Lecuona vor MotoGP-Rückkehr: "Wenn ich nicht Letzter bin, ist alles okay"
Iker Lecuona feiert in Ungarn sein überraschendes MotoGP-Comeback - Der Spanier spricht über die spontane Anfrage von Ducati und seine Erwartungen
Iker Lecuona ersetzt in Ungarn den verletzten Alex Marquez bei Gresini
Foto: Gold Gold
Nachdem in Mugello Michele Pirro für den verletzten Alex Marquez einsprang, erhält beim Grand Prix von Ungarn Iker Lecuona eine Chance im Gresini-Team. Die Nominierung kam für den Superbike-Piloten selbst überraschend und wurde erst wenige Tage nach einem Testeinsatz in Aragon endgültig konkret.
Überraschung beim Aragon-Test
Lecuona schildert, wie plötzlich die Anfrage kam. Noch während eines Michelin-Tests in Aragon Anfang dieser Woche, mit dem sich die Superbike-WM auf einen Herstellerwechsel 2027 vorbereitet, habe sich die Situation entwickelt.
"Ich hatte den ersten Run, dann hatten wir etwa 15 Minuten, in denen das Team das Bike checken musste. Dann sagte mir mein Assistent Paco: "Hey, Diego [sein Manager] will mit dir sprechen'", berichtet Lecuona. Auf einmal hieß es: "Willst du in der MotoGP fahren?" In einer ersten Reaktion habe er es nicht glauben können.
"Ich habe auch zu Ducati gesagt, dass es für mich eine große Überraschung war", gesteht Lecuona. "Danke an Ducati für diese Möglichkeit, danke auch an Gresini und natürlich an Aruba. Wir haben gemeinsam diese Entscheidung getroffen, und das war wichtig. Also danke an alle, die mir diese Chance gegeben haben."
"Kein Druck, sondern ein Geschenk"
Trotz der kurzfristigen Rückkehr in die Königsklasse sieht Lecuona seine Rolle nicht als Belastung. Im Gegenteil: Der Einsatz sei für ihn eine besondere Gelegenheit, nachdem er 2020/21 bereits als MotoGP-Stammfahrer für Tech3-KTM unterwegs war.
"Ich versuche nicht, hierherzukommen. Ich sehe das wie ein Geschenk", sagt er. "Ich denke nicht, dass es Druck ist. Es ist eine Gelegenheit - kein Druck, sondern ein Geschenk."
Seine Entscheidung für den Einsatz in Ungarn sei entsprechend schnell gefallen sei, auch wenn der Spanier einnräumt: "Ich wollte eigentlich drei Jahre ohne MotoGP genießen. Aber wenn Ducati dir diese Chance gibt, kannst du nicht Nein sagen."
Dabei habe auch sein aktuelles Umfeld bei der Wahl eine Rolle gespielt: "Ducati sieht, dass ich in der Superbike-Welt gute Arbeit leiste, und auch für meine Zukunft ist das wichtig. Und Gresini hat zugestimmt, mir diese Chance zu geben. Auch Aruba war beteiligt. An alle drei Seiten möchte ich wirklich Danke sagen."
Lecuona bleibt nur kurze Eingewöhnung
Von intensiver Vorbereitung kann jedoch kaum die Rede sein. Der Zeitplan vor dem Einsatz war eng: Test in Aragon, kurzer Aufenthalt in Valencia, dann direkte Anreise zum Grand Prix.
"Ich bin am Dienstag nach dem Test zu meinem Vater nach Valencia gefahren, mit meinem Assistenten. Gestern bin ich hier angekommen", verrät Lecuona. "Ich habe mit niemandem groß gesprochen. Ich will einfach fahren und genießen."
Technisch erwartet Lecuona eine schnelle Umstellung, auch wenn er sich bei der Reifenfrage vorsichtig äußert. Auf die Unterschiede zwischen seinen früheren Erfahrungen mit Michelin und den aktuellen beim Test angesprochen, bleibt er zurückhaltend.
"Ich weiß nicht, ob ich darüber viel sagen darf. Natürlich ist es anders als Pirelli, aber auch ähnlich", sagt er und gibt zu: "Ich hätte gerne zwei Tage mit diesem Reifen gehabt, bevor ich hierherkomme." Dennoch fühlt sich Lecuona für seine MotoGP-Stippvisite in Ungarn bereit, auch weil er wuasi gerade erst dort unterwegs war.
"Wir waren erst vor einem Monat hier in sehr guter Form mit der Superbike-WM. Ich habe also eine frische Erinnerung an diese Strecke", verweist er auf einen möglichen Vorteil.
Kritik am Kurs in puncto Sicherheit
Gleichzeitig wird der Gresini-Ersatz sehr deutlich, wenn es um die Sicherheitsbewertung des Kurses geht. Bereits aus der Superbike-Perspektive hatte er den Kurs kritisch gesehen. Im MotoGP-Kontext fällt sein Urteil noch einmal härter aus.
"Vielleicht sogar schlimmer", sagt er auf die Frage nach der Sicherheit. "Weil wir in der MotoGP auf den Geraden noch schneller sind. Aber es ist, wie es ist. Wenn es innerhalb der Regeln ist, können wir nichts sagen." Im vergangenen Jahr hatte vor allem ein Unfall von Enea Bastianini eine Sicherheitsdebatte ausgelöst.
Nachdem es bereits im Sprint zu mehreren Zwischenfällen gekommen war, rutschte Bastianini im Hauptrennen in der engen Schikane 12/13 weg und schlitterte samt Motorrad zurück auf die Ideallinie. Nachfolgende Fahrer konnten zum Glück rechtzeitig ausweichen, sodass der Tech3-KTM-Pilot unverletzt blieb.
Lecuona: Bulega hätte Aufstieg verdient
Was die mögliche Beförderung seines Teamkollegen Nicolo Bulega in die MotoGP 2027 angeht, hat Lecuona eine klare Meinung: "Er verdient es, ehrlich gesagt. Wir sind sehr schnell, wir sind die einzigen beiden Fahrer, die immer vorne wegfahren."
Bulega ist für einen Platz im VR46-Ducati-Team im Gespräch. Fix ist jedoch noch nichts. "Wenn er hierherkommt, freue ich mich für ihn. Er gewinnt im Moment alle Rennen."
Sein eigener Anspruch für den Einsatz in Ungarn bleibt derweil bewusst niedrig: keine großen Ziele, keine Prognosen. "Wenn ich nicht Letzter bin, ist alles gut", fasst Lecuona seine Erwartung an das kommende Wochenende mit einem Lächeln zusammen.
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