Ist Diogo Moreira auf dem Sprung ins Honda-Werksteam?
Diogo Moreira liefert konstant starke Ergebnisse und überzeugt nicht nur auf der Strecke - Damit bringt sich der Rookie in Stellung für das Honda-Werksteam
Diogo Moreira konnte zuletzt mit einem deutlichen Aufwärtstrend punkten
Foto: Getty Getty
Diogo Moreiras Fortschritte in seiner Rookie-Saison in der MotoGP haben nicht nur Hondas Investition in ihn gerechtfertigt, sondern ihn auch in eine hervorragende Position gebracht, um sich eine Beförderung ins Werksteam zu verdienen.
Moreiras unbestreitbare Qualität beruht auf einer seltenen Mischung aus Natürlichkeit, Frische, Selbstvertrauen und Respekt, und zwar genau im richtigen Verhältnis. Hinzu kommt ein bemerkenswertes Talent: Niemand wird in der konkurrenzstarken Moto2-Klasse allein durch das Motorrad oder durch Glück Weltmeister.
Schon bevor er sich den Titel in der mittleren Klasse sicherte, betrachteten ihn viele im Paddock als das "Gesamtpaket", einen Fahrer, der alles mitbringt, wonach Teams suchen.
Unter allen Herstellern mit freien Plätzen für 2026 präsentierte Honda ihm das umfassendste Projekt und bot ihm einen Dreijahresvertrag in Form eines 2+1-Modells an. Das letzte Vertragsjahr, 2028, hängt von den Ergebnissen ab, die er bis zu einem festgelegten Zeitpunkt während der MotoGP-Saison 2027 erzielt.
Angesichts des Leistungsniveaus, das der LCR-Fahrer bislang gezeigt hat, erscheint die von Honda für den Fall eines Misserfolgs eingeplante Ausstiegsmöglichkeit zunehmend bedeutungslos. Tatsächlich deutet die aktuelle Situation darauf hin, dass der gebürtige Brasilianer bereits alle Argumente geliefert hat, um Honda davon zu überzeugen, ihn 2027 in die Garage des Werksteams zu befördern.
Er würde dann Teamkollege von Fabio Quartararo, der von Yamaha zu Honda wechselt, während weder Joan Mir noch Luca Marini voraussichtlich bleiben werden.
Steile Entwicklungskurve von Moreira
Seit seinem ersten Einsatz auf der RC213V beim Valencia-Test zeigt Moreira eine klare Aufwärtstendenz. Obwohl er auf einem notorisch anspruchsvollen Motorrad mit begrenztem Hinterradgrip fährt, hat er sich beeindruckend gut angepasst. Mittlerweile gibt er sogar zu, dass er sich auf dem Motorrad wirklich wohlfühlt.
Mit gerade einmal 22 Jahren lernt er schnell. Die Statistiken der ersten acht Rennwochenenden der Saison untermauern diesen Eindruck, insbesondere die der letzten beiden Events. Sowohl in Italien als auch in Ungarn schaffte er den direkten Q2-Einzug. Auf Platz zehn in Mugello folgte Rang sechs im Balaton Park.
Damit liegt er auf Platz 16 der Gesamtwertung, nur einen Punkt hinter Quartararo auf Rang 15, und ist Hondas zweitbestplatzierter Fahrer. Lediglich Marini liegt unter den Honda-Piloten vor ihm - mit einem Vorsprung von 21 Punkten auf Moreira.
"Schritt für Schritt machen wir Fortschritte, und die Dinge laufen ziemlich gut", hält der Rookie selbst fest. "Wir haben etwas gefunden, nicht so sehr am Motorrad, sondern in meinem Fahrstil. Es geht vor allem darum, ruhiger zu sein und flüssiger zu fahren. Der Test in Barcelona nach dem Rennen hat mir sehr geholfen."
Ebenso bemerkenswert wie seine Konstanz ist seine Fehlerfreiheit. In dieser Saison ist er erst dreimal gestürzt. Nur Quartararo und Raul Fernandez hatten noch weniger Crashes.
Wenig überraschend ist diese Sammlung positiver Aspekte dem Honda-Management nicht entgangen, insbesondere nach den enttäuschenden Erfahrungen mit Somkiat Chantra, von dem der Hersteller in der Saison 2025 nur sehr wenige nützliche Informationen für die Weiterentwicklung des Motorrads gewinnen konnte.
Honda hat Moreira für 2027 auf dem Zettel
"Die Verantwortlichen sind schon ziemlich oft zu mir in die Garage gekommen", verrät Moreira. "Wenn sie zufrieden sind, motiviert mich das, weil es bedeutet, dass wir die Dinge richtig machen. Sie kommen seit Beginn der Saison regelmäßig in unsere Box."
Der Brasilianer gibt außerdem zu, dass es ihm zusätzlichen Auftrieb gegeben habe, während eines Großteils des Wochenendes im Balaton Park der beste Honda-Fahrer gewesen zu sein: "Der beste Honda-Fahrer zu sein, bedeutet mir sehr viel. Ich will nicht lügen, das ist mein erstes Ziel und auch das meines Teams, denn der fairste Vergleich ist immer der mit Fahrern auf demselben Motorrad."
Der amtierende Moto2-Weltmeister wird an diesem Wochenende in Brünn wieder in Aktion treten. Am Montagstest wird er jedoch nicht teilnehmen, da Honda Mir und Marini ausgewählt hat, um den 850ccm-Prototypen zu testen, obwohl keiner der beiden Fahrer voraussichtlich 2027 noch Teil des Projekts sein wird.
Honda steht nun vor einer Entscheidung, die sich nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für die Karrieren zweier Fahrer als entscheidend erweisen könnte.
Auf dem Papier sollte der Hersteller die Vorvereinbarung mit David Alonso einhalten, der derzeit für Aspar in der Moto2 fährt und 2027 in die MotoGP aufsteigen soll. Jedoch erscheint es kaum sinnvoll, Alonso direkt an die Seite eines Superstars wie Quartararo zu stellen. Weder für Honda noch für den Fahrer selbst.
Alonso hat in der Moto2 bislang nicht die Leistungen gezeigt, die viele von ihm erwartet hatten. Zwar wird er von einer anhaltenden Verletzung der rechten Schulter beeinträchtigt, dennoch wartet er weiterhin auf seinen ersten Podestplatz und liegt derzeit auf Gesamtrang sechs - mehr als 80 Punkte hinter der Tabellenspitze.
Diese Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück, die viele an einen Fahrer geknüpft hatten, den manche als moderne Version von Marc Marquez betrachteten.
Unter diesen Umständen erscheint es wenig ratsam, den Druck auf Alonso weiter zu erhöhen, indem man ihm sofort die Verantwortung eines Werksplatzes in der MotoGP überträgt. Währenddessen macht Moreira weiterhin genau das, was er tun muss: Er zeigt Dankbarkeit für die Chance, die ihm Honda und LCR gegeben haben, arbeitet konzentriert weiter und lässt die Ergebnisse für sich sprechen.
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