Jorge Lorenzo: "Fahrstil von Vinales passt mehr zu Ducati und Honda"

Jorge Lorenzo erkennt bei Vinales Schwächen im Vergleich zu Yamaha-Kollege Quartararo - Auf der anderen Seite traut er Ducati mit Bagnaia den WM-Titel zu

Jorge Lorenzo: "Fahrstil von Vinales passt mehr zu Ducati und Honda"

Maverick Vinales stand in Katar als umjubelter Auftaktsieger der MotoGP-Saison 2021 auf dem Podest. Seither wurde der Spanier von seinem Yamaha-Teamkollegen Fabio Quartararo, der neu im Team ist, überstrahlt. Quartararo gewann in Doha und in Portimao. Auch in Jerez war der Franzose der schnellste Mann, bevor er wegen Armpump-Schmerzen zurückfiel.

Nach seinem Sieg beim ersten Rennen wurde Vinales Fünfter, Elfter und Siebter. Das Podest war nie in absoluter Griffweite. Mit 16 Punkten Rückstand auf Francesco Bagnaia (Ducati) ist Vinales in der Gesamtwertung immer noch in Schlagdistanz.

"Positiv war, und das ist wahrscheinlich das einzig Positive, dass er am Start weniger Positionen verloren hat", analysiert Jorge Lorenzo in seinem YouTube-Kanal #99Seconds. "Er hatte bessere Trainings und eine bessere Pace als sein Rennergebnis."

"Hoffentlich versteht er, wie er besser starten muss, denn das ist der entscheidende Punkt für seine Ergebnisse." Da er viele Jahre lang erfolgreich für Yamaha gefahren ist, kennt Lorenzo natürlich aus erster Hand die Charakteristik der Yamaha M1.

Dabei fällt ihm bei Vinales auf: "Bezüglich seiner Fahrtechnik sehe ich persönlich, dass Quartararo flüssiger in die Kurve fährt. Das gilt auch für Morbidelli. Möglicherweise ist sein Fahrstil besser für eine Ducati oder Honda passend." Lorenzo kennt auch Ducati und Honda aus erster Hand.

Dem dreimaligen MotoGP-Weltmeister gelangen mit der Desmosedici drei Rennsiege, bevor es zur Trennung kam und Lorenzo zu Honda wechselte. Nach dem erfolgten Generationenwechsel bei Ducati sollen es Jack Miller und Bagnaia richten.

Lorenzo zu Jerez: Miller ist "kein großartiges" Rennen gefahren

"Er ist ein gutes Rennen gefahren, aber kein großartiges", bewertet Lorenzo Millers Sieg in Jerez. "Aber wenn man den Sieg serviert bekommt, dann muss man davon profitieren. Miller hat das sehr gut gemacht."

Jack Miller

Die Erleichterung und Freude war nach dem Jerez-Sieg bei Jack Miller groß

Foto: Motorsport Images

"Jack Miller war eine der positiven Überraschungen des Wochenendes. Es ist nie einfach, aus einer schwierigen Phase herauszukommen." Für Ducati war es der erste Jerez-Sieg seit 2006 und der erste Doppelsieg seit Brünn 2018 (Dovizioso vor Lorenzo).

"Ich glaube, dass Ducati jetzt auf jeder Strecke gewinnen kann", schätzt Lorenzo. "Ducati hat ein komplettes Motorrad. Der Kurvenspeed ist noch immer nicht der Beste, aber sie verlieren nicht mehr so viel wie in anderen Jahren. Ducati ist bereit für den Weltmeistertitel."

Nach vier Rennen führt Bagnaia die WM-Wertung zwei Punkte vor Quartararo, 16 vor Vinales, 17 vor Joan Mir und 18 vor Johann Zarco an. Bagnaia ist der einzige Fahrer im Feld, der in allen vier Rennen zweistellig angeschrieben hat.

Lorenzo glaubt: Bagnaia kann Weltmeister werden

"Bagnaia wurde im ersten Rennen trotz Podestplatz von Zarco in den Schatten gestellt. Und im zweiten Rennen war es wieder Zarco und vor allem Jorge Martin, der jeden überrascht hat", blickt Lorenzo auf Bagnaias bisherigen Saisonverlauf zurück.

"Es scheint, dass er überschattet wurde, aber mit den zweiten Plätzen in Portimao und Jerez hat er sich zur Führungsfigur bei Ducati entwickelt. Und er führt auch die WM an. Ich glaube, dass er eine sehr gute Chance hat, weil er mit der Ducati am besten seit langer Zeit fährt."

Francesco Bagnaia

Mit konstant guten Ergebnissen führt "Pecco" Bagnaia die WM an

Foto: Motorsport Images

"Ducati ist ein komplettes Motorrad geworden. Sie verlieren nicht mehr so viel in den Kurven. Francescos Fahrstil passt auch gut, dass er diesbezüglich so wenig wie möglich auf Yamaha und Suzuki verliert. Er ist in einer exzellenten Position."

Trotz Sieg glaubt Lorenzo auf der anderen Seite, dass Miller noch nicht so komplett aufgestellt ist: "Meiner Meinung nach fehlt ihm noch etwas Präzision. Zweifellos ist er nicht der präziseste Fahrer im Feld. Er ist sehr schnell und bei manchen Umständen der Schnellste, aber es fehlt ihm noch die Festigkeit, um locker die Poleposition zu erobern und zu gewinnen."

"Er hatte ein solides Wochenende und qualifizierte sich für die erste Startreihe. Dann hatte er einen tollen Start. Klar, Fabio war schneller, aber in der MotoGP können diese Dinge passieren. Dein Gegner stürzt oder hat ein Problem. Dann muss man der erste Verfolger sein, um davon zu profitieren. Ich hoffe, dass er Schritt für Schritt diese Festigkeit findet, damit er Rennen klar und prägnant gewinnt."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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