Joan Mir: Erstmals für erste Reihe qualifiziert, aber Frust auf Alex Marquez

Joan Mir schafft erstmals aus eigener Kraft den Sprung in die erste Startreihe eines MotoGP-Rennens - Q2-Manöver von Alex Marquez ärgert ihn, aber der verteidigt sich

Joan Mir: Erstmals für erste Reihe qualifiziert, aber Frust auf Alex Marquez

Unglaublich, aber Fakt: Joan Mir ist am Samstag zum ersten Mal in seiner MotoGP-Karriere aus eigener Kraft in die erste Startreihe gefahren. Das Qualifying zum Grand Prix der Algarve in Portimao war für den Weltmeister von 2020 das 48. Qualifying, das er in der Königsklasse der Motorrad-WM bestritten hat. Und in diesem hat er sich hinter dem Ducati-Duo Francesco Bagnaia und Jack Miller den dritten Startplatz gesichert.

Zwar startete Mir in seiner WM-Saison 2020 beim Grand Prix der Steiermark in Spielberg schon einmal aus der ersten Reihe. Sein dritter Startplatz dort war aber die Konsequenz einer Gridstrafe für Johann Zarco. Der damals für Avintia-Ducati fahrende Franzose wurde in der Startaufstellung zurückversetzt. Grund für die Strafe war, dass er von den Rennkommissaren als Auslöser des Horrorunfall wenige Tage zuvor beim Grand Prix von Österreich ausgemacht wurde.

Was Joan Mir betrifft, so freut er sich zwar über seinen dritten Startplatz in Portimao, indem er sagt: "Ich bin happy. Seit dem Misano-Test geht es bei uns voran, denn wir haben dort etwas gefunden, was uns ein bisschen stärker auftreten lässt." Was das ist, hatte er schon am Donnerstag erklärt, nämlich eine Weiterentwicklung des Ride-Height-Device, welches den Suzuki-Piloten überhaupt erst seit Beginn der zweiten Saisonhälfte zur Verfügung steht.

Mir ärgert sich über Q2-Manöver von Alex Marquez

Hundertprozentig zufrieden ist Mir mit dem Ausgang des Qualifyings zum Grand Prix der Algarve aber trotzdem nicht. Denn seine letzte fliegende Q2-Runde musste er abbrechen. Grund war ein Manöver von Alex Marquez, von dem der Suzuki-Pilot alles andere als angetan ist. Was war passiert?

"In jeder Session hat er versucht, sich an mein Hinterrad zu hängen", berichtet Mir im Interview mit 'MotoGP.com' nach dem Qualifying und erklärt: "Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, solange man mich dabei nicht stört. Als ich aber nach einer langsamen Aufwärmrunde noch eine Rundenzeit setzen wollte, überholt er mich plötzlich auf der Geraden."

Besagte Szene spielte sich in den letzten Minuten von Q2 in Kurve 1 ab. Mir bremste auf dem Bergabstück die Kurve an, Marquez zog innen neben ihn und überholte den Suzuki-Piloten auf der Bremse. "Es ist okay, jemandem zu helfen. Es sollte aber nicht so sein, dass ich dadurch meine Chance auf ein gutes Resultat verliere", echauffiert sich Mir, der den jungen Marquez noch auf der Auslaufrunde zur Rede stellte.

 

Marquez entschuldigte sich auf der Auslaufrunde mit gefalteten Händen. Aber als Mir im Parc Ferme sein Interview als Drittschnellster des Qualifyings gab, war er noch immer frustriert. "Ein bisschen schade ist es, denn ich glaube, ich hätte noch ein bisschen mehr zeigen können. Es gab aber einen Fahrer, dessen Manöver ich nicht ganz verstanden habe. Darüber bin ich nicht besonders glücklich", lautete seine erste Reaktion.

Alex Marquez: Doppelte Entschuldigung und Erklärung

Und was sagt Alex Marquez, der sich selber für den achten Startplatz qualifiziert hat? "Es sieht so aus, als wäre er mit seinem Qualifying-Ergebnis nicht ganz happy", grinst der LCR-Honda-Pilot seinerseits im Interview mit 'MotoGP.com' nach dem Qualifying.

Alex Marquez

Alex Marquez erklärt, dass sein Manöver mehr ausweichend als geplant war

Foto: Motorsport Images

Zu einer Verteidigung erklärt Marquez die Szene in Kurve 1 aus seiner Sicht: "Als wir die erste Kurve anbremsten, hatte ich nicht damit gerechnet, dass er so viel früher bremsen würde als ich mit der Honda. Ich war aber nun mal da. Ich habe mich bei ihm entschuldigt, denn es war gar nicht meine Absicht gewesen, ihn dort zu überholen."

"Ich verstehe, dass er sauer ist", so der LCR-Honda-Pilot. "Aber als ich merkte, dass er etwas früher bremst als ich das erwartet hatte, musste ich mich entscheiden: Setze ich mich in der Kurve innen neben ihn? Oder fahre ich ihm auf das Hinterrad? Wie gesagt, ich kann seinen Ärger verstehen. Ich habe mich aber in seiner Box bei ihm entschuldigt."

Trotz Entschuldigungen: Mir zieht Konsequenzen aus der Szene

Mir bestätigt, dass es in der Suzuki-Box eine zweite Entschuldigung seitens Marquez gab. Seine Konsequenzen will er aus der Szene aber trotzdem ziehen: "Für das nächste Mal weiß ich Bescheid. Ich werde einfach nicht mehr vor ihm fahren. Ich werde es in Zukunft nicht mehr zulassen, dass sich Alex an mein Hinterrad hängt. So einfach ist das."

Joan Mir

Mir ist trotz doppeltem Sorry sauer auf Marquez und will sich künftig anders verhalten

Foto: Motorsport Images

Was aber rechnet sich Mir nun vom dritten Startplatz für das Rennen am Sonntag aus? "Normalerweise starte ich ja meistens aus der dritten Reihe. Von dort ist es natürlich schwierig, mehr als einen Podiumsplatz zu erreichen. Das ist im Grunde die Geschichte unserer Saison. Auf das Podium können wir es schaffen, aber um den Sieg können wir nicht mitkämpfen", so der Vorjahresweltmeister.

"Jetzt mal aus der ersten Reihe loszufahren hilft uns vielleicht, an der Spitzengruppe dranzubleiben und die Situation ein bisschen mehr unter Kontrolle zu haben. Aber 'Pecco' [Bagnaia] und auch ein paar andere machen einen starken Eindruck. Wir werden sehen", sagt Mir.

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Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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