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MotoGP Misano

"In Aragon drauf gekommen" Pol Espargaro erklärt Q2-Einzug in Misano

Tech3-KTM-Ersatzfahrer Pol Espargaro beschreibt, was er in Aragon über die moderne MotoGP-Welt gelernt und nun am Misano-Freitag mit Erfolg umgesetzt hat

Mario Fritzsche Gerald Dirnbeck

Veröffentlicht: 11.09.2026, 17:39

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"In Aragon drauf gekommen" Pol Espargaro erklärt Q2-Einzug in Misano

Pol Espargaro überraschte in Misano mit Q2-Direkteinzug am Freitag

Foto: Gold Gold

Pol Espargaro hat sich am Freitag in Misano eindrucksvoll im vorderen Feld der MotoGP-Piloten zurückgemeldet. Das Misano-Wochenende ist nach Silverstone und Aragon das dritte, an dem der jüngere Espargaro-Bruder bei Tech3-KTM als Ersatz für den verletzten Maverick Vinales einspringt. Im wichtigen Training am Nachmittag fuhr Espargaro auf P9 und hat damit für Samstag den Direkteinzug ins Q2-Segment des Qualifyings geschafft.

Die Art und Weise, wie Espargaro genau das geschafft hat, ist ebenso überraschend wie die Tatsache, dass er es überhaupt geschafft hat. Schließlich war er in den vergangenen zwei Jahren nur an ausgewählten Rennwochenenden im Einsatz, entweder mit einer Wildcard oder als Ersatz für einen verletzten Stammfahrer im KTM-Lager.

Fahrpraxis hat Espargaro seit seinem Rücktritt als Vollzeit-MotoGP-Pilot (Ende 2023) nicht viel gesammelt, von Fahrpraxis in Rennen ganz zu schweigen. Und so sagt er nach P9 am Misano-Freitag: "Ich kann gar nicht erklären, warum und wie ich das geschafft habe. Um ehrlich zu sein, das zu erklären ist schwieriger als in Misano eine 30.6 zu fahren."

Damit spricht Espargaro auf seine Rundenzeit von 1:30.674 Minuten an. Die war nur gut eine halbe Sekunde langsamer als die Bestzeit von Aprilia-Werkspilot Marco Bezzecchi. Und sie war weniger als 0,2 Sekunden langsamer als die Zeit von KTM-Speerspitze Pedro Acosta, der das Training auf P6 abgeschlossen hat. Acosta war es, der für Espargaro eine große Hilfe war.

Pol Espargaro war schon "über dem Limit", aber dann ...

"Es war verrückt", schüttelt Espargaro den Kopf und beginnt zu erklären: "Mein erster Versuch war eine 30.8. Ich kam an die Box und war überzeugt, dass eine Verbesserung unmöglich sein würde. Ich habe zu 'Manu', meinem Techniker, gesagt, wie verrückt die Runde war und dass ich nicht glaube, eine noch bessere Zeit fahren zu können. Es ist so schnell und so gefährlich. Ich hatte das Gefühl, die ganze Zeit über dem Limit gewesen zu sein."

Mit "Manu" meint er Jose Manuel Cazeaux, den Crewchief von Maverick Vinales, der nun auf unbestimmte Zeit mit Espargaro zusammenarbeitet. Wann, und ob überhaupt, Vinales noch einmal auf die Tech3-KTM zurückkehren wird, bleibt abzuwarten.

"Dann aber", setzt Espargaro die Erklärung seines Freitagnachmittags fort, "bin ich doch noch einmal auf die Strecke gegangen. Ich hatte Pedro [Acosta] direkt vor mir. Und dank ihm habe ich das geschafft, was ich geschafft habe. Direkt vor Pedro fuhr Marc [Marquez]. Somit fuhr ich meine Zeitattacke hinter Marc und Pedro und dachte mir nur so, oh Gott, kneift mich!"

Pedro Acosta, Pol Espargaro

Pedro Acosta (#37) war für Pol Espargaro (#44) die entscheidende Orientierung

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

Schwierigkeiten mit Turbulenzen beim Hinterherfahren, über die beispielsweise KTM-Werkspilot Brad Binder nach P15 in eben dieser Session klagte, hatte Espargaro nicht. Ganz im Gegenteil: "Tatsächlich war es eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe viele Jahre Rennsport auf dem Buckel. Wenn dann so etwas passiert, dass du hinter Marc und Pedro fährst, dann hast du die MotoGP-Gegenwart und die MotoGP-Zukunft direkt vor dir. Ich muss sagen, rein als MotoGP-Fan war das ein unglaubliches Gefühl. Es war großartig."

Zeitattacke direkt hinter Marc Marquez und Pedro Acosta

Nachgefragt, warum er im Gegensatz zu Binder keine Probleme mit verwirbelter Luft hatte, antwortet Espargaro: "Es hängt davon ab, welchem Fahrer du folgst. Pedro ist jemand, der extrem spät bremst. Seine Linien sind aber sehr sauber. Beim Bremsen ist er jedes Mal derart am Limit, dass du ihn einfach kopieren musst."

Pol Espargaro

Pol Espargaro hat erkannt, dass er seinen Fahrstil umstellen muss - mehr noch ...

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

"Etwas anderes ist es, wenn du jemanden vor dir hast, der dann einen Fehler macht", sagt Espargaro und denkt zwei Wochen zurück: "Das ist mir in Aragon passiert. Dort fuhr ich hinter mehreren Fahrern und mir ist keine gute Runde gelungen. Eine gute Runde ist mir erst dann gelungen, als ich hinter Fabio Quartararo fuhr. Versteht ihr?"

"Ich wusste einfach, dass [Quartararo] sehr sauber fährt, aber am Limit bremst. So konnte ich dort während der gesamten Runde hinter ihm den Fokus behalten. Es war mir klar, dass das hinter Pedro hier auch so sein würde. Und genau so war es", erklärt der Ersatzfahrer bei Tech3-KTM voller Begeisterung.

Hatte Espargaro auf seiner 1:30.6er-Runde in Misano das Gefühl, mehr kopiert zu haben als selber gefahren zu sein? "Nun, die [MotoGP-]Kategorie verändert sich von Jahr zu Jahr. In Aragon bin drauf gekommen, dass es nicht mehr sinnvoll ist, das Motorrad so zu fahren wie ich es gewohnt war. Deshalb habe ich in der Zeit zwischen Aragon und hier meine Polster am Tank verändern lassen, sodass ich auf dem Motorrad jetzt ein bisschen weiter hinten sitze."

Pol Espargaro

... auch seine Sitzposition auf der KTM RC16 ist jetzt eine andere

Foto: Gold and Goose Photography / Getty Images

"Es ist das erste Mal überhaupt in meiner Karriere, dass ich am Tank etwas habe machen lassen, um meine Sitzposition zu verändern", verrät Espargaro und erklärt: "Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, weil wir drauf gekommen sind, dass eine Position etwas hinter hinten dem Bremsen und der Traktion zuträglich ist."

"Das zeigt, dass die Art und Weise, wie ich es jahrelang gewohnt war zu fahren, nämlich mit viel Druck auf das Vorderrad, nicht mehr sinnvoll ist. Heutzutage musst du anders bremsen und die Kurven anders fahren. Und die beste Möglichkeit schnell zu sein ist es, die Schnellsten zu kopieren."

Wie Pol Espargaro die "Abrüstung" bei KTM entgegen kommt

Was laut Espargaro in diesem Zusammenhang ebenfalls geholfen hat, das ist "die Tatsache, dass wir [bei KTM] im Vergleich zum vergangenen Jahr jede Menge Abtrieb weggenommen haben vom Motorrad. Die Front- und Heckflügel sind jetzt kleiner. Und diese Dumbo-Ohren an der Schwinge haben wir gar nicht mehr".

"Auf diese Weise haben wir sowohl das Gewicht reduziert als auch viel Abtrieb weggenommen. Und wenn du plötzlich so viel weniger Abtrieb hast, dann musst du auch deinen Fahrstil entsprechend anpassen."

"Das aber ist etwas, was dir nur beim Fahren auffällt. Ich bin lange nicht gefahren und muss deshalb jemanden kopieren, der schnell ist. Ich habe mich für Pedro entschieden und das hat funktioniert. Schauen wir mal, wie es morgen läuft", so Espargaro, der am Freitag in Misano die große Überraschung des Tages war.

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