Honda-Fahrer erklären: Warum Silverstone der RC213V nicht gut liegt
Honda hielt am Großbritannien-Wochenende Yamaha in Schach, mehr aber nicht - Luca Marini und Joan Mir schildern, was auf dem schnellen Kurs das Problem war
Honda, hier Luca Marini und Diogo Moreira, hatte in Silverstone zu kämpfen
Foto: Glyn Kirk / AFP via Getty Images
Der Silverstone Circuit ist seit dem vergangenen Samstag die drittschnellste Strecke im aktuellen MotoGP-Kalender. Mit der sagenhaften Pole-Runde von Aprilia-Werkspilot Jorge Martin von 1:56.160 Minuten ist die Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem 5,9 Kilometer langen Kurs in Großbritannien auf über 182 km/h angestiegen. Damit hat Silverstone hinsichtlich der schnellsten Strecken im aktuellen MotoGP-Kalender nun Mugello überholt.
Honda war am gesamten Silverstone-Wochenende der stärkere der beiden japanischen Hersteller im Feld. An KTM, an Ducati, und geschweige denn an Aprilia, kamen aber auch die Honda-Fahrer nicht heran. Joan Mir startete von P12, nachdem er den Q2-Einzug direkt im Training am Freitag geschafft hatte. Im Sprint kam Mir auf P7 ins Ziel, wenige Tausendstelsekunden hinter Pedro Acosta auf der KTM. Im Grand Prix war Luca Marini der stärkste Honda-Pilot. Vom 15. Startplatz kommend fuhr er auf P9 nach vorn.
Was den Honda-Piloten in Silverstone am meisten zu schaffen machte, das waren die zahlreichen schnellen Kurven. Konkret war des Tempo am Kurveneingang das Problem. "Ich würde gerne schneller in die schnellen Kurven einbiegen, aber wenn ich das versuche, dann komme ich zu weit nach außen", beschrieb Marini direkt am Freitag das Problem der RC213V auf dem britischen Highspeed-Kurs.

Allen voran gegen Aprilia sah Honda in Silverstone kein Land
Foto: Glyn Kirk / AFP via Getty Images
Teamkollege Mir klang ganz ähnlich. Als der MotoGP-Weltmeister am Samstag gefragt wurde, ob er auch nur annähernd mit den Aprilias mithalten könne, erklärte er: "Im zweiten Freien Training fuhr ich hinter Ogura. Sie haben einfach so viel mehr Grip. Was uns betrifft, so verlieren wir unsere Zeit direkt am Kurveneingang. Sie sind auf der Bremse etwas stärker und können dann mehr Speed durch die Kurven mitnehmen. Und am Kurvenausgang können sie dann früher ans Gas gehen."
"Vor allem in den schnellen Kurven sind sie sehr stark. Und davon gibt es hier eine ganze Menge", so das Urteil von Mir über die Aprilia-Fahrer. Diese belegten am Silverstone-Wochenende sowohl im Q2-Segment des Qualifyings als auch im Sprint als auch im Grand Prix geschlossen die ersten drei Positionen.
Auf seine Fahrt auf den siebten Platz im Sprint ist Mir "stolz", wie er sagt. Warum? "Es war ein solides Rennen. Wir hatten zwar nicht die Pace, die ich mir gewünscht hätte, aber ich habe keine Fehler gemacht." Im Grand Prix kam der Spanier hingegen nicht ins Ziel. Direkt in der ersten Runde, als das gesamte Feld noch eng beisammen lag, stürzte er.
"Ich weiß nicht, was passiert ist", so Mirs erste Reaktion am Sonntag. "Erst habe ich hinten einen Schlag gespürt, dann einen vorne. Und dann habe ich mich quasi gedreht. Das war seltsam, sehr seltsam. Ich mache aber niemandem einen Vorwurf. Es war einfach eine chaotische Situation."

Joan Mir zeigte einen soliden Sprint, im Grand Prix aber stürzte er
Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images
Als einen Teil der Erklärung dafür, dass er im Startgetümmel "gestolpert" ist, schiebt Mir hinterher: "Ich versuchte es ruhig anzugehen. Vor allem mit der Medium-Reifenmischung [am Hinterrad] müssen wir in den ersten Runden vorsichtig sein. Es war einfach Pech. Was ich aber auch sagen muss: Bezogen auf die Performance ist das kein guter Reifen. Im Sprint war ich [mit dem weichen Hinterreifen] in der Lage, mich zu verteidigen. Im Rennen wäre das deutlich schwieriger geworden."
Immerhin: Nach P7 von Mir im Sprint am Samstag fuhr Teamkollege Marini im Grand Prix am Sonntag als Neunter ebenfalls in die Top 10. Damit schloss in beiden Rennen des Silverstone-Wochenendes der jeweils bestplatzierte Honda-Pilot vor dem jeweils bestplatzierten Yamaha-Piloten ab.
Marini berichtet: "Leider bin ich im TV-Bild nie zu sehen, aber das war wirklich ein richtig gutes Rennen meinerseits mit richtig guten Überholmanövern. Mein Start war wirklich schlecht. In den ersten zwei Kurven habe ich jede Menge Positionen verloren, aber dann ist mir eine Aufholjagd gelungen. Mit dem Management der Spritvorräte, der Reifen, und mit meinen Überholmanövern, bin ich sehr zufrieden."
Nachdem Marini vom 15. Startplatz losgefahren war und anfangs ein paar Positionen verloren hatte, kam er als 15. zurück aus der ersten Runde, die für Teamkollege Mir direkt das Aus brachte. Marini ging anschließend nacheinander an Francesco Bagnaia und Iker Lecuona vorbei, profitierte vom Sturz von Ai Ogura, und überholte anschließend noch Jack Miller, Fabio Quartararo und Franco Morbidelli.
"Das nehme ich mir so jetzt auch für den Rest der Saison vor", sagt Marini meint damit persönlich starke Rennen unter den gegebenen Voraussetzungen, die ihm die Honda RC213V bietet. "Mit dem Motorrad, das wir haben, ist mehr im Moment kaum möglich. Wir haben in der ersten Saisonhälfte alles mögliche verändert, aber das grundsätzliche Verhalten des Bikes, also die DNA, bleibt immer die gleiche."
"Deshalb", so Marini weiter, "versuche ich einfach weiter an mir selber zu arbeiten. Ich versuche, meine Basis zu halten und hier und da noch etwas mehr Performance herauszuholen. Das gilt vor allem für das Qualifying, denn das ist in diesem Jahr unser Schwachpunkt".
"An den Sonntagen bin ich oft der bestplatzierte Fahrer auf einem japanischen Motorrad. Das zeigt, dass das Potenzial an den Sonntagen vorhanden ist. Aber wenn ich jedes Mal nur von P15 oder P16 starte, dann wird es eben schwierig. Ich würde wirklich gerne mehr Rennen aus dem Bereich P8, P9 starten. Das wäre fantastisch", so Marini.
Im Honda-Satellitenteam LCR kam MotoGP-Rookie Diogo Moreira in Silverstone an beiden Renntagen auf P10 ins Ziel, nachdem er von P14 gestartet war. Teamkollege Cal Crutchlow, der noch immer als Ersatz für den verletzten Johann Zarco fungiert, verbuchte am Wochenende seines Heim-Grand-Prix zwei Ausfälle. Von P20 gestartet, hatte Crutchlow sowohl im Sprint als auch im Grand Prix einen Sturz. Im Sprint fuhr er nach dem Sturz war noch weiter, gab ein paar Runden später aber doch auf.
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