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"Komplett neue Ära": Borsoi bewertet Yamahas Rückstand und Fortschritte

Yamaha kämpft als V4-Neuling gegen erfahrene MotoGP-Konkurrenz - Gino Borsoi von Pramac ordnet Entwicklung, Probleme und die nächsten Schritte ein

"Komplett neue Ära": Borsoi bewertet Yamahas Rückstand und Fortschritte

Gino Borsoi wertet den Rückstand von Yamaha eher als positives Zeichen

Foto: 2025 2025

Yamaha befindet sich noch immer mitten in einem der größten technischen Umbrüche seiner Geschichte. Nach Jahrzehnten mit dem Reihenvierzylinder setzt der Hersteller in der MotoGP inzwischen auf einen V4-Motor und muss sich dabei mit Konkurrenten messen, die dieses Konzept bereits seit Jahren perfektionieren.

Für Pramac-Teammanager Gino Borsoi sind Vergleiche deshalb wenig zielführend. "Ganz sicher ist es nicht einfach, wenn man bei null anfangen muss, komplett bei null", betont der Italiener im exklusiven Gespräch mit Motorsport-Total.com.

Während Ducati, KTM, Aprilia und Honda ihre V4-Konzepte über mehrere Jahre hinweg weiterentwickelt hätten, fehle Yamaha diese Erfahrung noch. "Die anderen Hersteller verfügen über viel mehr Informationen, viel mehr Feedback der Fahrer und von der Strecke", weiß Borsoi. "Sie feilen heute nur noch am Feintuning ihres Motorrads. Wir stehen dagegen erst am Anfang der Geschichte des V4."

Borsoi bewertet aktuellen Rückstand positiv

Entsprechend bewertet er die aktuelle Leistungsfähigkeit deutlich positiver, als es die Ergebnisse vermuten lassen. Der Rückstand von rund 1,2 Sekunden auf die Spitze sei angesichts des Entwicklungsstands bereits bemerkenswert, urteilt er.

"Eine Sekunde oder 1,2 Sekunden Rückstand sind für Yamaha schon ein unglaubliches Ergebnis. Man muss seine Denkweise komplett neu aufbauen. Das ist eine völlig neue Ära."

Ohne jede Erfahrung mit dem neun Motorenkonzept, und das bei einem technischen Niveau, das in der MotoGP so hoch sei wie nie zuvor, sei die Aufgabe enorm schwierig. Dennoch zieht Borsoi ein positives Zwischenfazit: "Meiner Meinung nach sind wir besser, als ich es nach dem vergangenen Jahr erwartet hatte."

Dass das Potenzial des Motorrads bereits vorhanden ist, sieht Borsoi auch in einzelnen Ausreißern. Jack Miller schaffte zuletzt den Sprung ins zweite Qualifying und zeigte, dass die Yamaha unter passenden Bedingungen konkurrenzfähig sein kann.

"Das ist das Signal, dass das Niveau des Motorrads gar nicht so weit von den anderen entfernt ist", erklärt Borsoi. Das größte Handicap sei derzeit eindeutig die Motorleistung.

"Darunter leiden wir enorm", räumt Borsoi ein. Gleichzeitig wertet er den geringen Rückstand als Bestätigung für andere Bereiche des Motorrads: "Wenn man mit der Yamaha nur etwa 1,2 Sekunden hinter der Spitze liegt, bedeutet das, dass Aerodynamik, Elektronik und Chassis im Moment ziemlich gut funktionieren."

Weitere Updates für den 1000er geplant

Obwohl ab 2027 mit den neuen 850ccm-Motoren ohnehin ein kompletter Reglementwechsel ansteht, will Yamaha die Entwicklung des aktuellen 1000er-Triebwerks nicht einstellen. Borsoi betont, dass beide Projekte derzeit parallel laufen. "Der Fokus liegt nicht ausschließlich auf dem 850er-Motor", sagt er.

Yamaha arbeite weiterhin intensiv an der aktuellen Maschine, denn die gewonnenen Erkenntnisse seien auch für die nächste Motorengeneration wertvoll. Es gehe darum, zu verstehen, wie sich Leistung finden lasse und gleichzeitig Zuverlässigkeit und Haltbarkeit verbessert werden können. "Wenn man weiß, wie man Leistung entwickelt, hat man auch die richtige Denkweise für die nächste Motorengeneration."

Nach Angaben des Pramac-Teammanagers ist die Entwicklung des aktuellen Aggregats deshalb noch längst nicht abgeschlossen. "Nach unserem Plan können wir bis zum Saisonende noch ein oder vielleicht sogar zwei Updates bekommen."

Ducati-Erfahrung hilft beim Neuaufbau

Für Borsoi selbst ist das Yamaha-Projekt ebenfalls eine Umstellung. Nach vielen Jahren der Partnerschaft mit Ducati, die Jorge Martins Titel endete, arbeitet der Italiener inzwischen in einem völlig anderen kulturellen Umfeld. Die Unterschiede seien spürbar, allerdings ausschließlich organisatorischer Natur.

"Natürlich ist es anders", sagt Borsoi. Während man bei Ducati "einfach mit dem Auto nach Bologna fahren, einen Kaffee trinken und mit den Ingenieuren sprechen" konnte, sei ein spontaner Austausch mit Japan naturgemäß deutlich aufwendiger.

Die Zusammenarbeit beschreibt er dennoch ausgesprochen positiv. "Die Mentalität und die Kultur unterscheiden sich, aber sie sind genauso professionell wie Ducati. Sie hören uns wirklich zu und sind offen für unsere Vorschläge", betont er.

Gerade diese Offenheit sei eine der größten Stärken der Zusammenarbeit. Und so habe sich zwischen Pramac und Yamaha bereits eine enge Verbindung entwickelt. "Die Beziehung zu Yamaha ist stark und sehr gut. Sie sind wirklich offen."

Gleichzeitig profitiert Yamaha nach Borsois Einschätzung auch von den Erfahrungen, die Pramac aus den erfolgreichen Ducati-Jahren mitbringt. "Wir bringen unsere Erfahrungen von Ducati mit ein, und genau diese Erfahrungen haben dabei geholfen, das neue Motorrad für die kommende Saison aufzubauen."

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