Jorge Martin baut WM-Führung aus: Jetzt tickt er anders als 2024
Jorge Martin baut seinen WM-Vorsprung in Silverstone auf 31 Punkte aus - Seine Herangehensweise ist heute eine andere als noch 2024
Jorge Martin vergrößerte seinen Vorsprung in der WM-Wertung
Foto: Getty Getty
Mit der Poleposition, dem Sieg im Sprint und Platz zwei im Grand Prix von Großbritannien baute Jorge Martin seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf 31 Punkte aus. Nach dem Silverstone-Wochenende ist sein Aprilia-Teamkollege Marco Bezzecchi WM-Zweiter.
Für Martin ist jedoch viel wichtiger, dass er wieder ein gutes Set-up und Gefühl für seine RS-GP gefunden hat: "Das war für mich wichtiger als das Ergebnis: mein Gefühl wiederzufinden, meinen Speed wiederzufinden."
"Wir sind ein Stück weit aus dem Loch herausgekommen, in dem wir steckten, und das gibt uns natürlich sehr viel Motivation. Ich habe volles Vertrauen in mein Team und in mich selbst."
"Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis wir aus dieser Situation herauskommen würden. Aber nur weil wir jetzt in Silverstone [den Sprint] gewonnen haben, ist nicht plötzlich alles in Ordnung."
"Wir müssen das in den nächsten Rennen bestätigen", sagt Martin, denn das Streckenlayout von Silverstone passt der Aprilia besser als der Ducati. In zwei Wochen wird Aragon zeigen, ob Martin diese Performance bestätigen kann.
Den Sprint gewann Martin mit einer neuen Aerodynamik am Heck. Ansonsten entspricht seine Basisabstimmung wieder jener von Le Mans, wo er den Sprint und den Grand Prix gewonnen hat.
"Es ist dasselbe Motorrad, das wir in Le Mans eingesetzt haben", bestätigt Martin. "Natürlich haben wir jetzt einige neue Teile, die man an der Aerodynamik sieht. Aber das Set-up ist auf demselben Stand wie in Le Mans."
Was beim Start mit dem Ride-Height-System los war
Im Grand Prix verlor der Spanier in der ersten Kurve das Duell gegen Raul Fernandez (Trackhouse-Aprilia), der innen überholen konnte. Als sich Martin in die Kurven legte, sprühten Funken auf.
Das zeigte, dass sein Ride-Height-Device beim hinteren Stoßdämpfer nicht deaktiviert war. "Ich bin nicht besonders gut gestartet, oder besser gesagt: Raul ist deutlich besser gestartet als ich. Ich konnte sein Motorrad hören."
"Dann fuhren wir in die erste Kurve, und ich wollte einfach die erste Position behalten, deshalb habe ich nicht gebremst. Ich habe nicht stark genug gebremst, deshalb ist mein hinteres Ride-Height-System nicht wieder nach oben gekommen."
"So ist es eben. Dann fuhr ich links, Marc überholte mich, und dadurch habe ich ziemlich viel Zeit verloren. Aber ich glaube, es war eher mein Fehler, weil ich unbedingt die Führung halten wollte, anstatt ein wenig zu bremsen."
"Dann hätte ich vielleicht die Chance gehabt, hinter Raul auf dem zweiten Platz zu liegen, aber ich war zu optimistisch." Die erste Runde beendete Martin an der dritten Stelle. Erst in Runde neun konnte er Bezzecchi überholen.
Martin war hinter Fernandez zu konservativ
Zu diesem Zeitpunkt führte Fernandez mit einem Vorsprung von 4,4 Sekunden. Erst im letzten Rennviertel kam Martin näher heran. Vor der letzten Runde betrug der Abstand zwischen den beiden Aprilia-Fahrern 2,5 Sekunden.
"Als ich Zweiter war, hatte Raul bereits etwa fünf Sekunden Vorsprung", sagt Martin über seine Aufholjagd. "Also habe ich einfach versucht, mein Tempo auf die Strecke zu bringen."
"In einigen Runden habe ich gesehen, dass ich ihm etwas näher und näher kam, also dachte ich, dass er vielleicht nachlassen würde. Aber er hat das unglaublich gut gemanagt."
"Ich habe auf jeden Fall mehr ans Angreifen als ans Verteidigen des zweiten Platzes gedacht. Wir haben sehr stark auf den Reifenverschleiß geachtet und das ganze Wochenende versucht, die Reifen zu schonen."
"Wir sind mit wenig Power gefahren und ich glaube, wir haben es damit übertrieben. In den letzten drei Runden habe ich den Reifen stärker belastet, und der Reifen war noch da. Ehrlich gesagt waren wir also zu konservativ."
"Das Wichtigste für mich ist, dass ich wieder wirklich konstant und schnell bin. Unabhängig vom Ergebnis ist entscheidend, dass wir wieder konkurrenzfähig sind. Das ist das Wichtigste, und wir können im nächsten Rennen kämpfen."
Wie Martin seine WM-Führung einordnet
An einem Rennwochenende können maximal 37 WM-Punkte gesammelt werden. Martins Vorsprung von 31 Punkten ist schon ein relativ komfortables Polster. Wie geht er im Vergleich zu seiner WM-Saison 2024 mit dieser Lage um?
"Gute Frage. Für mich ist es jetzt nicht wirklich wichtig, ob ich Erster, Zweiter oder was auch immer bin. Ich versuche einfach, mich ständig zu verbessern. Ich denke immer darüber nach, wie ich mich verbessern und besser werden kann."
"Wenn ich die Chance habe, um den Titel zu kämpfen, ist das für mich gut genug. Vor zwei Jahren war ich regelrecht davon besessen, immer vorne zu sein und die Führung zu übernehmen. Aber ehrlich gesagt kostet das sehr viel Energie."
"Jetzt konzentriere ich mich nicht auf das Ergebnis, sondern darauf, ein besserer Athlet und ein besserer Jorge zu werden. Die Konsequenz daraus ist, dass wir die richtigen Dinge tun und ich die Meisterschaft anführe."
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