Keine neuen Teile bei Honda in Jerez: Wie die Fahrer reagieren
Honda verzichtet beim Jerez-Test auf neue Teile und gewinnt trotzdem wichtige Erkenntnisse - Wie die Fahrer die Lage des MotoGP-Herstellers einschätzen
Luca Marini und Joan Mir beim MotoGP-Test in Jerez
Foto: Honda Honda
Beim MotoGP-Test in Jerez 2026 fiel im Honda-Lager vor allem eines auf: Während andere Hersteller ihre Garagen mit neuen Teilen füllten, blieb es bei den Japanern auffallend ruhig. Keine großen Updates, keine spektakulären Aero-Pakete. Stattdessen lag der Fokus klar auf Feinarbeit.
Eine bewusste Entscheidung, wie Teammanager Alberto Puig erklärt: "Wir versuchen immer, neue Komponenten einzubringen, aber wir versuchen auch, einen Kompromiss zwischen der diesjährigen Entwicklung und der des nächsten Jahres zu finden."
Diese strategische Zurückhaltung sorgte naturgemäß für gemischte Reaktionen bei den Fahrern. Denn der Wunsch nach frischem Material ist im Fahrerlager allgegenwärtig, gerade in einer Phase, in der Honda weiterhin um den Anschluss kämpft.
Honda-Fahrer: Das kann auch von Vorteil sein
Joan Mir zeigt Verständnis für den Ansatz, machte aber zugleich klar, dass sich ein Fahrer grundsätzlich mehr wünscht: "Es ist klar, dass man als Fahrer immer mehr will und neue Teile möchte, um das Motorrad zu verbessern." Gleichzeitig erkannt er auch den Wert eines solchen Tests ohne technische Ablenkung.
Honda habe "versucht, auf eine andere Weise Ideen zu finden", und ein Test ohne neue Teile könne helfen, "mehr Dinge zu verstehen", meint der Weltmeister von 2020.

Johann Zarco sieht im Fehlen neuer Teile in Jerez auch einen Vorteil
Foto: Castrol Honda LCR
Ähnlich pragmatisch fällt die Einschätzung von Johann Zarco aus. Für den Franzosen bringt die reduzierte Entwicklungsarbeit sogar Vorteile: Wenn der Fokus ausschließlich auf Set-up und Fahrstil liege, werde vieles klarer. "Dann bekommst du die Dinge klarer in deinen Kopf und in deinen Körper", erklärt Zarco.
Neue Teile könnten zwar kurzfristig funktionieren, benötigten aber stets Anpassungszeit. Stattdessen verweist der LCR-Pilot darauf, "wie sehr ein bisschen Set-up-Arbeit und ein gutes Gefühl auf dem Motorrad vielleicht einen größeren Unterschied machen können als zum Beispiel eine neue Schwinge".
Wo Mir, Marini und Zarco Fortschritte sehen
Auch Luca Marini ordnet die Situation differenziert ein, insbesondere im Hinblick auf die Aerodynamik, bei der andere Hersteller sichtbar aufgerüstet hatten.
Zwar sei Honda hier aktuell nicht führend: "Nein, sicher nicht, wir sind nicht an der Spitze." Gleichzeitig betonte Marini, dass dies kein Stillstand bedeute. Die Entwicklung laufe im Hintergrund weiter, unter anderem mit Testfahrer Takaaki Nakagami.
Der Jerez-Test selbst sei schlicht nicht auf Aerodynamik ausgerichtet gewesen. Zudem habe Honda bereits zwei Verkleidungsvarianten homologiert, was den Spielraum einschränke. Entsprechend konzentrierte sich das Team auf Details: "Wir müssen klug sein und uns auf die kleinen Dinge am Motorrad fokussieren."
Diese Herangehensweise trug in Jerez erste Früchte, denn trotz fehlender Neuteile zogen die Fahrer ein vorsichtig positives Fazit. Mir betonte nach einem "sehr arbeitsreichen Tag": "Für die Zukunft verstehen wir ein bisschen besser, was wir tun müssen."
Der nächste große Schritt sei zwar ausgeblieben, doch gerade beim Thema Grip habe man wichtige Erkenntnisse gewonnen, vor allem darüber, welche Ansätze nicht funktionieren.
Marini berichtete ebenfalls von kleinen Fortschritten, insbesondere im Elektronikbereich und bei der Beschleunigung. Zudem arbeitete Honda an Gewichtsverteilung und Set-up-Varianten - mit gemischten Ergebnissen, aber wichtigen Erkenntnissen.
Für die nächsten Rennen will Marini die in Jerez gesammelten Daten gezielt einsetzen: Man habe "viele Informationen gewonnen", um bestmöglich vorbereitet zu sein. Gleiches gilt für Zarco, denn das kommende Rennen ist sein Heim-Grand-Prix in Le Mans, den er vor einem Jahr auf spektakuläre Weise gewann.
Die zahlreichen Runs, die er am Montag in Jerez absolvierte, hätten ihm und dem Team wertvolle Hinweise geliefert. Gerade im Hinblick auf Probleme in schnellen Kurven und beim Reifenverschleiß sieht der Franzose Ansatzpunkte: Die gesammelten Daten seien "gut für die Ingenieure, um daran zu arbeiten".
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