Joan Mir in Brünn starker Fünfter: "Das ist unser realistisches Niveau"
Joan Mir setzt sich in Brünn mit der Honda in Szene - Platz fünf gelingt mit weichem Hinterreifen als einziger im Feld - Seine Analyse erklärt den Schlüssel zum Erfolg
Joan Mir im Zweikampf mit der KTM von Pedro Acosta
Foto: Mirco Mirco
Honda-Werksfahrer Joan Mir zeigte beim Grand Prix von Tschechien in Brünn ein starkes Rennen. Nachdem der ehemalige MotoGP-Weltmeister im Sprint als Zehnter ohne WM-Punkt blieb, setzte er sich im Hauptrennen in der Verfolgergruppe durch.
Nach der ersten Runde lag Mir zunächst auf Platz acht und machte anschließend Positionen gut. Zunächst überholte er Jorge Martin (Aprilia) und anschließend seinen Honda-Markenkollegen Diogo Moreira vom LCR-Team.
Lange fuhr Mir an der sechsten Stelle, bevor er sich ein Duell mit Pedro Acosta lieferte und den KTM-Fahrer auch überholen konnte. In der Schlussphase zog Acosta zunächst wieder vorbei, schied dann aber mit einem Technikproblem aus.
Dadurch fuhr Mir als Fünfter ins Ziel. "Ja, zufrieden", freut sich der Spanier über sein starkes Rennen. "Zufrieden, weil ich das Paket hatte, um um etwas Interessantes zu kämpfen."
"Ich habe 100 Prozent gegeben, und das führt normalerweise zu einem guten Ergebnis. Ich möchte dem Team danken, denn sie haben an diesem Wochenende einen großartigen Job gemacht."
"Auch wenn das Qualifying sehr ... ich konnte nicht so performen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich wusste aber, dass ich im Rennen mehr zeigen kann. Ich habe ein bisschen an mich geglaubt."
"Und am Ende konnten wir ein realistisches Top-5-Ergebnis holen. Der Einzige, der ausgefallen ist und eigentlich vor uns gewesen wäre, war Acosta, der ein technisches Problem hatte."
"Abgesehen davon war das realistisch Platz fünf oder sechs, und das ist etwas, worüber man sich freuen kann. In Barcelona habe ich ein Podium geholt, aber dort sind auch mehr Fahrer gestürzt."
Dieses Ergebnis verlor er damals durch eine Reifendruckstrafe. "Dieser Top-5-Platz hier ist leistungsmäßig ähnlich, aber mit mehr Fahrern im Feld", ordnet Mir das Brünn-Ergebnis ein. "Das ist also realistisch das, was wir derzeit erreichen können."
"Im Moment kann ich nicht mehr erreichen, aber ich hoffe wirklich, dass ich öfter so performen kann, denn wir müssen diese Konstanz finden. Ich glaube, im Radsport sagt man: Ich fahre, um eine Etappe zu gewinnen, nicht für die Gesamtwertung."
Für ein solches Ergebnis muss laut Mir alles passen. Genau das klappt noch nicht an jedem Rennwochenende: "Also, von Konstanz würde ich nicht sprechen, denn ich möchte nicht davon abhängig sein, dass die starken Ducatis Fehler machen."
"Ich sitze auf dem Motorrad und kenne die Möglichkeiten. Wir sind nah dran. Ich weiß, dass ich es schaffen kann, wenn alles passt. Aber nicht an jedem Wochenende. Und genau daran müssen wir weiter arbeiten."
Warum nur Mir den weichen Hinterreifen wählte
Als einziger Fahrer im Feld wählte Mir den weichen Hinterreifen, und das bei einer Asphalttemperatur von 47 Grad Celsius. Das erstaunt vor allem seinen Teamkollegen Luca Marini, der Achter wurde.
"Joan hat eine ziemlich ungewöhnliche Entscheidung getroffen, den Soft zu fahren, aber es scheint, als hätte er keine Vibrationen gehabt", sagt der Italiener und lobt: "Er ist ein fantastisches Rennen gefahren."
"Er hatte am Anfang eine sehr gute Pace, und er hat den Hinterreifen sehr gut gemanagt. Also Glückwunsch an ihn, denn er hat ein wirklich gutes Ergebnis erzielt." Für Marini wäre der weiche Hinterreifen nicht infrage gekommen.
"Nein, nie. Im Sprint hatte ich zu starke Vibrationen, deshalb habe ich gesagt: Wenn ich noch einmal zehn Runden so fahren muss, komme ich nicht ins Ziel. Also habe ich mich entschieden, wie die anderen den Medium zu nehmen."
Mir attackiert vor allem auf der Bremse und ist in diesem Bereich für die anderen Honda-Fahrer die Referenz. Weil er auf der Bremse so stark ans Limit geht, hat er auch häufig Stürze.

Als einziger Fahrer im Feld setzte Joan Mir auf den weichen Hinterreifen
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
In Brünn passierte ihm das nicht. Sein Fahrstil war aber für die Wahl des weichen Hinterreifens entscheidend: "Natürlich ist es im Nachhinein leicht zu sagen, wenn man das Ergebnis sieht", erläutert Mir.
"Aber für mich hängt das mehr vom Fahrstil ab als vom Motorrad. Ich weiß, dass mein Fahrstil aggressiver beim Einlenken und in der Kurvenmitte ist, und mit dem Medium-Reifen habe ich genau in diesem Bereich mehr Probleme."
"Dafür bietet der Medium mehr Stabilität am Kurvenausgang. Mein Stil geht eher dahin, mit mehr Geschwindigkeit in die Kurve hineinzufahren, und mit dem Soft konnte ich das machen, musste aber den Reifenverschleiß stärker managen."
"Das ist aber etwas, das ich früher immer sehr gut kontrollieren konnte. Für meinen Fahrstil war es die richtige Entscheidung." Mit elf WM-Punkten war das Rennwochenende in Brünn auch Mirs bestes in dieser Saison.
Rookie Moreira gelang im Freitagstraining die direkte Q2-Qualifikation und zeigte mit Startplatz sechs sein bisher bestes Qualifying. Im Sprint schied der Brasilianer schon in der ersten Runde durch einen Sturz aus.
Im Grand Prix wurde Moreira Elfter. "Am Ende war es schwierig, mit dem Medium die Pace zu halten", sagt er. "Es war ein ähnliches Gefühl wie in Balaton. Der Medium hinten machte es extrem schwierig, das Motorrad zu verzögern."
Aber auch Moreira hatte nie den weichen Hinterreifen in Betracht gezogen, denn er hatte mit seinem Fahrstil damit ähnliche Probleme wie Marini und konnte deshalb Mir nicht kopieren. Cal Crutchlow kam im Grand Prix als 17. und Letzter ins Ziel.
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