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Jorge Martin gewährt emotionale Einblicke: "Hatte viele Zweifel"

Aprilia-Pilot Jorge Martin blickt auf Rückschläge, Ängste und den Preis des Erfolgs zurück - Warum ihn gerade die schwersten Momente stärker gemacht haben

Jorge Martin gewährt emotionale Einblicke: "Hatte viele Zweifel"

Jorge Martin musste zeitweise um seine Rennsportkarriere fürchten

Foto: Getty Getty

Jorge Martin hat in seiner Karriere gelernt, mit den schwierigsten Momenten umzugehen. Der Spanier, der sich 2024 mit MotoGP den Weltmeistertitel sicherte, spricht offen über Verletzungen, Zweifel, seine Familie und darüber, warum ihn die Angst vor einem erneuten Rückschlag nicht mehr aufhalten kann.

Der Weg an die Spitze war für Martin alles andere als geradlinig. Nach schweren Stürzen und Verletzungen musste der Spanier mehrfach um seine Rückkehr kämpfen.

Besonders die schwierigen Phasen haben ihn geprägt und gleichzeitig seinen Charakter als Rennfahrer geformt. "Ich habe viele Ängste, aber der einzige Weg, diese Ängste zu überwinden, ist, sie zu akzeptieren", sagt er im Gespräch mit MotoGP.com.

"Ich weiß, dass ich wieder stürzen kann, ich weiß, dass ich wieder im Krankenhaus landen kann, und ich akzeptiere das. Es gehört zu meinem Job, es gehört zu meinem Leben."

Zweifel nach Rückschlägen und der Kampf zurück

Martin erinnert an Momente, in denen er selbst nicht sicher war, ob er noch einmal sein altes Niveau erreichen würde. Nach den Tiefpunkten kamen Zweifel - an seinem Körper, seiner Leistungsfähigkeit und seiner Zukunft im Rennsport.

"Ich hatte in meiner Karriere sehr schwierige Momente, aber auch sehr schöne Erinnerungen", sagt der Weltmeister der Saison 2024. Gerade diese positiven Erfahrungen hätten ihm geholfen, weiterzumachen. "Vielleicht macht man wegen dieser guten Erinnerungen weiter, weil man sie zurückhaben möchte."

In der schwersten Phase habe er sich selbst viele Fragen gestellt. "Ich hatte viele Zweifel an mir selbst, daran, ob ich wieder Rennen fahren oder wieder konkurrenzfähig sein könnte. Aber ich habe nie aufgehört zu kämpfen, ich habe nie aufgegeben."

Jorge Martin betont: "Resilienz bedeutet mir sehr viel"

Sein Ziel sei immer klar gewesen: zurück in die MotoGP und wieder das eigene Maximum erreichen. Die Fähigkeit, nach Rückschlägen zurückzukommen, ist für Martin ein zentraler Bestandteil seiner Persönlichkeit. Er trägt sogar ein Tattoo dazu.

"Vor fünf Jahren habe ich mir ein Tattoo stechen lassen, nachdem ich einen Sturz mit rund 40 Meilen pro Stunde hatte. Ich glaube, Resilienz ist einer der stärksten Werte, die ich habe", erzählt der Spanier. Vor den Rennen habe sich zudem seine innere Einstellung verändert, verrät der Aprilia-Pilot weiter.

"Jetzt bete ich vor den Rennen", berichtet Martin. Während des Winters habe er gespürt, dass er zusätzliche Unterstützung brauche. "Ich hatte das Gefühl, dass ich Unterstützung von Gott brauche, und ich bin einfach dankbar für alles, was passiert ist."

Vom Hobby mit dem Pocketbike zum Weltmeister

Für Martin ist der Rennsport weit mehr als nur ein Beruf. "MotoGP ist mein Leben", sagt er. Die Leidenschaft dafür wurde ihm bereits in die Wiege gelegt. Die Verbindung zum Motorsport entstand über seinen Vater, der selbst Rennen fuhr. Bereits im Alter von sechs Jahren saß Martin auf einem Pocketbike.

"In diesem Moment war ich sehr aufgeregt und glücklich. Dieses Hobby wurde immer größer und größer - bis heute", erinnert er sich. Was als Kindheitstraum begann, wurde zum Beruf. Dabei vergisst Martin nicht, welchen Anteil seine Familie hatte.

"Meine Eltern haben viel mehr geopfert als ich", betont der Spanier. Die Familie habe schwierige Zeiten erlebt, unter anderem finanzielle Einschränkungen durch die hohen Kosten des Rennsports. "Es gab Zeiten, in denen wir kein Geld mehr für Urlaub hatten oder um mit den Motorrädern weiterzumachen."

Für diese Unterstützung empfindet Martin große Dankbarkeit. Gleichzeitig glaubt der 28-Jährige, dass er die Opfer seiner Eltern niemals vollständig zurückzahlen kann.

"Ich werde ihnen nie alles zurückgeben können, was sie damals für mich getan haben. Ich kann ihnen nicht einfach das ganze Geld geben, das ich habe. Das würde ihre Anstrengungen nicht aufwiegen", weiß Martin um den Einsatz seiner Eltern.

Die richtige Einstellung nach Sieg und Niederlage

Trotz seiner Erfolge auf der Strecke, auch jüngst mit Aprilia, versucht Martin, seine Ergebnisse realistisch einzuordnen. Für den Spaniern zählt nicht nur das Resultat auf dem Papier, sondern auch die eigene Bewertung der erbrachten Leistung.

"Der beste Moment ist für mich, wenn du ein Rennen beendet hast", erklärt er. Dann spreche er mit sich selbst und versuche, auch nach einem schlechten Ergebnis, positiv zu bleiben. "Selbst wenn ich Achter werde, sage ich mir: 'Okay, du hast heute einen guten Job gemacht. Gib niemals auf, mach weiter'", betont Martin.

Ein Sieg fühle sich dagegen völlig anders an. "Wenn du gewinnst, ist es eher: 'Du bist der Boss'", sagt der Spanier mit einem Lächeln. Entscheidend sei aber, nicht in Extreme zu verfallen. "Bei einem schlechten Ergebnis bist du nicht der Schlechteste, und bei einem guten Ergebnis bist du nicht automatisch der Beste."

Dennoch beschreibt Martin den Moment eines Sieges als etwas Einzigartiges und Unvergleichliches: "Was du aus einem Sieg bekommst, ist eine Erfahrung, die unmöglich zu beschreiben ist. Dieser Moment ist wirklich etwas ganz Besonderes."

Was der MotoGP-Titel Martin bis heute bedeutet

2024 erfüllte sich Martin seinen größten Traum: Er wurde MotoGP-Weltmeister. "Natürlich fühle ich mich besonders, weil ich Weltmeister bin", sagt er heute und betont: "Man kann MotoGP fahren, aber der Unterschied ist, MotoGP-Weltmeister zu sein. Nicht alle Fahrer schaffen es, diesen Erfolg zu erreichen."

Für ihn ist ein Titelgewinn das Ergebnis vieler Faktoren. Talent allein reiche nicht aus. "Man muss seine Arbeit und seine Leidenschaft über alles andere stellen. Man braucht diesen Hunger zu gewinnen, Leidenschaft und Stärke", weiß Martin.

Ein Champion müsse viele Eigenschaften vereinen. "Da muss einiges zusammenkommen, um ein Weltmeister zu sein. Und genau das ist das Schwierigste."

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