Honda kämpft weiter mit Hinterradgrip: "Das ist der Albtraum für jeden"
Honda zeigt in der MotoGP 2026 Fortschritte, doch ein zentrales Problem bleibt: Vor allem beim Hinterradgrip fehlt noch der entscheidende Schritt nach vorn
Luca Marini und seine Honda-Kollegen suchen nach mehr Hinterradgrip
Foto: Getty Getty
Honda arbeitet in der MotoGP-Saison 2026 weiter intensiv daran, den Anschluss an die Spitze zu finden. Zwar zeigen sich die Fahrer nach den jüngsten Updates optimistisch, doch ein zentrales Problem bleibt: der mangelnde Hinterradgrip.
Besonders beim ersten Saisonstopp in Buriram wurde deutlich, dass die Fortschritte zwar real sind, die entscheidenden letzten Schritte aber noch fehlen.
Honda-Pilot Luca Marini sieht durchaus positive Entwicklungen. "Das Bike ist gut, wir haben mehr Performance gefunden", erklärt der Italiener. Gleichzeitig betont er jedoch, dass der wichtigste Arbeitsbereich unverändert sei: "Wir müssen weiter an unserem Hauptziel arbeiten, und das ist der Hinterradgrip." Updates seien bereits geplant, kündigte er an, allerdings brauche das Projekt noch etwas Zeit.
Marini: Können Soft-Reifen nicht ausnutzen
Dass Honda das Problem trotz Verbesserungen in vielen anderen Bereichen bislang nicht vollständig lösen konnte, überrascht Beobachter. Marini selbst bestätigt auf Nachfrage, dass er die Gründe dafür kenne, geht jedoch nicht ins Detail.
Klar ist für ihn vor allem, wann sich die Schwäche besonders zeigt: beim Einsatz neuer weicher Hinterreifen. "Wir können das Potenzial des frischen Reifens nicht ausschöpfen", erklärt er. Mit dem Medium-Reifen sei der Abstand zur Spitze geringer.
Deshalb müsse Honda daran arbeiten, den Hinterreifen besser zum Funktionieren zu bringen, insbesondere für Qualifying-Runden und die ersten Runden im Sprintrennen, wenn normalerweise der weiche Reifen zum Einsatz kommt, mahnt Marini.
Starke Vibrationen von 2025 sind passe
Während der Grip weiterhin Sorgen bereitet, scheint ein anderes Problem aus dem Vorjahr weitgehend gelöst zu sein: die starken Vibrationen, über die Honda-Piloten in der Saison 2025 häufig geklagt hatten. Marini bezeichnet das Thema als "komplett gelöst". Ganz absolut wollte er das zwar nicht stehen lassen - es hänge noch etwas von Strecke und Reifen ab -, doch der Fortschritt sei klar erkennbar.
Der Weg dorthin war laut Marini vielschichtig. Ein entscheidender Faktor war die Arbeit am Set-up. Zu Beginn der vergangenen Saison sei die Abstimmung noch stark vom Motorrad des Jahrgangs 2024 geprägt gewesen. "Also mussten wir daran arbeiten, und in der letzten Saisonhälfte war es besser", so der Italiener.
Hinzu kam eine Anpassung des Fahrstils, um beim Einlenken weniger aggressiv vorzugehen und so die Vibrationen zu vermeiden. "Denn wenn wir viel aggressiver fahren, also beispielsweise mit viel Hinterradbremse, dann treten die Vibrationen auf."
"Wenn wir sanfter fahren, sind die Vibrationen geringer. Deshalb war ich während der gesamten letzten Saison der Fahrer mit den geringsten Vibrationen, weil ich sanfter gefahren bin", erklärt Marini. Inzwischen hätten auch die anderen Honda-Piloten diesen Ansatz stärker übernommen, und zusammen mit den Set-up-Verbesserungen funktioniere das Motorrad für den kompletten Kader nun besser.
Mir: Noch nicht überall konkurrenzfähig
Teamkollege Joan Mir sieht die Situation ähnlich, wenn auch mit einem etwas nüchterneren Blick. Set-up-Arbeit könne Probleme manchmal kaschieren, sagt der Weltmeister von 2020. Doch wenn mechanischer Grip fehle, sei das kaum zu kompensieren.
"Wenn du zu viel Grip hast, kannst du das mit dem Set-up sehr gut ausgleichen. Aber wenn du keinen hast, ist es schwierig, ihn zu bekommen", weiß der Honda-Pilot. Und fehlender mechanischer Grip sei "der Albtraum für jeden". Trotzdem fühle sich der Spanier derzeit wohl und stark auf dem Motorrad.
Allerdings müsse Honda noch einige Schwachstellen beseitigen, um konstant auf allen Strecken konkurrenzfähig zu sein. Der Vergleich zwischen den beiden Teststrecken der Vorsaison zeige das Problem deutlich: In Sepang war Honda schnell, in Buriram deutlich weniger. "Das ist im Moment unsere Realität", so Mir.
Schafft Honda 2026 noch den Durchbruch?
Doch der aktuelle Rückstand lässt ihn auch hoffen. Denn der Abstand zur Spitze sei noch relativ groß und damit auch der mögliche Fortschritt: "Ich hoffe, wir verbessern uns. Wir sind ziemlich weit weg, was bedeutet, dass die Marge groß ist."
Auch LCR-Pilot Johann Zarco bestätigt den Eindruck, dass Honda einen Schritt nach vorne gemacht hat, aber noch nicht am Ziel ist. Die Frage nach den Hinterradgrip-Problemen beantwortet der Franzose mit einem gewissen Pragmatismus.
"Probleme mit dem Hinterradgrip sind ein Lebensproblem für Fahrer", meint er scherzhaft. Die Situation bei Honda sei gewissermaßen ein "Ja und Nein": Das Motorrad sei besser als im Vorjahr, gleichzeitig scheine aber noch etwas zu fehlen.
Damit zeichnet sich bei Honda ein gemischtes Bild ab. Die Fortschritte sind sichtbar: mehr Performance, weniger Vibrationen, ein besseres Gesamtgefühl auf dem Bike. Doch solange es an Hinterradgrip fehlt, insbesondere mit dem weichen Reifen, bleibt der Schritt in Richtung Spitzengruppe weiter schwierig.
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