Historisches Podium für Japan: Aber Ai Ogura relativiert seine Aufholjagd
Ai Ogura steht als erster Japaner seit 14 Jahren auf dem MotoGP-Podium - Dass er in der zweiten Rennhälfte stärker wird, will er aber nicht als Strategie verstehen
Ein historisches Podium für den Moto2-Weltmeister von 2024
Foto: Getty Getty
Ai Ogura hat mit dem dritten Platz beim Grand Prix von Frankreich Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal in seiner MotoGP-Karriere stand der Trackhouse-Aprilia-Fahrer auf dem Podium. Erstmals seit 14 Jahren nahm wieder ein Japaner bei einer Siegerehrung teil.
Beim Saisonfinale 2012 in Valencia vertrat Katsuyuki Nakasuga den verletzten Ben Spies im Yamaha-Werksteam. In einem turbulenten Regenrennen blieb er fehlerfrei und wurde auf den zweiten Platz gespült.
Um den letzten Podestplatz eines Japaners in einem Trockenrennen zu finden, muss man in den Geschichtsbüchern noch weiter zurückblättern, nämlich bis ins Jahr 2006. Shinya Nakano wurde damals in Assen mit einer Kawasaki Zweiter.
Oguras Podestplatz mit einer Aprilia hat noch eine weitere Parallele. 1999 eroberte Tetsuya Harada mit der Aprilia RSW500 Zweitaktmaschine zwei dritte Plätze: in Le Mans wie Ogura und anschließend auch in Donington.
Außerdem ist Ogura der erste Fahrer, der es aus dem Asia-Talent-Cup auf ein MotoGP-Podium geschafft hat. Er ist das Aushängeschild einer neuen Generation. In der Moto2 sind mit Taiyo Furusato und Ayumu Sasaki zwei Japaner am Start.
Mit Ryusei Yamanaka und Zen Milan sind in der Moto3 ebenfalls zwei Japaner dabei. "Ich habe das Gefühl", sagt Ogura, "dass die japanischen Fahrer insgesamt gerade auf einem guten Weg sind."

Valencia 2012: Katsuyuki Nakasuga fuhr überraschend auf das Podium
Foto: Yamaha
"Wenn dieses Podium ihnen einen Schub gibt, ist das perfekt für mich. Es ist einfach unglaublich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Das erste MotoGP-Podium bedeutet mir sehr viel, aber auch allen Japanern."
"Besonders nach dem Rennen in Austin wollten wir wirklich ein Podium holen. Ich bin super, super glücklich, aber besonders für mein Team. Sie waren alle enttäuscht nach dem Rennen in Amerika, also freue ich mich riesig für das gesamte Team."
Denn in den USA wurde Ogura von einem technischen Problem gestoppt, ansonsten hätte er wahrscheinlich schon dort sein erstes MotoGP-Podium erobert. In Le Mans zeigte sich einmal mehr, dass Ogura im Laufe des Rennens stärker wurde.
Starke zweite Rennhälfte? Ogura verneint
Nach der ersten Runde war er als Sechster direkt vor seinem Aprilia-Kollegen Jorge Martin, der das Rennen gewann. Dann wurde Ogura von Martin überholt. Im Duell mit Fabio Quartararo (Yamaha) ging er einmal weit und fiel auf Platz acht zurück.
Es dauerte bis zur zehnten Runde, bis er einen Weg an der Yamaha vorbeigefunden hatte. Nach weiteren zehn Runden hatte Ogura die VR46-Ducati von Fabio Di Giannantonio überholt.

wie so oft wurde Ai Ogura im Laufe des Rennens immer stärker
Foto: AFP
In der 22. von 27 Runden kassierte er Pedro Acosta (KTM) und war Dritter. Zum Schluss kam er Marco Bezzecchi (Aprilia) immer näher, aber es reichte nicht, um einen Angriff zu starten.
Warum ist Ogura in der zweiten Rennhälfte oft so stark? "Unsere Schwachstelle ist das Qualifying oder die erste Rennphase", sagt er und betont: "Wir stimmen das Motorrad also sicher nicht auf die Schlussphase ab."
"Das Rennen geht über 27 Runden, und wie man diese 27 Runden nutzt, ist bei jedem anders. Es ist gut, am Ende des Rennens stark zu sein, aber ich bin Dritter. Wenn es noch drei weitere Runden gegeben hätte - vielleicht."
"Nein, sie sind wirklich, wirklich gut gefahren, und das war das Maximum, was ich diesmal erreichen konnte. Wir werden weiterarbeiten und versuchen, eine bessere Position zu erreichen."
In der Weltmeisterschaft verbesserte sich Ogura auf den fünften Platz. Teamkollege Raul Fernandez, der in Le Mans Achter wurde, ist WM-Sechster. Damit ist Trackhouse in der Teamwertung hinter dem Aprilia-Werksteam auf Platz zwei.
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