Jonas Folger erklärt großen Rückstand bei MotoGP-Comebackrennen
Jonas Folger hat sein MotoGP-Comeback in Le Mans mit Platz 16 beendet - Er spricht offen über körperliche Probleme und fehlendes Vertrauen nach dem Sprintsturz
Jonas Folger fuhr in Le Mans seinen ersten Grand Prix seit 2023
Foto: Getty Getty
Mehr als 1.000 Tage nach seinem letzten MotoGP-Einsatz feierte Jonas Folger in Le Mans am Wochenende sein Comeback in der Königsklasse. Sportlich verlief der Grand Prix von Frankreich allerdings deutlich schwieriger als erhofft.
Der Deutsche ersetzte den verletzten Maverick Vinales bei Tech3-KTM, stürzte im Sprint und wurde im Hauptrennen 16. und Letzter mit mehr als einer Minute Rückstand.
Trotzdem überwog bei Folger nach der Zieldurchfahrt zunächst die Erleichterung. "Der Plan war, das ganze Rennen zu fahren und nicht in Runde zwei zu stürzen", sagte der 32-Jährige nach seinem ersten Grand Prix seit über drei Jahren.
Folger: Probleme mit der Ergonomie
Das Rennen sei "wirklich hart" gewesen, erklärte Folger, der vor allem über die Distanz große Probleme hatte. Bis zum Qualifying habe er zwar gute Fortschritte gemacht und die KTM in einigen Bereichen besser verstanden, doch über die komplette Renndistanz habe er das Tempo nicht konstant reproduzieren können.
Besonders die Ergonomie bereitete ihm Schwierigkeiten. Nach eigener Aussage verlor er rund zwei Sekunden pro Runde und fühlte sich auf dem Motorrad "nicht besonders wohl".
Vor allem seine Körpergröße sei ein Problem gewesen. "Meine Größe ist anders als bei den anderen Fahrern", erklärte Folger. Dadurch habe er vor allem mit den Armen und der linken Schulter zu kämpfen gehabt und im Rennen viel Energie verloren.
Für einen möglichen Einsatz in Barcelona müsse daher vor allem an der Sitzposition und Ergonomie gearbeitet werden. Dann könne er "den nächsten Schritt" machen.
Dass Folger das Rennen überhaupt durchstand, war für ihn bereits ein kleiner Erfolg. Ein Tape am Nacken sollte ihm helfen, die Distanz zu bewältigen. "Das ist nur Physio", erklärte er. "Es hilft meinem Nacken dabei, das ganze Rennen zu fahren."
Ziel für Sonntag: Nicht wieder stürzen
Dabei hatte das Wochenende zunächst sogar besser begonnen als erwartet. Ohne konkrete Zielsetzung sei er angereist, einzig mit dem Vorsatz, die KTM kennenzulernen und nichts "Dummes oder Verrücktes" zu machen. Umso zufriedener war Folger mit seiner Quali-Runde in 1:31.8 Minuten: "Darauf war ich wirklich stolz."
Der Sturz im Sprint hinterließ allerdings Spuren. Folger vermutete selbst, danach etwas Vertrauen in die Front der Maschine verloren zu haben. Zudem wollte er am Sonntag unbedingt einen weiteren Crash vermeiden. "Ich wollte nicht zweimal an einem Wochenende stürzen. Ich denke, einmal reicht", meinte er.
Dass ihm nach mehr als drei Jahren ohne Grand-Prix-Einsatz die Rennpraxis fehlte, machte Folger ebenfalls deutlich. Sein letzter Test vor Le Mans fand erst wenige Tage zuvor in Mugello statt. Davor saß er zuletzt 2023 auf einem MotoGP-Bike.
Umso dankbarer zeigte er sich gegenüber dem Team und seiner Crew. Diese arbeite normalerweise mit Vinales und habe daher andere Ansprüche. "Ich möchte diesen Leuten dafür danken, dass sie so geduldig waren und mir den Freiraum gegeben haben, mich auf einem ganz anderen Niveau zu verbessern", so Folger.
Es deutet vieles darauf hin, dass der Deutsche auch beim kommenden Rennen in Barcelona erneut einspringen könnte. "Es sieht so aus, als wäre ich nächstes Wochenende dabei", sagte er selbst nach dem Rennen. Abschließend richtete er noch Genesungswünsche an Vinales: "Ich wünsche Maverick eine schnelle Erholung."
Steiner: Vinales muss Geduld haben
Tech3-Teameigentümer Günther Steiner stellte am Wochenende klar, dass Vinales erst wieder fahren werde, wenn er vollständig fit sei. "Es bringt nichts, wenn er zurückkommt, es versucht und dann doch nicht fahren kann", erklärte Steiner.
Derzeit peile man eher Mugello als realistisches Comeback-Ziel an, auch wenn Vinales versuche, rechtzeitig für seine Heim-Grand-Prix in Barcelona fit zu werden. Vor allem wolle das Team verhindern, dass der Spanier angeschlagen auf die Strecke geht und dadurch Vertrauen verliere: "Wir wollen den Maverick bei 100 Prozent."
Steiner weiß: In der MotoGP entscheide oft nur eine Sekunde über das gesamte Feld. "Wenn du körperlich nicht bei 100 Prozent bist, kannst du diesen Job nicht machen."
Gleichzeitig ist sich der Ex-Formel-1-Teamchef bewusst, dass Vinales unbedingt zurückkehren will, da es auch um seine sportliche Zukunft in der MotoGP gehe. Er mahnt jedoch zu Geduld: "Ein Maverick bei 90 Prozent ist nicht gut genug" Erst wenn Vinales wieder komplett fit sei, könne er zeigen, wozu er wirklich in der Lage ist.
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