"Kein Sieg war so emotional wie dieser" - Marc Marquez jubelt am Sachsenring

Erstmals seit seinem Comeback kann Marc Marquez ein MotoGP-Rennen gewinnen: Auf dem Sachsenring riskiert der Spanier viel und beendet Hondas Durststrecke

"Kein Sieg war so emotional wie dieser" - Marc Marquez jubelt am Sachsenring

Marc Marquez feierte heute beim Deutschland-Grand-Prix auf dem Sachsenring seinen ersten Sieg nach der langen Verletzungspause (zum Rennbericht). Exakt 581 Tage nach seinem bisher letzten Laufsieg stieg Marquez zum ersten Mal seit dem MotoGP-Saisonfinale 2019 wieder auf die oberste Stufe und kämpfte nach der Zieldurchfahrt mit den Emotionen.

"Ich hatte viele tolle Siege. Doch keiner war so emotional wie dieser. Der Gewinn einer Meisterschaft ist nicht vergleichbar. Doch ich feierte noch nie einen so emotionalen und wichtigen Sieg wie heute", kommentiert der Honda-Werkspilot, der damit die längste Durststrecke seines Arbeitgebers beendete.

"Ich genoss es so sehr, als ich die Ziellinie überquerte und dann die Emotionen meines Teams sah. Das hilft sehr", berichtet Marquez und bedankt sich bei den Leuten, die diesen Erfolg ermöglichten: "Wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet, dann kann man nicht allein daraus finden."

"Man braucht andere Leute dazu, ein Team von Ärzten und ein Team von Physiotherapeuten. Honda brachte mir sehr viel Respekt entgegen. Alberto Puig, mein Manager Emilio Alzamora und meine Familie waren eine große Hilfe. Wir arbeiteten sehr hart", blickt Marquez auf die vergangenen Wochen und Monate zurück.

"Es war eine schwierige Zeit und ist es nach wie vor. Dieser Sieg hilft, so weiterzumachen. Wir kamen nach drei Nullern hierhin. Es war mental und auch körperlich nicht einfach", gesteht der einstige Seriensieger. Eine Trendwende erwartet Marquez aber nicht.

Momentaufnahme oder finale Rückkehr zu alter Stärke

"Bei den kommenden Rennen werden wir wieder mit der Realität konfrontiert", schaut er auf die bevorstehende Dutch TT in Assen am kommenden Wochenende. "Doch jetzt ist es an der Zeit, dieses Wochenende zu feiern. Wir befanden uns in einer schwierigen Situation und suchten nach einer Tankstelle. Wir fanden eine und haben nun wieder einen vollen Tank. Das ist für Honda, für die Ingenieure und für die Fahrer eine zusätzliche Motivation."

Das Layout des Sachsenrings kam Marquez entgegen. "Am Donnerstag erklärte ich bereits, dass ich bei diesem Rennen weniger körperliche Limitierungen haben werde. Es gibt weniger Rechtskurven, also weniger Kurven, in denen ich Probleme habe", erklärt er. "In Rechtskurven fühle ich mich von der Haltung noch nicht richtig wohl, doch es ist kein Problem, dennoch schnell zu sein."

Marc Marquez

Als ein leichter Regenschauer einsetzte, fuhr Marquez einen Vorsprung heraus

Foto: Motorsport Images

"Vor dem Wochenende setzte ich mir den Kampf ums Podium als Ziel. Ich wollte nah an den Spitzenfahrern dran sein. Der Sieg war unwahrscheinlich. Doch ich wusste, dass ich es versuchen werde, wenn die Bedingungen stimmen", schildert Marquez.

"Als ich die Regentropfen sah in Runde vier oder fünf sah, wusste ich, dass es mein Rennen ist. Von da an attackierte ich und fuhr die gleichen Rundenzeiten wie vorher. Als zum zweiten Mal Regentropfen fielen, attackierte ich noch mehr", berichtet Marquez. "Ich sagte mir, dass es der richtige Zeitpunkt ist, um ein gewisses Risiko einzugehen."

Fernduell mit KTM-Werkspilot Miguel Oliveira mental fordernd

Nach dem kurzen Regenschauer kontrollierte Marquez einen Vorsprung von 1,0 bis 1,5 Sekunden zu KTM-Pilot Miguel Oliveira. "Nach diesem Moment begann das zweite Rennen mit Miguel. Er attackierte sehr stark. Es war hart. Es war richtig schwierig, die Konzentration zu erhalten. Mir gingen die Erinnerungen aus dem vergangenen Jahr durch den Kopf. Doch wir haben es geschafft und werden es erneut schaffen", zeigt sich Marquez kämpferisch.

Marc Marquez

Marc Marquez hielt KTM-Pilot Miguel Oliveira auf Distanz

Foto: Motorsport Images

Die zweite Rennhälfte war für Marquez sehr anspruchsvoll, weil er sich keinen Fehler erlauben durfte. "Der Vorsprung reichte am Ende aus. Miguel war heute schneller als ich. Unter normalen Bedingungen wäre er ein bisschen schneller gewesen als ich", erkennt Marquez.

"Zu einem Punkt im Rennen dachte ich, dass er mich einholt", gesteht Marquez. "Dann sagte ich mir, dass ich weiter attackieren muss. Im ersten Sektor attackierte ich stärker. Ich wusste, dass das mein schnellster Sektor ist. Sektor drei war sein bester Sektor. Im dritten Sektor wollte ich nur überleben und im Sektor eins musst ich angreifen."

Mentaler Trick erleichtert das Rennen

"Es war schwierig, zu attackieren und die Zuversicht zu behalten. Ich dachte an die drei Stürze in Folge", bemerkt Marquez. "Es war heute auch wichtig, das Rennen überhaupt zu beenden. Und das gelang uns auf eine ziemlich gute Art und Weise."

Im Rennen nutzte Marquez einen mentalen Trick, als er die Boxentafel seiner Crew sah. "Ich tauschte den Namen 'Oliveira' gegen den Namen von meinem Bruder aus. Wenn wir Zuhause trainieren, dann üben wir auch diese Situation. Der schnellere Fahrer fährt hinterher und manchmal ist er schneller als ich. Ich wechselte den Namen zu dem von meinem Bruder. Ich dachte mir, wenn er mir einholt, dann ist es kein Problem. Ich attackierte und gebe natürlich nie auf", so Marquez.

Zurückzustecken kam für Marquez nicht in Frage. "Am einfachsten wäre es gewesen, etwas Druck rauszunehmen und aufs Podium zu fahren. Doch das ist nicht meine Mentalität. Die Leute hätten sehr viel Druck auf mich ausgeübt, wenn ich wieder in Führung liegend gestürzt wäre. Doch das ist mir egal. Ich folge meinem Weg und meinen Instinkten", kommentiert der Honda-Werkspilot.

Große Erwartungshaltung vor dem Sachsenring-GP

Bereits vor dem Wochenende stieg der Druck. Der Sachsenring war für Marquez immer ein guter Kurs. Zehn Siege in Folge belegten das. "Am Dienstag erhielt ich einen Anruf von Alberto (Puig). Er ist immer sehr direkt. Er fragte mich, ob ich weiß, was an diesem Wochenende ansteht und sagte, dass ich weiß, wozu ich in der Lage bin. Emilio Alzamora hingegen ist der vernünftige Part und meinte, dass ein Top-5-Ergebnis okay ist. Ich folgte einfach meinen Instinkten", bemerkt Marquez.

In der WM schob sich Marquez dank der 25 Punkte für den Sieg in die Top 10 und ist bester Honda-Pilot. Doch den WM-Stand blendet die Nummer 93 momentan komplett aus. "Ich mache mir darüber keine Gedanken, denn ich werde in diesem Jahr nicht den Titel holen. Ich liege 90 Punkte hinter Quartararo zurück und wir reden von der MotoGP. Es spielt für mich keine Rolle, ob ich Zweiter, Dritter, Vierter oder Fünfter werde", stellt Marquez klar.

Marc Marquez

Elfter Sieg in Folge: Marc Marquez ist "Mister Sachsenring"

Foto: Motorsport Images

Selbst der Vizetitel hätte für Marquez keine Bedeutung. "Wer wurde 2005 Vize-Weltmeister? Ich kann mich nicht erinnern. Niemand weiß das. Die Leute merken sich nur, wer gewinnt", so Marquez. Bei den Fans bedankt sich der Ex-Champion für den Rückhalt und das Verständnis.

"Ich danke den Fans, die meine Situation verstanden haben. Es ist nicht einfach. Es gibt Leute, die dachten, ich komme nach Portimao und gewinne. Ich danke ihnen dafür. Ich persönlich dachte, dass es weniger schwierig wird. Doch es geht langsamer voran als erwartet. Es gibt immer noch Probleme mit der Verletzung. Auf dem Motorrad denke ich mehr über den Arm nach als über das Fahren", gesteht Marquez nach seinem Erfolg in Deutschland.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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