Lecuona zu starkem MotoGP-Rennen: "Superbike-Niveau ist nicht so niedrig"
Nach drei Jahren MotoGP-Pause und ohne die Ducati zu kennen fährt Iker Lecuona in die Top 10 - Er sagt, dass das Niveau in der Superbike-WM höher ist als viele glauben
In der letzten Runde überholte Iker Lecuona noch Jack Miller
Foto: Gold Gold
Iker Lecuona sprang im Balaton Park sprichwörtlich ins kalte Wasser. Der Spanier wurde von Gresini-Ducati als Ersatz für den verletzten Alex Marquez nominiert. Für Lecuona war es das erste MotoGP-Wochenende seit 2023.
2020 und 2021 fuhr der Spanier für das Tech3-KTM-Team. 2023 kam er bei Honda zu sieben Renneinsätzen als Ersatzfahrer. Und nun stieg er ohne vorherige Testfahrten zum ersten Mal auf die Ducati Desmosedici.
"Alles ist anders", sagt Lecuona zum technischen Vergleich. "Als ich bei KTM war, hatten wir diese Devices nicht. Später haben wir sie bekommen, aber es war ein ganz anderer Ansatz. Wir hatten auch kaum Aerodynamik."
"Bei Honda hatten wir das Ride-Height-Device, aber es funktionierte auf eine ganz andere Weise. Dazu kommt der andere Reifen und die Aerodynamik generell. Das Motorrad ist also fast komplett neu für mich. Ich muss lernen, es zu nutzen."
"Ich muss auch die Arbeitsweise im Team lernen. Also alles ist neu, und trotzdem sind wir ziemlich konkurrenzfähig. Das ist eine große Überraschung, und ich bin natürlich sehr glücklich."
Lecuona steigerte sich kontinuierlich. Im ersten Training lag er mit zwei Sekunden Rückstand auf dem vorletzten Platz. Im zweiten Freitagstraining verbesserte er sich auf Platz 17. Auf den Einzug in Q2 fehlten nur drei Zehntelsekunden.
In Q1 qualifizierte er sich für Startplatz 16 und war eine halbe Sekunde langsamer als Ducati-Werksfahrer Francesco Bagnaia. Im Sprint fuhr Lecuona als 17. ins Ziel und fuhr in einer Gruppe mit etablierten Stammfahrern wie Fabio Quartararo (Yamaha).
Anfang Mai wurde Lecuona bei den drei Superbike-Rennen im Balaton Park jeweils Zweiter. Wie fällt sein Vergleich zu einem MotoGP-Rennen aus? "Es war anders, weil ich sagen muss, dass es in der Superbike-WM viel einfacher war zu überholen."
"Ich erinnere mich an das lange Rennen am Samstag, da lag ich mit einer Strafe auf Platz acht und wurde am Ende Zweiter, mit vielen Überholmanövern. Aber ich muss sagen, die Strecke war schmutziger als bei der Superbike-WM."
"Und auch die erste Kurve war vom Grip her schrecklich. Aber insgesamt bin ich ehrlich gesagt zufrieden", sagt Lecuona. "Im FP2 bin ich alleine gefahren, ohne Referenz, und war am Ende in den Top 10 oder Top 11."

Iker Lecuona hatte bei seinem MotoGP-Comeback viel Spaß
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
"Im Qualifying habe ich nicht alle Sektoren zusammenbekommen, vielleicht habe ich deshalb Q2 nicht erreicht. Aber insgesamt weiß ich, dass mein Speed vorhanden war, nur war es schwierig, den weichen Reifen zu verstehen."
"Ehrlich gesagt wissen alle anderen genau, wie sie auf den Reifen Druck bringen müssen, wann und warum. Ich weiß es nicht. Ich habe es versucht, habe aber viele Fehler in den Runden gemacht, weil ich pushen wollte. Das ist ziemlich tricky."
"Und im Sprint war mein Ziel ehrlich gesagt einfach nur, die 13 Runden zu fahren. Im vergangenen Jahr hatte ich hier in der ersten Runde einen heftigen Sturz, also wollte ich einfach ins Ziel kommen und bin viele Kurven eher vorsichtig gefahren."
Die Aerodynamik ist ein großer Unterschied zur Superbike-WM
In den beiden Rennen spürte Lecuona im Pulk die Auswirkungen der MotoGP-Aerodynamik, die deutlich entwickelter ist als in der Superbike-WM. Das macht das Fahren ganz anders.
"Eine schwierige Sache ist das Fahren im Windschatten und das Bremsen", erläutert Lecuona und geht ins Detail: "In der Superbike-WM spürt man es ein bisschen, aber hier ist es extrem."
"Ich musste immer aus der Linie ausscheren, aber wenn du das wegen des Windschattens machst, kommst du auf den schmutzigen Teil der Strecke. Also entweder bleibst du dahinter und der Windschatten zieht dich mit."

Die Aerodynamik und der Windschatten waren für Lecuona neu
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"Oder du scherst aus und hast vorne weniger Grip. Das ist schwierig. Ich glaube, das ist der komplizierteste Teil des Rennens, den ich lernen muss, weil es für mich neu ist."
Lecuona beendete den Grand Prix als Siebter und sammelte neun WM-Punkte. In der Schlussphase überholte er Jack Miller (Pramac-Yamaha) und holte auch noch Diogo Moreira (LCR-Honda) ein. Moreira und Lecuona sind gut befreundet.
"Ehrlich gesagt bin ich sehr, sehr zufrieden", ist Lecuona stolz auf seine Leistung. "Ich habe ein paar Überholmanöver gemacht, gekämpft, bin allerdings öfter weit gegangen, als ich erwartet hatte."
"Dadurch habe ich viel Zeit verloren, als ich Miller einholen wollte. Aber in der letzten Runde musste ich ihn überholen. Ich habe in Kurve 9 besser gebremst und ihn in der letzten Runde überholt, deshalb bin ich wirklich sehr zufrieden."
Niveau der Superbike-WM höher, als manche denken
Deswegen bewertet Lecuona sein Wochenende mit zehn von zehn Punkten. In den vergangenen Monaten sind drei Topfahrer der Superbike-WM in unterschiedlichen Situationen in die MotoGP gekommen.
Nicolo Bulega vertrat Ende 2025 bei den letzten beiden Rennen Marc Marquez im Ducati-Werksteam. Toprak Razgatlioglu bestreitet seine erste Saison mit Pramac-Yamaha, und nun überzeugte Lecuona bei seinem Einsatz mit Platz sieben.
"Ich bin hier ohne Erfahrung nach drei Jahren auf einem neuen Motorrad, alles ist neu. Und ich lande trotzdem dort. Klar, andere sind gestürzt, aber selbst ein zwölfter Platz wäre wirklich gut gewesen", sagt Lecuona.

In der Superbike-WM konnte Lecuona seinen Teamkollegen noch nicht besiegen
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
"Die Superbike-WM beeindruckt wirklich mit ihrem Niveau. Man sieht, dass Nicolo und ich auf einem sehr hohen Level sind. Das Niveau in der Superbike-WM ist definitiv nicht so niedrig, wie manche sagen oder denken."
Am kommenden Wochenende geht es für Lecuona wieder in der seriennahen Weltmeisterschaft weiter. Das siebte Rennwochenende findet in Misano (Italien) statt.
Lecuona wartet noch auf seinen ersten Superbike-Sieg. Bei den letzten fünf Rennwochenenden wurde er in allen Rennen jeweils Zweiter hinter seinem Ducati-Teamkollegen Bulega.
Wird Lecuona nach dem Wochenende in Misano wieder in die MotoGP zurückkehren und Alex Marquez auch in Brünn vertreten? "Ich weiß es nicht. Im Moment muss ich mich darauf konzentrieren, meinen Körper für Misano zu regenerieren."
"Ich hoffe, dass Alex zurückkommen kann und sich erholt. Im Moment weiß ich ehrlich gesagt nichts. Wie ich gesagt habe: Ich wusste erst am Montag, dass ich in Ungarn fahre. Also vielleicht weiß ich bis zum letzten Moment nicht, ob ich in Brünn fahre oder nicht. Aber der Fokus liegt jetzt klar auf Misano."
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