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Jorge Martin verteidigt Yamaha-Wechsel: "Auch Aprilia galt als Katastrophe"

Jorge Martin steht zu seiner Entscheidung, 2027 zu Yamaha zu wechseln: Er erinnert daran, dass auch sein Wechsel zu Aprilia einst als "Katastrophe" bezeichnet wurde

Jorge Martin verteidigt Yamaha-Wechsel: "Auch Aprilia galt als Katastrophe"

Jorge Martin hat sich den Wechsel von Aprilia zu Yamaha gut überlegt

Foto: Alexander�Trienitz Alexander�Trienitz

Jorge Martin lässt sich von den Zweifeln an seinem Wechsel zu Yamaha nicht beirren. Der Aprilia-Pilot wird 2027 für das Werksteam des japanischen Herstellers antreten und damit von einem aktuell titelstarken Projekt zu einem Hersteller wechseln, der in der laufenden Saison deutlich zurückliegt.

Für Martin ist das jedoch kein Grund, seine Entscheidung infrage zu stellen. Der Spanier betont vielmehr, dass der Schritt keineswegs spontan erfolgt sei. Im Gegensatz zu 2024, als Ducati für Aprilia verließ, habe er diesmal ausreichend Zeit gehabt, seine Optionen abzuwägen und eine Entscheidung in Ruhe zu treffen.

"Ich glaube, dass man im Leben bestimmte Entscheidungen treffen muss", erklärt Martin im Gespräch mit DAZN. "2024 musste ich eine Entscheidung überstürzt treffen. Jetzt hatte ich die Möglichkeit, sie ruhiger und mit mehr Zeit zu treffen."

Seine persönlichen Prioritäten seien dabei unverändert geblieben. "Ich habe meine Entscheidungen immer mit dem Gedanken daran getroffen, was für mich und meine Familie am besten ist, und ich glaube, dass dies die beste Entscheidung ist", betont er.

Martin erinnert an seinen Aprilia-Wechsel

Dass die aktuelle Leistungsfähigkeit eines Herstellers nicht zwangsläufig etwas über dessen Zukunft aussagt, hat Martin aus eigener Erfahrung gelernt. Als er sich 2024 für den Wechsel zu Aprilia entschied, war die Skepsis ebenfalls groß.

Damals hatte Ducati ihm den Aufstieg ins Werksteam verwehrt, woraufhin Martin einen Zweijahresvertrag bei Aprilia unterschrieb. Der Hersteller aus Noale war zu diesem Zeitpunkt zwar konkurrenzfähig, hatte aber noch keinen MotoGP-Weltmeistertitel gewonnen und kämpfte mit erheblichen Schwankungen.

Martin erinnert sich deshalb bewusst an die damaligen Reaktionen: "Genau wie damals, als ich bei Aprilia unterschrieben habe ... Das sollte eine Katastrophe sein. Wo würde ich denn mit einer Aprilia hinwollen, einem Team, das noch nie gewonnen hatte? Und trotzdem bin ich heute hier und führe die Weltmeisterschaft an."

Deshalb ist ihm die Meinung der Kritiker und Zweifler auch diesmal ziemlich egal: "Nächstes Jahr oder in zwei Jahren sollen die Welt und die Öffentlichkeit sagen, was sie wollen."

Der Zeitpunkt seines Yamaha-Wechsels wirkt aus heutiger Sicht tatsächlich ungewöhnlich. Martin verlässt das Team, das derzeit um die Weltmeisterschaft kämpft, und schließt sich einem Hersteller an, der aktuell am Ende der Konstrukteurswertung steht.

Gleichzeitig wird sich das technische Umfeld 2027 grundlegend verändern: Die MotoGP wechselt unter anderem auf 850-ccm-Motoren und erhält neue technische Rahmenbedingungen - weniger Aero, keine Devices. Damit ist derzeit kaum vorhersehbar, welcher Hersteller den größten Fortschritt machen wird.

Yamaha vor einem kompletten Neustart

Yamaha hat seit Fabio Quartararos Weltmeistertitel 2021 mit erheblichen Performance-Problemen zu kämpfen. Auch die Einführung des neuen V4-Motors hat bislang nicht dazu geführt, den Rückstand zur Spitze entscheidend zu verkürzen.

Gerade deshalb birgt Martins Entscheidung ein erhebliches Risiko. Der Spanier setzt darauf, dass die Ausgangslage von 2026 keine verlässliche Prognose für 2027 darstellt. Mit der neuen Regelära beginnt für alle Hersteller gewissermaßen ein neues Kapitel.

Martin selbst will sich von der aktuellen Rangordnung nicht beeindrucken lassen. Seine Entscheidung sei langfristig gedacht und orientiere sich an der besten Option für ihn.

Verhältnis zu Aprilia wieder deutlich besser

Während Martins Zukunft bei Yamaha bereits feststeht, will er seine Zusammenarbeit mit Aprilia in der laufenden Saison dennoch bestmöglich beenden. Das Verhältnis zwischen dem Fahrer und seinem aktuellen Arbeitgeber war im vergangenen Jahr, als Martin verletzt lange ausfiel, zeitweise schwer belastet.

Denn im Zuge seiner Verletzungsprobleme hatte der Spanier versucht, sich aus seinem bis 2026 gültigen Vertrag mit Aprilia zu lösen. Die folgenden rechtlichen Auseinandersetzungen sorgten für erhebliche Spannungen zwischen beiden Seiten.

Jorge Martin

Einst über Kreuz jubelt Aprilia-CEO Massimo Rivola heute mit Martin

Foto: Getty Images Europe

Inzwischen ist die Beziehung jedoch weitgehend wiederhergestellt. Martin macht dabei deutlich: "Wir müssen auch keine Freunde sein. Sie wollen gewinnen, ich will gewinnen." Entscheidend sei vielmehr, dass beide Seiten ihre Rollen kennen und am selben Ziel arbeiten. "Keiner von uns will sich zerstreiten."

Dass sich das Verhältnis tatsächlich verbessert hat, macht er an ganz konkreten Dingen fest. So könne man inzwischen wieder gemeinsam zu Abend essen, sich gut verstehen und auch abseits der Rennstrecke Zeit miteinander verbringen. "Ich denke, wir haben unsere Beziehung wirklich wieder auf Kurs gebracht."

Sterlacchini genießt Martins Vertrauen

Eine zentrale Rolle bei der sportlichen Wiederannäherung spielt Aprilias Technischer Direktor Fabiano Sterlacchini. Martin betont ausdrücklich, dass er dem Italiener vertraut und dessen Einsatz für seine weitere Entwicklung zu schätzen weiß.

"Es wird gleiche Bedingungen für alle geben. Ich vertraue Fabiano. Ich sehe, dass er alles in seiner Macht Stehende tut, um mir zu helfen, besser zu werden", unterstreicht Martin.

Besonders wichtig sei für ihn ein Gespräch zu Beginn dieser Saison gewesen. Sterlacchini reiste nach Andorra und formulierte dort ein klares Ziel: "Er sagte zu mir: 'Ich möchte den Jorge von 2024 zurückbringen. Ich möchte dieses ganze Talent wieder zum Vorschein bringen.' Das ist ihm größtenteils gelungen."

Martin ist überzeugt, dass Sterlacchini ihn bis zum Ende der gemeinsamen Zeit weiter unterstützen wird: "Ich bin zuversichtlich, dass er damit weitermachen und mir bis zu unserem letzten gemeinsamen Tag helfen wird, mich weiterzuentwickeln."

Mit Aprilia bis zum letzten Tag kämpfen

Ob dabei ein weiterer Titel herausspringt, bleibt abzuwarten. Martin führt nach dem Grand Prix von Silverstone die MotoGP-Weltmeisterschaft an und liegt dabei vor seinem Teamkollegen Marco Bezzecchi, der Aprilia auch 2027 erhalten bleiben wird. Nach Silverstone beträgt Martins Vorsprung 31 Punkte.

Damit könnte er mit Aprilia ausgerechnet in seiner letzten gemeinsamen Saison eine zweite Weltmeisterschaft feiern, nachdem der Hersteller durch seine starke Entwicklung inzwischen selbst zum Maßstab im Titelkampf geworden ist.

Für Martin schließt sich damit ein Kreis: Was 2024 als riskanter Karriereschritt belächelt wurde, könnte ihm 2026 die nächsten WM-Krone bescheren. Und genau diese Erfahrung ist es, die dem Spanier das Vertrauen gibt, auch beim nächsten großen Schritt gegen die aktuelle öffentliche Einschätzung zu handeln.

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