KTM öffnet MotoGP-Motoren vor Aragon: Neue Chance für Pedro Acosta
KTM hat seine MotoGP-Motoren im Werk geöffnet und problemverdächtige Bauteile ausgetauscht - Besonders für Pedro Acosta könnte die Maßnahme entscheidend sein
KTM hat die Hoffnung, nach der Reparatur wieder durchstarten zu können
Foto: Gold Gold
KTM hat die jüngste Pause genutzt, um die zuletzt von Defekten geplagten MotoGP-Motoren einer umfassenden Überarbeitung zu unterziehen. Insgesamt wurden sieben Einheiten im Motorenzentrum des Herstellers in Munderfing geöffnet.
Dabei wurden jene Komponenten ausgetauscht, die man als mögliche Ursache für die Ausfälle identifiziert hatte. Anschließend wurden die Motoren wieder versiegelt und können nun erneut im regulären Motorenpool eingesetzt werden.
Die Arbeiten begannen am vergangenen Montag im KTM-Motorenzentrum in Munderfing, nur wenige Kilometer vom Unternehmensstandort Mattighofen entfernt. Die Maßnahme erfolgte unter größter Geheimhaltung. Zuvor hatten die übrigen Hersteller der MotoGP KTM die Genehmigung erteilt, die eigentlich versiegelten Motoren zu öffnen.
Die Arbeiten fanden zudem unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt und wurden unter Aufsicht der zuständigen Meisterschaftsgremien durchgeführt.
Welche konkreten Bauteile KTM ersetzt hat, wurde bislang nicht offiziell bestätigt. Es deutet jedoch vieles auf die pneumatischen Ventile der Motoren als mögliche Ursache der Probleme hin. Ein ähnliches Problem hatte Yamaha bereits 2020.
Damals führte ein Fehler bei einem Zulieferer dazu, dass sich die Ventile des M1-Motors nicht dem homologierten Design entsprachen und zu Fehlfunktionen führten. Auch Yamaha erhielt seinerzeit die Zustimmung der Konkurrenz, die versiegelten Motoren zu öffnen und die betroffenen Komponenten auszutauschen.
Sieben gebrauchte Motoren praktisch runderneuert
Ein MotoGP-Motor verfügt über vier Zylinder und insgesamt 16 Ventile. Werden die Motoren einmal geöffnet, reicht es deshalb nicht aus, lediglich die mutmaßlich fehlerhaften Ventile zu ersetzen. Auch weitere Komponenten wie Unterlegscheiben, Dichtungen und Schmiermittel müssen in dem Zusammenhang erneuert werden.
Damit befinden sich die sieben von KTM geöffneten Antriebseinheiten nach der Überarbeitung technisch in einem Zustand, der sie praktisch wieder zu neuen Motoren macht, obwohl sie zuvor bereits einige Renneinsätze absolviert hatten.
Bis zur erlaubten Öffnung der Motoren hatte KTM auf die auftretenden Probleme zuletzt mit einer vorsichtigeren Strategie reagiert. Je nach Streckencharakteristik reduzierte der Hersteller bei einigen Grands Prix die Leistung beziehungsweise die Drehzahl der Motoren, um das Risiko weiterer Ausfälle zu minimieren. Ob diese Einschränkung nach der Überarbeitung weiterhin notwendig sein wird, ist derzeit offen.
Besonders wichtig ist die Maßnahme für Pedro Acosta, der in der bisherigen MotoGP-Saison mehrfach unerwartete Motorprobleme hinnehmen musste. Besonders dramatisch war der Vorfall in Montmelo, als seine KTM plötzlich ausfiel und es in der Folge zu einem schweren Unfall mit Alex Marquez kam, der auf ihn auffuhr.
Seitdem musste Acosta mit reduzierter Motordrehzahl antreten. Deshalb setzte KTM bei Öffnung der Motoren zahlreiche Ingenieure und Techniker ein, die praktisch rund um die Uhr daran arbeiteten, alle notwendigen Änderungen vorzunehmen.
Acosta besonders betroffen: Vier Motoren überarbeitet
Im Mittelpunkt standen dabei die vier Antriebseinheiten, die sich in Acostas Pool befinden. Der Spanier hatte in dieser Saison bislang sechs Motoren verwendet. Zwei davon wurden inzwischen aus seiner Rotation genommen. Damit bleiben ihm vier überarbeitete Motoren sowie zwei weitere Einheiten, die noch unbenutzt sind.
Die Motorenstrategie von Acosta zeigt, wie sich das Problem im Saisonverlauf entwickelt hat: Bei den ersten fünf Grands Prix des Jahres in Thailand, Brasilien, den USA, Spanien und Frankreich kamen zunächst die Motoren 1 und 2 zum Einsatz.
Beim sechsten Saisonlauf in Montmelo griff Acosta erneut auf Motor 1 zurück und nahm zusätzlich Motor Nummer 3 in Betrieb. In Italien setzte er weiterhin auf die Einheiten 1 und 3 und öffnete zusätzlich Motor Nummer 4. Beim Ungarn-Grand-Prix im Balaton Park blieb Motor 1 im Einsatz, während Motor 4 ebenfalls verwendet und mit Nummer 5 eine weitere neue Antriebseinheit angebrochen wurde.
In Tschechien kamen die Motoren 3 und 5 zum Einsatz. Zusätzlich kam Motor Nummer 6 zum Einsatz. Nach diesem Rennen entschied KTM jedoch, die beiden Einheiten 5 und 6 aus der Rotation zu nehmen. Die Gründe dafür wurden nicht näher erläutert.
Beim Rennen in den Niederlanden verwendete Acosta die Motoren 2 und 3. Auf dem Sachsenring kehrte der Spanier anschließend wieder zu den Einheiten 1 und 2 zurück.
Zu den Motoren, die Acosta beim Grand Prix von Großbritannien in Silverstone verwendet hat, liegen derzeit keine detaillierten Informationen vor. Fest steht jedoch: Da die Einheiten 5 und 6 aus der Rotation genommen wurden, gehören die Motoren 1 bis 4 zu den Einheiten, die nun geöffnet und überarbeitet wurden.
Besonders interessant sind dabei Motor 1 und Motor 2. Sie wurden mit neun und sieben Grands Prix am häufigsten eingesetzt und erhalten durch den Austausch der relevanten Komponenten nun eine umfassende technische "Verjüngungskur".
KTM-Konkurrenz bislang ohne vergleichbare Probleme
Bei den wichtigsten Konkurrenten gibt es derzeit keine vergleichbaren Motorenprobleme. Das Aprilia-Duo Jorge Martin und Marco Bezzecchi brachte bis einschließlich des Grands Prix von Deutschland jeweils fünf Motoren auf die Strecke.
Eine dieser Einheiten wurde bereits aus der Rotation genommen. Damit stehen beiden drei neue und vier bereits eingesetzte Motoren für die weitere Saison zur Verfügung.
Ai Ogura von Trackhouse-Aprilia sowie die Ducati-Werkspiloten Marc Marquez und Francesco Bagnaia haben ebenfalls jeweils fünf Motoren verwendet. Anders als etwa bei KTM befinden sich bei ihnen weiterhin alle fünf Einheiten in der Rotation.
Fabio Di Giannantonio vom VR46-Ducati-Team hat bislang lediglich vier Motoren geöffnet. Entsprechend verfügt er noch über vier komplett neue Einheiten.
Am anderen Ende der Statistik steht KTM-Werksfahrer Brad Binder. Der Südafrikaner ist bereits mit sechs seiner Motoren gefahren und hat drei davon aus der Rotation genommen - und damit einen mehr als sein Teamkollege Acosta.
Auch Yamaha hat bereits mehrere Einheiten aussortiert. Toprak Razgatlioglu und Alex Rins haben jeweils drei beziehungsweise zwei Motoren aus ihrem Pool verloren. Allerdings stehen Yamaha aufgrund der geltenden Konzessionen anders als den übrigen Herstellern zehn statt nur acht Motoren pro Fahrer zur Verfügung.
Für KTM dürfte sich beim kommenden Grand Prix in Aragon zeigen, ob die aufwendige Überarbeitung tatsächlich den erhofften Effekt bringt. Besonders bei Acosta wird mit Spannung erwartet, ob die Motoren wieder ohne die bisherige Drehzahl- und Leistungsbeschränkung eingesetzt werden können.
Diese Story teilen oder speichern
Registrieren und Motorsport.com mit Adblocker genießen!
Von Formel 1 bis MotoGP berichten wir direkt aus dem Fahrerlager, denn wir lieben unseren Sport genau wie Du. Damit wir dir unseren Fachjournalismus weiterhin bieten können, verwendet unsere Website Cookies. Dadurch wird Dein Nutzererlebnis optimiert und die Werbung auf Deine Interessen zugeschnitten. Wir wollen dir aber natürlich trotzdem die Möglichkeit geben, eine werbefreie Website zu genießen.