zuerst bei Tech3 (2022), wo er eine sehr schwierige Zeit hatte und sogar eine Entschädigung an KTM zahlen musste, um seinen Vertrag zu kündigen. Dann landete er bei RNF (2023), wo unbezahlte Gehälter und schlechtes Management nur noch mehr Unsicherheit und Ungewissheit verursachten", sagt eine Quelle aus dem Umfeld des Trackhouse-Piloten gegenüber Motorsport.com Spanien.
Fernandez ist nun in seiner dritten Saison beim US-amerikanischen Team, wo er endlich die Stabilität gefunden hat, die es ihm ermöglicht, seine beste Form zu zeigen. "Diese Stabilität ermöglicht es mir, der Fahrer zu sein, der ich war, als ich in die Moto2-WM kam und dort die Aufmerksamkeit aller auf mich zog", denkt Fernandez zurück und versucht, sich von einem Fahrermarkt fernzuhalten, der in den vergangenen Tagen Fahrt aufgenommen hat - wenngleich ihm dort derzeit offenbar keine große Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Auf dem Fahrermarkt hat Fernandez derzeit keine echten Alternativen
Foto: Getty Images AsiaPac
Sollten die bereits so gut wie beschlossenen Wechsel für die MotoGP-Saison 2027 tatsächlich zustande kommen, könnten die Optionen für Fernandez begrenzt sein. Die erwartete Verpflichtung von Francesco Bagnaia würde ihm die Tür zu einem möglichen Aufstieg ins Aprilia-Werksteam verschließen. Yamaha scheint eher daran interessiert, Luca Marini als Teamkollege für Jorge Martin ins Werksteam zu holen. Auch ein Wechsel zu Pramac erscheint für Fernandez unwahrscheinlich.
Honda hat sich voll und ganz für Fabio Quartararo entschieden, und selbst Joan Mir hat seinen Platz für 2027 noch nicht sicher. VR46 und Gresini schlagen als Kundenteams von Ducati eine andere Richtung ein und konzentrieren sich mit Blick auf den Beginn der 850er-Ära vor allem auf Rookies.
Vor diesem Hintergrund wäre es für Raul Fernandez nur logisch, seinen Vertrag mit Trackhouse zu verlängern. Allerdings hat Motorsport.com Spanien erfahren, dass Teambesitzer Justin Marks ernsthaft erwägt, Anteile am Team zu verkaufen - eine Maßnahme, die die endgültige Entscheidung über das Fahreraufgebot beeinflussen könnte.
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