Katar: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

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Katar: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat
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11.03.2019, 06:37

Redakteur Sebastian Fränzschky wirft einen kritischen Blick auf die verschiedenen Schauplätze des ersten Rennwochenendes der MotoGP-Saison 2019

Liebe Leser,

das Warten auf die neue MotoGP-Saison hatte gestern endlich ein Ende. Es war wieder soweit: Unter Flutlicht starteten die Grand-Prix-Helden in die neue Saison. Wie in den Jahren zuvor gingen die Protagonisten und deren Fans mit gewissen Erwartungen in das neue Jahr. Auf Grund der geringen Zeitabständen zwischen den Fahrern bei den Wintertests war es schwieriger denn je, klare Kräfteverhältnisse zu prophezeien. Schlussendlich änderte sich an der Hackordnung aus dem Vorjahr nicht allzu viel, was Yamaha für die Hauptrolle in dieser Kolumne qualifizieren sollte. Nach jedem MotoGP-Sonntag wird an dieser Stelle jemand ausgewählt, der im übertragenen Sinne schlecht geschlafen hat.

Doch in meinen Augen waren die Verantwortlichen von Yamaha nicht die einzigen Kandidaten, die sich für unsere Kolumne anbieten. Nachdem die MotoGP-Fans erneut einen packenden Thriller zum Auftakt sahen, nahm die Nacht in Katar eine wirklich hässliche Wendung. Honda, Suzuki, KTM und Aprilia legten nach Andrea Dovizioso hart erkämpften Sieg Protest ein.

Schlechte Verlierer wollen Entscheidung am grünen Tisch

Paolo Ciabatti

Paolo Ciabatti (links) und Davide Tardozzi (im Hintergrund) im Dialog mit den Journalisten

Am grünen Tisch wollten sie den Vizeweltmeister um das bringen, wofür er zusammen mit Ducati hart gearbeitet hat. Ja, Ducati war in der Winterpause erneut kreativer als der Rest der MotoGP. Motorradgigant Honda wurde aus technischer Sicht ein weiteres Mal von Ducatis Ideenreichtum vorgeführt. Obwohl das Reglement im Bereich der Aerodynamik immer weniger Freiheiten erlaubt, fand Ducati-Stratege Gigi Dall'Igna ein weiteres Mal eine Lücke und nutzte diese.

Die neuen Aero-Anbauteile im Bereich des Vorderrads und im Bereich der Schwinge kamen bereits bei den Wintertests zum Einsatz. Der Protest folgte aber erst nach dem ersten Rennen. Mit ihrem Verhalten haben sich Honda, Suzuki, KTM und Aprilia als schlechte Verlierer geoutet und dem ansonsten aus sportlicher Sicht makellosen Saisonauftakt einen unschönen Beigeschmack verliehen.

Winglet am Hinterrad: Ducati Desmosedici GP19

Ducati-Neuentwicklung: Die 2019er-Ducatis waren mit diesem Aero-Element ausgerüstet

Die MotoGP-Verantwortlichen lehnten den Protest ab und verhinderten damit einen Super-GAU zu Beginn der neuen Saison. Doch die vier bockigen Hersteller ließen es nicht gut sein. Das Urteil vom Sonntag wurde angefochten und geht in die zweite Instanz. Honda, Suzuki, KTM und Aprilia - mit so einem absurden Verhalten kann man einen wundervollen Sport kaputt machen.

An dieser Stelle möchte ich Yamaha gratulieren, die sich aus dem Zirkus herausgehalten haben. Chapeau! 

Yamaha nur noch vierte Kraft

Doch damit wäre ich erneut beim japanischen Hersteller, der in der MotoGP zuletzt schwierige Zeiten erlebte. Gerade mal einen Sieg feierten die einstigen Seriensieger in den vergangenen eineinhalb Jahren. Vor dem ersten Rennen der Saison war die Hoffnung groß, das Tief endlich überwunden zu haben. Maverick Vinales ließ die Yamaha-Fans hoffen. Bei den Tests und zu Beginn des Wochenendes in Katar präsentierte sich der Spanier in Bestform. Mit der Pole-Position deutete Vinales an, dass Yamaha zurück ist.

Maverick Vinales

Leichte Beute: Auf den Geraden sind die Yamaha-Piloten klar unterlegen

Im Rennen folgte die Ernüchterung. Yamaha ist aktuell nur vierte Kraft. Ducati, Honda und Suzuki sind für 2019 offensichtlich besser aufgestellt. "Wir sind im Moment mehr oder weniger auf demselben Niveau wie 2018", so die nüchterne Bilanz von Valentino Rossi. Im Rennen zeigte der 40-Jährige eine tolle Aufholjagd. Rossi weiß aber, dass der Losail International Circuit eine Strecke ist, die der Yamaha M1 schmeichelt.

Dank der tollen Steigerung im Rennen dürfte Rossi dennoch nicht schlecht geschlafen haben. Dafür kommt in meinen Augen ein anderer Fahrer in Frage: Maverick Vinales.

Maverick Vinales: Alles neu oder doch nicht?

Neue Crew, neue Startnummer, neue Motivation - Vinales wollte, dass sich 2019 alles ändert. Die Erwartungen waren riesig, doch im Rennen folgte zeitig Ernüchterung. Vinales kämpft unter Rennbedingungen mit den gleichen Problemen wie im Vorjahr. Nach der schwachen Startphase rechnete ich damit, dass Vinales gegen Rennende mehr Reserven hat als seine Gegner. Doch die Startnummer 12 verstrickte sich in ein Duell mit Rookie Joan Mir und verlor den Anschluss.

Maverick Vinales

Maverick Vinales rutschte im Rennen sechs Positionen nach hinten

Ein siebter Platz auf der Yamaha-Paradestrecke in Katar: Bei Vinales dürften nach dem Saisonauftakt einige Alarmglocken bimmeln. Zudem wurde der psychisch nicht immer sattelfeste Spanier im Rennen vom Teamkollegen geradezu vorgeführt. Während Rossi nur 0,6 Sekunden auf den Sieger fehlten, klaffte zu Vinales eine Lücke. Ich bin gespannt, ob Vinales diese Niederlage abhaken kann.

Die Yamaha M1 verfügt nach wie vor über ein sehr harmonisches Paket, wie die Leistungen von Rookie Fabio Quartararo belegen. Doch vor allem beim Motor und der Elektronik sind die Gegner einen oder mehrere Schritte voraus.

Auf den Geraden mussten Rossi und Vinales nicht nur die Ducati-Piloten ziehen lassen. Honda machte über den Winter große Fortschritte und befindet sich in Sachen Topspeed jetzt auf Augenhöhe zu Ducati. Und auch Suzuki scheint für die Geraden besser aufgestellt zu sein als Yamaha.

Wer sonst noch schlecht geschlafen hat:

Johann Zarco und KTM: Im vergangenen Jahr fuhr der Franzose mit der Kunden-Yamaha einen neuen Rundenrekord, stand auf der Pole-Position und mischte im Rennen in der Spitzengruppe mit. In diesem Jahr erkämpfte er sich mit der unterlegenen KTM einen mageren Punkt. Die erhofften Fortschritte bei KTM blieben trotz Technikoffensive bisher aus. Die Fragezeichen bleiben. Hinter Aprilia sind die Österreicher aktuell nur sechste Kraft. Und auch in der Moto2 erlebte KTM in Katar ein Debakel: WM-Kandidat Brad Binder kam als bester KTM-Pilot auf Platz zwölf ins Ziel. Die kompletten Top 10 waren mit Material von Kalex unterwegs.

Pramac: Komplettausfall beim Saisonstart. Jack Miller ging mit großen Hoffnungen in das erste Rennen der Saison, erlebte aber zeitig Turbulenzen. Der Sitz seiner Ducati löste sich. Miller reagierte pragmatisch und riss das Teil während der Fahrt ab. Damit gefährdete der MotoGP-Laufsieger die Sicherheit der Hinterherfahrenden. Besonders von Aleix Espargaro wurde Miller für diese Aktion hart kritisiert. Zurecht, wie ich finde. Selbst wenn es nur ein Schaumstoff war, sollte man etwas mehr Phantasie haben, welche Folgen das haben kann. Teamkollege Francesco Bagnaia sah ebenfalls nicht die Zielflagge. Null Punkte für das hoch eingeschätzte Ducati-Kundenteam. Es kann nur besser werden.

Ihr,

Sebastian Fränzschky

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Danilo Petrucci, Ducati Team, Alex Rins, Team Suzuki MotoGP, Cal Crutchlow, Team LCR Honda

Danilo Petrucci, Ducati Team, Alex Rins, Team Suzuki MotoGP, Cal Crutchlow, Team LCR Honda
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Danilo Petrucci, Ducati Team

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Andrea Dovizioso, Ducati Team, Marc Marquez, Repsol Honda Team, Alex Rins, Team Suzuki MotoGP

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Ausritt: Francesco Bagnaia, Pramac Racing

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Andrea Dovizioso, Ducati Team, Marc Marquez, Repsol Honda Team, Alex Rins, Team Suzuki MotoGP

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Andrea Dovizioso, Ducati Team, führt

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Andrea Dovizioso, Ducati Team

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Aleix Espargaro, Aprilia Racing Team Gresini

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1. Andrea Dovizioso, Ducati Team, 3. Cal Crutchlow, Team LCR Honda

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1. Andrea Dovizioso, Ducati Team

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Mit Bildmaterial von LAT.

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Rennserie MotoGP
Event Losail
Urheber Sebastian Fränzschky
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