In Le Mans steht Regen bevor: Was die MotoGP-Stars davon halten

Düstere Wettervorhersage für alle drei Tage des Frankreich-Wochenendes der MotoGP-Saison 2021: Die Stimmen der Protagonisten

In Le Mans steht Regen bevor: Was die MotoGP-Stars davon halten

Zu Beginn der Woche sah die Wettervorhersage für den Grand Prix von Frankreich in Le Mans, fünftes Rennen der MotoGP-Saison 2021, noch gut aus. Inzwischen aber ist davon auszugehen, dass es am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils mindestens zeitweise regnen wird, unter Umständen sogar durchgehend. Stand Donnerstag liegt das Regenrisiko für alle drei Tage im Bereich von 70 bis 80 Prozent.

Immerhin: An der Strecke werden die Fans nicht nass, denn aufgrund der Coronamaßnahmen in Frankreich sind am gesamten Le-Mans-Wochenende keine Vor-Ort-Zuschauer zugelassen. Shark als Titelsponsor des Rennens erscheint angesichts der Wettervorhersage absolut passend. Was aber halten die MotoGP-Stars von der Aussicht auf ein nasses Wochenende?

Francesco Bagnaia

Tabellenführer Francesco Bagnaia verfügt über sehr wenig Erfahrung im Regen

Foto: Motorsport Images

"Ich glaube, ich habe in meiner gesamten Karriere in der Motorrad-WM bis jetzt gerade mal sechs Regenrennen bestritten", bemerkt WM-Spitzenreiter Francesco Bagnaia. Eines davon war der Grand Prix von Frankreich 2020, der coronabedingt erst im Oktober stattfand. "Ich weiß noch, wie ich zweiten Teil des Rennens zu rudern hatte", erinnert sich der Ducati-Pilot und merkt an: "Unser Bike ist zwar eigentlich im Regen nicht schlecht, aber bei solchen Verhältnissen ist das Fahren nie einfach."

Mit zwei Punkten Rückstand auf Bagnaia geht der zweimalige Saisonsieger, Yamaha-Pilot Fabio Quartararo, in sein Heimrennen am Sonntag. Auch er erinnert sich an das Le-Mans-Wochenende 2020: "Das war ziemlich seltsam, weil es nur am Sonntag richtig nass war. Ich freue mich darauf, das Bike auf nasser Strecke zu testen, habe aber vor allem auf trockener Strecke ein richtig gutes Gefühl dafür."

Fabio Quartararo geht frisch operiert in sein Heimrennen

Fabio Quartararo geht frisch operiert in sein Heimrennen

Foto: Motorsport Images

Denkbar ist für Sonntag auch ein Flag-To-Flag-Szenario, bei dem die Bedingungen einen Wechsel des Motorrads während des Rennes erforderlich machen. Quartararo merkt an, dass er in seiner Karriere in der Königsklasse noch nie ein Flag-To-Flag-Rennen bestritten hat: "Ich trainiere jetzt zwar schon seit drei Jahren den Motorradwechsel, habe ihn aber noch nie in einem Rennen machen müssen." Abgesehen vom Wetter beschäftigt Quartararo an diesem Wochenende sein frisch operierter rechter Arm.

Suzuki-Pilot Joan Mir sieht die Wetterprognose gelassen. "Wenn es nass ist, ist es für alle nass. Ich persönlich habe kein großes Problem damit, im Regen zu fahren. Ich besitze zwar nicht viel Erfahrung im Nassen, kam hier im vergangenen Jahr aber ganz gut zurecht und habe jede Menge Positionen aufgeholt. Daher freue ich mich drauf. Dass wir bei solchen Bedingungen einen Nachteil hätten, glaube ich jedenfalls nicht", so der Titelverteidiger.

Chaos beim Start zum GP Frankreich 2020 in Le Mans

Chaos nach dem Start in Le Mans 2020: In der Bildmitte ist Valentino Rossi gestürzt

Foto: Motorsport Images

Aprilia-Pilot Aleix Espargaro bekennt, dass er mit der 2020er-Version der RS-GP "im Regen sehr stark zu kämpfen hatte". Zwar hat Andrea Dovizioso die 2021er-Aprilia im Regen von Mugello getestet. Espargaro aber kann daraus zumindest für Freitag keinen Nutzen ziehen. "Ich muss mit Romano erst noch über den Test von 'Dovi' sprechen", verweist der Stammfahrer auf eine noch nicht stattgefundene Besprechung mit Aprilia-Technikchef Romano Albesiano zu diesem Thema. Auch mit Dovizioso selbst hat Espargaro seit dem Test "noch nicht gesprochen".

Wie für Quartararo, so ist auch für Espargaro abgesehen vom Wetter das Thema Armpump eines, das ihn derzeit beschäftigt. Im Falle des Spaniers aber steht die Operation noch bevor. Und zu allem Überfluss muss er an diesem Wochenende auch auf einen Teil seiner Crew verzichten: "Es gab ein paar COVID-Schwierigkeiten, weshalb einige Ingenieure schon den Test [in Mugello] auslassen mussten. Und auch hier werden wir einige der für die Elektronik zuständigen Ingenieure nicht dabei haben."

Franco Morbidelli

Shark ist der Titelsponsor in Le Mans, aber Franco Morbidelli ist nicht gierig auf Nässe

Foto: Motorsport Images

Franco Morbidelli, der im Petronas-Team eine zwei Jahre alte Yamaha pilotiert, hat andere Sorgen: "Aus irgendeinem Grund war ich im Nassen noch nie sonderlich schnell. In meiner ganzen Karriere bin ich bis jetzt nur einmal im Regen auf das Podium gefahren. So gesehen wäre Regen für mich eine Gelegenheit, mich zu verbessern. Es ist aber nicht so, dass ich mir bessere Chancen ausrechnen würde, wenn es nass ist."

Brad Binder sieht die Sache gelassener. "Wir werden wohl unsere Regenjacken anziehen müssen und den Regen einfach genießen. Als es hier im vergangenen Jahr geregnet hat, war das für mich die erste komplett nasse Session auf einem MotoGP-Bike. Ich weiß noch, wie ich anfangs drei oder mehr Sekunden langsamer war als die Gruppe vor mir, dann aber doch einen ganz guten Rhythmus fand", so der KTM-Pilot.

Heute meint Binder: "Wenn es nass ist, muss man einfach vergessen, dass es nass ist. Denn die Schräglagen, die mit diesen Bikes im Regen möglich sind, sind dank des hohen Grips enorm." In der MotoGP-Klasse hat Binder bislang ein einziges Regenrennen bestritten. In Erinnerung an die Regenrennen in den Klassen Moto2 und Moto3 muss er aber zugeben: "Häufig war ich im Nassen schnell, bin aber nicht ins Ziel gekommen."

Dunkle Wolken über dem Bugatti-Circuit in Le Mans

Am Bugatti-Circuit in Le Mans sind Regenrennen keine Seltenheit

Foto: Motorsport Images

Im Gegensatz dazu verfügt Pol Espargaro zwar über einiges an MotoGP-Erfahrung im Regen, nicht aber auf seinem aktuellen Bike, der Honda: "Wenn es regnet, dann wäre das für mich zwar nicht so, dass ich wieder bei Null beginnen würde. Es wäre aber durchaus ein neues Kapitel. Deshalb wären mir trockene Bedingungen sicherlich lieber."

Und der Honda-Neuzugang geht sogar noch einen Schritt weiter: "Selbst wenn man mir heute versprechen würde, dass ich im Regen ein gutes Ergebnis einfahre, würde ich das nur ungern annehmen. Ich will nämlich dieses Bike erst einmal im Trockenen für meinen Fahrstil abstimmen."

Espargaros Honda-Teamkollege Marc Marquez ist angesichts der Wettervorhersage hin- und hergerissen: "Einerseits würde ich natürlich gerne im Trockenen fahren, um meine persönliche Regeneration weiter einschätzen und fortsetzen zu können. Andererseits ist es natürlich so, dass das Fahren im Nassen weniger anstrengend ist. Das könnte mir also entgegen kommen."

Und dann wäre da noch Alex Marquez, der in der laufenden Saison schon bei Trockenrennen dreimal mit Sturz ausgeschieden ist, beim verregneten Grand Prix von Frankreich 2020 aber als Zweiter auf das Podest gefahren ist. "Klar, die Anhaltspunkte aus dem vergangenen Jahr sind gut. Aber hoffentlich können wir diesmal zumindest auch im Regen trainieren, wenn es im Rennen regnet", sagt der junge Marquez, der im Winter vom Honda-Werksteam ins LCR-Honda-Team gewechselt hat.

Fans im Regen

Solche Szenen bleiben den Fans erspart, denn die Tribünen in Le Mans sind gesperrt

Foto: Motorsport Images

Weiterer Co-Autor: Germán Garcia Casanova, Lewis Duncan. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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