Nicky Haydens 69 zurückgezogen: "Für immer in unseren Herzen"

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Nicky Haydens 69 zurückgezogen: "Für immer in unseren Herzen"
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12.04.2019, 17:24

Zu Ehren von Nicky Hayden haben FIM und Dorna die Startnummer 69 offiziell aus der Königsklasse zurückgezogen - MotoGP-Kollegen erinnern sich an "Kentucky Kid"

Die 69 war für Nicky Hayden über nahezu seine gesamte Rennfahrerkarriere die Nummer, die er als Startnummer verwendete. Aus einer simplen Startnummer wurde dank der Erfolge, vor allem aber dank der Persönlichkeit von "Kentucky Kid", mehr: Die 69 wurde zu einem Markenzeichen, das weltweite Berühmtheit erlangt hat.

In seiner von 2003 bis 2015 dauernden MotoGP-Karriere war Nicky Hayden lediglich in der Saison 2007 nicht mit der 69 unterwegs. Als damals amtierender Weltmeister fuhr er im Honda-Werksteam ausnahmsweise eine Saison lang mit der Startnummer 1.

Abgesehen davon aber war Hayden schon in der Saison 1998 in der Supersport-Klasse der AMA (American Motorcycle Association) sowie anschließend vier Jahre lang in der AMA Superbike-Meisterschaft und schließlich im Anschluss an seine MotoGP-Karriere in der Superbike-Weltmeisterschaft (WSBK) bis zu seinem tragischen Verkehrsunfall im Mai 2017 mit der 69 unterwegs.

 

Am Rande des Grand Prix von Amerika 2019 auf dem Circuit of The Americas in Austin wurde die Startnummer 69 nun offiziell aus der Königsklasse der Motorrad-WM zurückgezogen. Aus diesem Anlass fand am Freitag eine Pressekonferenz statt, bei der Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta und FIM-Präsident Jorge Viegas im Beisein der gesamten Hayden-Familie sowie zahlreicher MotoGP-Piloten die Verdienste Nicky Haydens würdigten.

"Große Ehre für die gesamte Weltmeisterschaft"

"Es ist uns eine große Freude, Nickys Familie heute hier zu haben", so Dorna-Chef Ezpeleta. "Seit wir Nicky in Italien verloren haben, dachten wir darüber nach, denn er war jemand ganz Besonderes. Wir haben daher mit der FIM über diese sehr wichtige Sache gesprochen und gemeinsam entschieden, die Startnummer 69 zurückzuziehen. Für die gesamte Weltmeisterschaft ist es eine große Ehre, jemanden wie Nicky als Teil unserer Geschichte zu haben."

Fotos: Rückzug der Startnummer 69 von Nicky Hayden

Im Namen der Familie sagte Nicky Haydens älterer Bruder Tommy Hayden: "Vielen Dank an Carmelo und alle bei der Dorna für dieses Event. Es gab einen Grund, weshalb Nicky die MotoGP-Szene so sehr liebte. Es gibt hier viele klasse Leute, angefangen ganz oben. Wir als Familie sind sehr stolz darauf, dass Nicky sowohl auf als auch neben der Strecke derartigen Eindruck hinterlassen hat."

Die Hayden-Familie mit Jorge Viegas und Carmelo Ezpeleta

Die Hayden-Familie mit Jorge Viegas und Carmelo Ezpeleta

Foto: MotoGP

"Die Startnummer 69 ist für unsere Familie eine ganz besondere", so Tommy Hayden weiter. "Jeder von uns war irgendwann mal mit dieser Nummer unterwegs, aber Nicky trug sie während seiner gesamten Karriere. Dass diese Nummer jetzt aus der Königsklasse MotoGP zurückgezogen wird, bedeutet uns sehr viel und trägt dazu bei, sein Vermächtnis am Leben zu halten."

Bevor Vater Earl Hayden die symbolische Startnummer 69 in Empfang nahm, beschloss FIM-Präsident Viegas den Redeteil der emotionalen Pressekonferenz mit den Worten: "Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich es lieber nicht gewollt hätte, heute hier zu setzen und darüber zu sprechen. Doch es ist wie es ist. Nicky wird für immer in unseren Herzen bleiben."

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MotoGP-Kollegen erinnern sich an "Kentucky Kid"

Schon am Donnerstag wurden die MotoGP-Piloten in der obligatorischen Pressekonferenz zum Auftakt des Rennwochenendes nach ihren jeweils besten Erinnerungen an Nicky Hayden befragt. Wir haben die Antworten von Marc Marquez, Andrea Dovizioso, Valentino Rossi und Co. in der folgenden Fotostrecke zusammengetragen.

Fotostrecke: MotoGP-Kollegen erinnern sich an Nicky Hayden:

Fotostrecke
Liste

Marc Marquez

Marc Marquez
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Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Ich habe zwei besondere Momente. Der eine war 2008 bei der Präsentation des gesamten Repsol-Teams. Es war mein 15. Geburtstag und Nicky brachte den Kuchen. Das war wirklich klasse. Der andere Moment ist der letzte, den wir gemeinsam verbracht haben. Es war Australien 2016, als wir die Box teilten, weil Dani [Pedrosa] verletzt war. Nach dem Rennen schmissen wir eine Party und die war richtig klasse. Nicky hat mit seiner Freundin auf der Bühne gesungen und wir beide haben auch zusammen gesungen. Das ist die schönste Erinnerung."

Andrea Dovizioso

Andrea Dovizioso
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Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Ich traf Nicky zu Beginn meiner WM-Karriere, als ich für Honda fuhr. Somit hatte ich schon in jungen Jahren während meiner Zeit in der 125er- und 250er-Klasse viele gemeinsame Momente mit Nicky. Manchmal mussten wir als HRC-Piloten im Winter in Motegi sein. Später fuhren wir dann jahrelang gemeinsam für Ducati. Ich habe also einiges an Zeit mit ihm verbracht und es war immer schön. Einer der besten Momente war eine Taxifahrt in Japan mit ihm, meinem Manager und mir. Er saß vorne und drängte den Taxifahrer die ganze Zeit, schneller zu fahren. Der Fahrer mit seinen weißen Handschuhen fuhr so langsam und Nicky wollte einfach, dass er ein bisschen schneller fährt. Es war so lustig, wie überhaupt seine ganze Art. Er hatte den 'American Style', aber immer sehr entspannt. Es war einfach toll, Zeit mit ihm zu verbringen."

Valentino Rossi

Valentino Rossi
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Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Ich habe viele Erinnerungen an Nicky. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich ihn zum ersten Mal sah. Es war 2003. Ich fuhr für das Repsol-Honda-Team. Er kam aus Amerika und war mein Teamkollege. Ich erinnere mich, wie ich mit 'Uccio' und ein paar Japanern von Honda am Bahnhof in Tokio auf ihn wartete. Er kam im 'American Style' daher und sah aus, als käme er von einem anderen Planeten. Wir fuhren dann eine Weile mit dem Zug, wie wir das in Japan immer taten. Nicky stellte viele Fragen, wobei sein Amerikanisch für mich sehr schwer zu verstehen war. Er wollte wissen, warum wir mit dem Zug fahren, warum die Zugfahrt so lange dauert und so weiter. Ich gab ihm einen Rat: 'Stell' nicht so viele Fragen. Hoff' einfach, dass es nicht mehr lange dauert.' Da stimmte er mir zu. Das ist meine erste Erinnerung an ihn."

Alex Rins

Alex Rins
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Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Ich habe eine sehr schöne Erinnerung an ihn. Es war 2012 in Jerez, als ich in meinem ersten Jahr in der Moto3-WM zum ersten Mal auf die Pole-Position fuhr. Nicky saß in der Pressekonferenz hinter mir und machte sich über mein Englisch lustig. Mein Englisch war damals wirklich sehr schlecht. Ich glaube, es ist inzwischen besser geworden. Jedenfalls war das damals ein sehr lustiger Moment."

Jack Miller

Jack Miller
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Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Ich habe ein paar Erinnerungen an Nicky, vor allem aus der Zeit, als ich in der WM anfing. Ich glaube, die schönste stammt aus dem Jahr 2014. Im Moto3-Fahrerlager hatte ich nicht viele Möglichkeiten, wo ich mich mal hätte dazusetzen können. Aber Nicky und Colin [Edwards] hatten als Amerikaner immer ihre Tür für mich offen. Sie ließen mich zu ihnen rein [ins Motorhome] und ließen mich mit ihnen abhängen. Das war ziemlich cool. Nicky war einfach ein offener, freundlicher Kerl, mit dem man immer gerne Zeit verbracht hat."

Joe Roberts (Moto2)

Joe Roberts (Moto2)
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Foto: Gold and Goose / LAT Images

"Meine schönste Erinnerung an Nicky ist der Tag, an dem ich mit ihm gemeinsam Flat-Track fuhr. Es war gewissermaßen ein privater Testtag für ein paar Flat-Track-Profis. Ich dachte mir schon, dass er auch dabei sein würde und ich war ganz aufgeregt, weil ich immer schon mal Flat-Track mit ihm fahren wollte, seit ich sie [die Hayden-Brüder] vor ihrem Haus in Kentucky habe fahren sehen. Es war eine unglaubliche Erfahrung, an die ich mich immer gerne erinnern werde. Ich weiß noch, wie ich beim Fahren mit ihm nach kurzer Zeit fürchterliche Probleme mit Arm-Pump bekam. Als ich einfach anhielt, blieb auch er kurz stehen, fragte: 'Was ist los? Hast du keine Kraft mehr in den Armen?', und drehte weiter seine Runden. Das ist eine schöne Erinnerung."


Nachdem am Freitag die Aktivitäten des ersten Trainingstages auf dem Circuit of The Americas abgeschlossen sind, findet am Abend noch eine besondere Zeremonie statt. Am "Hayden Hill", der wie schon im Vorjahr in Kurve 18 mit einer auf den Rasen gesprühten überdimensionalen Startnummer 69 aufwartet, gibt es anlässlich des Rückzugs dieser Nummer ein Gruppenfoto mit allen Piloten. Auch die Hayden-Familie wird dabei sein. Zudem ist Nicky Haydens Weltmeister-Motorrad von 2006 vor Ort.

Am Sonntag dann hat die RC211V mit der Startnummer 69 einen weiteren Auftritt. Bei der Nationalhymne vor dem Rennstart wird sie in der Startaufstellung zu sehen sein. Und auch bei dieser Gelegenheit werden Nicky Haydens Eltern Rose und Earl, seine Verlobte Jackie sowie seine Geschwister Jenny, Kathleen, Roger und Tommy dabei sein.

Fotostrecke:

Mit Bildmaterial von Gold and Goose / LAT Images.

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Urheber Mario Fritzsche
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